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MOBILITÄT: «Das Autofahren wird neu definiert»

Heute beginnt in Genf der Auto-Salon. Autovisionär Frank M. Rinderknecht über lust- und unlustvolles Fahren, voll automatisierte Trams und Flugzeuge.
Interview Hans-Peter Hoeren
So sieht das Autofahren der Zukunft aus (von oben links im Uhrzeigersinn): Arbeiten während des Fahrens; Hände frei, das Auto fährt autonom, Relaxen - und das Auto fährt; das Auto reagiert auf Infos. (Bild: PD)

So sieht das Autofahren der Zukunft aus (von oben links im Uhrzeigersinn): Arbeiten während des Fahrens; Hände frei, das Auto fährt autonom, Relaxen - und das Auto fährt; das Auto reagiert auf Infos. (Bild: PD)

Frank M. Rinderknecht, bei Tempo 120 km/h im Auto eine Besprechung abhalten, im Internet surfen oder einen Film gucken, und das Auto fährt von ganz allein. Diese Vision präsentieren Sie aktuell am Genfer Autosalon mit Ihrem neuen Konzeptfahrzeug Xchange. Wie realistisch ist das?

Frank M. Rinderknecht*: Das autonome Fahren wird hundertprozentig kommen. Die grossen Autohersteller rechnen mit den ersten serienreifen Fahrzeugen in 4 bis 6 Jahren. Wir haben versucht, konsequent zu Ende zu denken, was ein selbstfahrendes Auto künftig für den Fahrer bedeutet.

Und was heisst das für den Fahrer?

Rinderknecht: Er muss nicht weiter wie gebannt auf die Strasse schauen, sondern kann sich sinnvollen Dingen zuwenden. Lesen, im Internet surfen, spielen, Filme in Top-Qualität anschauen, Dokumente bearbeiten.

Sie sind ein Autoliebhaber, entspricht das noch Ihrer Vorstellung vom Autofahren?

Rinderknecht: Wir werden das Wort Fahren neu definieren müssen. Es gibt unlustvolles Fahren wie Autobahnfahrten oder Pendelfahrten zur Arbeit. Das finde ich ziemlich öde. Während dieser Zeit würde ich gerne im Auto arbeiten können. Dies gibt mir die Chance, mehr Zeit für meine Freizeit, beispielsweise für sportliche Aktivitäten, zu gewinnen.

Küsschen für das Publikum: Zwei Hostessen räkeln sich auf einem Audi. (Bild: Keystone)
Der ST1 des dänischen Herstellers Zenvo ist kein Schnäppchen: Über eine Million Franken soll der Sportwagen 1104 PS kosten. (Bild: Keystone)
Pferdestärken-Bolzer: Eine Hostess präsentiert den neuen Lamborghini Huracán (610 PS). (Bild: Keystone)
Blingbling gefällig? Der neue Concept Car Sbarro Event. (Bild: Keystone)
Der stärkste in Genf ist bereits ausverkauft: Der schwedische Koenigsegg Agera One:1 hat 1360 PS und wurde für 3,33 Millionen Euro verkauft. (Bild: Keystone)
Wie aus einem Science-Fiction-Film: Der Toyota FV2 Future Mobility Concept hat kein Lenkrad, sondern wird durch die Körperstellung des Fahrers gesteuert. (Bild: Keystone)
Reifenhersteller Pirelli setzt seine "Finken" ebenfalls mit einer Hostess in Szene. (Bild: Keystone)
Geschwungene Linien, geschaffen von Studenten des Instituto Europeo di Design in Mailand: Der Concept Car Hyundai PassoCorto. (Bild: Keystone)
Das Batmobil in Rot: Der Concept Car Sbarro Fleche Rouge. (Bild: Keystone)
Der viertstärkste Wagen in Genf: der McLaren 650S kostet 237'000 Euro und hat 650 PS unter der Haube. (Bild: Keystone)
Der Sbarro Sparta: Tuning mal ganz kantig. (Bild: Keystone)
Der Rinspeed XchanE zeigt, wie der Fahrer sich entspannen kann. Fernseher, Breitband-Internet und Kaffeemaschine natürlich inklusive. (Bild: Keystone)
Der Citröen C4 Cactus Adventure: Luftkissen rund ums Auto sorgen für Dämpfer gegen Parkschäden. (Bild: Keystone)
Lamborghini Aventador Executive: 6,5 Liter-V12-Motor mit 720 PS für rund 330'000 Euro. (Bild: Keystone)
Apple hält mit CarPlay Einzug in das Auto, hier im Ferrari FF. (Bild: Keystone)
Weltpremiere: Der Porsche 939 Hybrid. Rennmässig wird der Bolide beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans erstmals eignesetzt. 200 Mitarbeiter haben an der neuen Erfindung getüftelt. (Bild: Keystone)
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Flinke Flitzer, schnittige Schlitten

Welche Art von Fahrten würden Sie sich von einem selbstfahrenden Auto denn nicht abnehmen lassen?

Rinderknecht: Bei einer schönen Passfahrt würde ich gerne noch selber am Lenkrad drehen und die Kurven und das Auto spüren. Vorausgesetzt, dass nicht vor mir ein Auto mit 50 km/h durch die Kurven schleicht. Autofahren darf schon noch etwas Lustvolles sein. Für die 2,5 Kilometer von meinem Haus zu meinem Arbeitsort brauche ich aber keinen Autopiloten.

Wer fährt denn konkret künftig ein selbstfahrendes Auto, und wie sicher ist das?

Rinderknecht: Gesteuert wird solch ein Auto von einem Bordcomputer, der mit einer Cloud und der Infrastruktur vernetzt ist. Statistiken zeigen, dass die Technik grundsätzlich weniger Unfälle verursacht als der Mensch. Im Gegensatz zum Menschen ist die Maschine aber noch nicht in der Lage, unbekannte und unvorhergesehene Situationen mit bekannten Situationen zu vergleichen und dort die angemessenen Entscheide zu treffen. Dies müssen die Maschinen noch lernen, daran arbeiten Forscher im Bereich der künstlichen Intelligenz.

Wer haftet denn bei einem Unfall mit einem selbstfahrenden Auto?

Rinderknecht: Die Gesetze werden sich an die sich verändernden Umstände anpassen. Vor zehn Jahren waren auch noch deutlich weniger Daten im Umlauf als heute, die Datenschutzgesetze tragen dieser Zunahme noch keine Rechnung. Die Grundlage der Autohaftpflichtversicherung, die Wiener Strassenverkehrskonvention stammt aus dem Jahre 1968. Man wird diese anpassen müssen. Man wird das hinbekommen, aber bis dahin ist noch eine Wegstrecke zurückzulegen. Die Versicherer werden da letztlich mitziehen, weil statistisch gesehen die Technik sicherer ist als der Mensch.

Die Vorstellung, künftig beim Autofahren der Technik total ausgeliefert zu sein, hat aber für viele Menschen etwas Beängstigendes.

Rinderknecht: Die Maschine funktioniert statistisch gesehen fehlerfreier als der Mensch. Wir müssen uns aber nicht von ihr bestimmen lassen. Jeder kann selber entscheiden, wann und welche Strecken er selber fahren will und für welche er den Autopiloten nutzen will.

Sie haben bei Ihrem neuen Konzeptauto viel Wert auf Komfort gelegt. Es wird beworben mit dem Slogan «Nicht mal Fliegen ist ab jetzt schöner». Tragen Sie da nicht ein bisschen dick auf?

Rinderknecht: Auch künftig wird man, um von Zürich nach New York zu gelangen, einen Flug brauchen. Mit dem Konzeptauto definieren wir den Komfort beim Autofahren aber neu. Das Auto hat Relaxsitze, deren Komfort an die Business-Class grosser Airlines erinnert.

Wir reden hier ja mehr von Sesseln als Sitzen. Diese Sessel haben zwanzig verschiedene Sitzstellungen, braucht es das wirklich?

Rinderknecht: Passagiere können in diesem Konzeptauto künftig fast jede beliebige Sitz- oder Ruheposition einnehmen, beispielsweise auch eine Liegeposition wie in der Sauna. Sehr wichtig ist uns die Möglichkeit gewesen, die Sitze um 180 Grad drehen zu können, so dass die Gesprächspartner sich frontal gegenüber sitzen und eine Konversation von Auge zu Auge möglich wird.

Man kann den Vordersitz auch um 180 Grad drehen, um im hinteren Bereich des Autos einen Videofilm anzuschauen. Ist das die Zukunft?

Rinderknecht: Das muss der Markt entscheiden. Technisch ist das alles möglich. Wir präsentieren in Genf nur ein Konzept und hoffen, Gedankengänge in Bewegung zu setzen. Wenn die Besucher sich inhaltlich mit dem Fahrzeug auseinandersetzen, dann ist das Ziel erreicht.

Wird Autofahren dank des deutlich höheren Komforts dem Zugfahren einmal gänzlich den Rang ablaufen?

Rinderknecht: Ich bin ein Verfechter des öffentlichen Verkehrs. Bisher war der Zug zum Teil im Vorteil. Er transportiert einen Passagier von A nach B, und man konnte im Zug arbeiten. Mit dem selbstfahrenden Auto wird es diesen Wettbewerbsvorteil des öffentlichen Verkehrs nicht mehr so ausgeprägt geben.

Wird das autonome Fahren die technische Entwicklung revolutionieren?

Rinderknecht: Die Technologie, die hinter dem autonomen Fahren steckt, könnte ein Treiber sein für eine rasante Automatisierung in verschiedenen Lebensbereichen. Das ist vergleichbar mit der Revolution durch das Internet. Ich kann mir vorstellen, dass Trams irgendwann voll automatisiert fahren oder ein Bügelautomat oder andere Geräte dem Menschen einfache Arbeiten abnehmen.

Das klingt gespenstisch.

Rinderknecht: Es wird spannend sein zu sehen, wie der Mensch damit umgeht. Wenn ich mir vorstelle, ich werde irgendwann einmal in ein unbemanntes Flugzeug steigen, dann hätte ich bei den ersten 5 bis 10 Flügen beim Starten des Flugzeugs sicherlich feuchte Hände.

* Der Schweizer Automobildesigner Frank M. Rinderknecht (58, Bild) hat sich auf Mobilitätskonzepte spezialisiert. Am aktuellen Auto-Salon präsentiert er das selbstfahrende Konzeptfahrzeug Xchange.

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