Mobilität
Die Autobahnen leeren sich: Omikron wirft seine Schatten auf die Auslastung der Strassen, Züge und Busse

Die Mobilität in der Schweiz ist höher als vor einem Jahr. Doch erste Anzeichen deuten darauf hin, dass Menschen wieder vorsichtiger werden. Das zeigen Daten von ÖV-Betrieben, Strassen und Flughäfen.

Stefan Ehrbar
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Der Schein trügt: Auf Autobahnen sind weniger Menschen unterwegs.

Der Schein trügt: Auf Autobahnen sind weniger Menschen unterwegs.

Keystone

Seit einer Woche gilt in der Schweiz eine Homeoffice-Empfehlung. Am Mittwoch wurden so hohe Corona-Fallzahlen kommuniziert wie noch nie seit Beginn der Pandemie, und die Omikron-Variante gibt Anlass zur Sorge. Wie wirkt sich das auf die Mobilität aus? Eine Analyse zeigt: Die Menschen werden wieder vorsichtiger.

1. Strasse

Das Bundesamt für Strassen (Astra) stellt Daten zur Anzahl Fahrzeuge auf verschiedenen Autobahnabschnitten zur Verfügung. Sie reichen bis zum 5. Dezember zurück – und zeigen einen deutlichen Rückgang. So lag die Zahl der durchschnittlichen Anzahl Fahrzeuge auf der A1 bei Würenlos (AG) am Sonntag 9 Prozent unter dem Wert desselben Tages im Jahr 2019 – dem letzten Jahr vor der Krise. Um den Einfluss von Ausreissern zu minimieren, wird jeweils der Durchschnitt der letzten 7 Tage berechnet.

Bereits seit Mitte November zeigen die Zahlen nach unten. Dieser Abschnitt war im Jahr 2020 der am zweitmeisten befahrene auf dem Schweizer Autobahnnetz. Für den meistbefahrenen Abschnitt auf der A1 bei Wallisellen stellt das Astra keine aktuellen Daten zur Verfügung.

A1 bei Würenlos

Veränderung Anzahl Fahrzeuge gegenüber 2019 in Prozent, Durchschnitt der letzten 7 Tage
2021Datum-60-40-20020

Zahlen gibt es für die Zürcher Westumfahrung. Auf der A3 beim Aeschertunnel betrug der Rückgang gegenüber 2019 am Sonntag knapp 4 Prozent – eine Woche zuvor waren dort noch 2 Prozent mehr Fahrzeuge gemessen worden.

Unter den Werten des Jahres 2019 lagen am Sonntag im Durchschnitt der letzten 7 Tage auch die Messstellen auf der Schwarzwaldbrücke in Basel (-6 Prozent) oder beim Gotthardtunnel. Noch im Herbst waren dort keine Rückgänge zu verzeichnen, die Zahlen lagen teils sogar über jenen des Jahres 2019 lagen. Eine mögliche Erklärung ist die Zunahme von Homeoffice in den letzten Tagen und Wochen oder dass sich Menschen in ihrer Freizeit einschränken und weniger unterwegs sind.

2. Öffentlicher Verkehr

Auch im öffentlichen Verkehr gehen die Passagierzahlen zurück. Ein Indiz dafür sind die Passagierzahlen an der stark frequentierten Tram- und Bushaltestelle Hardbrücke. In den letzten Tagen war dort laut den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ) eine Abwärtsbewegung zu verzeichnen. Noch sind etwas mehr Menschen in den Trams und Bussen unterwegs als im letzten Jahr. Per Mittwoch waren die Passagierzahlen (Durchschnitt der letzten 7 Tage) 7,8 Prozent höher als am selben Datum des Jahres 2020. Dieser Wert sinkt allerdings seit Tagen.

Passagiere Zürich Hardbrücke

Passagiere/Tag an der VBZ-Haltestelle, Durchschnitt der letzten 7 Tage (in Tausend)
20212022Datum020406080

Gegenüber 2019 beträgt der Einbruch der Passagierzahlen laut einer Aussage von VBZ-Direktor Marco Lüthi von dieser Woche rund 20 Prozent. Damit ist die Erholung der Passagierzahlen gestoppt worden: Mitte September lag der Rückstand zeitweise bei nur noch 10 Prozent.

Personenkilometer der SBB

Summe der von allen Reisenden zurückgelegten Kilometer (in Milliarden)
Km Fernverkehr
Km Regionalverkehr
Total
Jan 19Feb 19Mär 19Apr 19Mai 19Jun 19Jul 19Aug 19Sep 19Okt 19Nov 19Dez 19Jan 20Feb 20Mär 20Apr 20Mai 20Jun 20Jul 20Aug 20Sep 20Okt 20Nov 20Dez 20Jan 21Feb 21Mär 21Apr 21Mai 21Jun 21Jul 21Aug 21Sep 21Okt 21Nov 21Dez 21Jan 22Feb 22Mär 22Apr 22Mai 22Jun 22Jul 22Aug 22Sep 22Okt 22Monat0,00,51,01,52,0

Härter als die städtischen Verkehrsbetriebe trifft die Coronakrise die SBB. Sie stellen allerdings keine wöchentlich aktualisierten Daten zur Auslastung mehr zur Verfügung, sondern nur noch Daten zu den zurückgelegten Kilometern pro Monat. Im Oktober wurden im Regional- und Fernverkehr zusammengezählt 27 Prozent weniger Kilometer zurückgelegt als im Oktober 2019.

3. Aviatik

An den Flughäfen Zürich und Basel gehen die Passagier- und Bewegungszahlen seit Ende der Herbstferien zurück. Ungewöhnlich ist das nicht: Der Spätherbst ist traditionell eine Zeit, in der wenig geflogen wird. Allerdings nimmt die Zahl der Fluggäste im Dezember und speziell um Weihnachten in aller Regel wieder zu. Noch ist davon nichts zu sehen.

Passagierzahlen am Euroairport Basel

Täglich, Durchschnitt der letzten 7 Tage (in Tausend)
202020212022Datum010203040

Am Euroairport Basel sind die Passagierzahlen derzeit 53 Prozent unter jenen des selben Datums des Jahres 2019 (Stand: Mittwoch, Durchschnitt der letzten 7 Tage). Gegenüber 2020, als kaum geflogen wurde, werden derzeit allerdings 430 Prozent mehr Passagiere gezählt.

Die Zahl der täglichen Starts und Landungen am Flughafen Zürich liegt derzeit 37 Prozent unter jener des Jahres 2019 (Stand: Mittwoch, Durchschnitt der letzten 7 Tage) und 230 Prozent über jener des vergangenen Jahres. Zuletzt ging diese Zahl ebenfalls zurück. Neben der Saisonalität dürften auch zunehmende Reisebeschränkungen und Quarantäneregeln den Flugverkehr bremsen.

Bewegungen am Flughafen Zürich

Tägliche Starts und Landungen, Durchschnitt der letzten 7 Tage
202020212022Datum02004006008001000

4. Velo

Das Velo ist ein noch immer stark saisonal genutztes Verkehrsmittel. Dass es im Winter, wenn es kalt ist und allenfalls schneit, weniger beliebt ist, erstaunt nicht. Dass die Zahl der Velofahrer auf der Dreirosenbrücke in Basel zuletzt zurückgegangen ist, könnte allerdings durchaus ein Indiz dafür sein, dass das Homeoffice wieder zunimmt – und dass die fehlenden ÖV- und Autopendler nicht einfach auf das Velo umgestiegen sind.

Velofahrer auf der Dreirosenbrücke in Basel

Durchschnitt der letzten 7 Tage, 16-17 Uhr, beide Richtungen
2021Datum050100150