MOBILITÄT: Mietauto für Kurzentschlossene

Carsharing soll einfacher werden als bisher. Mit Catch a Car von Mobility kann man das Mietauto dort abstellen, wo man hingefahren ist. Das Problem sind die Parkplätze.

Bernard Marks
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Gestern stellte die Mobility-Genossenschaft in Luzern ihr neues Carsharing-Angebot Catch a Car vor. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Gestern stellte die Mobility-Genossenschaft in Luzern ihr neues Carsharing-Angebot Catch a Car vor. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Auf der App schauen, wo das nächste Mietauto steht, einfach losfahren und das Auto dort stehen lassen, wo man gerne möchte. Abgerechnet wird das Fahrzeug dabei im Minutentakt und der Betrag im Anschluss einfach von der Kreditkarte abgebucht. Was in Grossstädten wie Paris, Berlin oder Hamburg bereits erfolgreich funktioniert, soll ab dem Spätsommer auch in der Schweiz möglich sein. Die Luzerner Mobility-Genossenschaft lanciert zusammen mit den SBB, der Allianz Suisse, dem Autoimporteur Amag und Energie Schweiz das erste stationsungebundene Carsharing der Schweiz. Das neue Projekt heisst Catch a Car.

Catch a Car ermöglicht es Kurzentschlossenen, ihr Auto im Internet zu orten, ohne es zuvor zu reservieren. Am Zielort angekommen, der innerhalb des festgelegten Gebiets liegen muss, stellen die Kunden die Fahrzeuge auf Parkplätzen ab, für welche eine Anwohnerparkkarte gilt. Für diese Parkplatzlösung zahlt die Firma die pauschale Abgeltung. Doch Catch a Car bleibt zunächst ein Versuch. Branchenführer Mobility startet den Pilot nur im Grossraum Basel mit 100 Fahrzeugen. Ein VW des Typs U soll beim für die Schweiz neuartigen Carsharing-Modell zum Einsatz kommen. Um wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen, wird die ETH Zürich Catch a Car zwei Jahre begleiten.

Hohe Wachstumsraten

«Die Vorzeichen für Carsharing sind in den Städten heute positiver denn je», sagte Viviana Buchmann, Geschäftsführerin der Mobility-Genossenschaft, gestern in Luzern. Das Privatauto verliere immer mehr an Status – besonders für junge Menschen. Mieten statt besitzen liege im Trend. Entsprechende Wachstumsraten hat der Bereich Carsharing in der Schweiz in der Vergangenheit zu verzeichnen. Allein Mobility konnte im Jahr 2013 seine Kundenzahl auf 112 000 um rund 7 Prozent steigern. Im Jahr 2006 lag diese Zahl noch bei 69 600. Die Schweiz liegt, was die Nutzung von Carsharing-Modellen angeht, im internationalen Vergleich sogar auf Platz 1 vor Deutschland. Dort nutzen erst 453 000 Personen Carsharing-Angebote.

Verzicht auf das eigene Auto

Um diesen gesellschaftlichen Trend unter anderem besser untersuchen zu können, haben sich die Städte Basel, Bern, Luzern, St. Gallen, Winterthur und Zürich zum «Städtenetzwerk Verkehr» zusammengeschlossen. Immer mehr Haushalte verzichten auf das Auto. Laut der jüngsten Mikrozensusbefragung zum Mobilitätsverhalten besitzen zwischen 33 Prozent und 55 Prozent der Haushalte keinen eigenen Personenwagen. In Basel und Bern sind mehr als die Hälfte der Haushalte autofrei, in Zürich und Luzern knapp die Hälfte und in St. Gallen und Winterthur jeweils ein Drittel (siehe Grafik). Die Mehrzahl der autolosen Haushalte nutzt einen Mix aus allen Mobilitätsangeboten – darunter auch Carsharing.

Fehlende Parkplätze

Die Mobility-Geschäftsführerin Viviana Buchmann ist deshalb überzeugt vom zwei Jahre dauernden Pilotprojekt: «Catch a Car soll zum selbstverständlichen Teil der städtischen Mobilität werden.» Catch a Car wird in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Basel durchgeführt. «Von acht Schweizer Städten, die für eine Durchführung des Pilotprojekts angefragt wurden, hatte Basel den Zuschlag bekommen», sagt Buchmann. Um das Projekt auszuweiten, brauche es die Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt. Froh über das neue Mobilitätsangebot zeigte sich der basel-städtische Regierungsrat Hans-Peter Wessels: «Wir freuen uns, dass Basel als Pilotstadt ausgesucht wurde.» Das Problem für ihn wird nun sein, ausreichend Parkplätze für die Catch a Car-Fahrzeuge bereitzustellen. Kein einfaches Unterfangen, denn mit ausreichenden freien Anwohnerparkplätzen dürfte das Projekt in Basel stehen und fallen. Auch in anderen Schweizer Städten zum Beispiel Zürich wird es schwieriger, einen Parkplatz in der blauen Parkzone zu finden. Auch in der Stadt Luzern finden sich nur wenige blaue Parkzonen im Stadtzentrum. Für das Projekt Catch a Car schlechte Voraussetzungen.

SBB als Unterstützung

Die Catch a Car AG arbeitet mit vier Partnern zusammen. Der Autoimporteur Amag beschafft die 100 Autos, während Allianz Suisse den Versicherungsschutz bereitstellt. Wie bei den bestehenden Mobility-Angeboten fungieren auch bei Catch a Car die SBB als Partner. «Die SBB sind mit an Bord, weil Catch a Car das bestehende Mobilitätsangebot auf Schiene und Strasse gut ergänzt. Unsere Fahrgäste sollen möglichst einfach von Tür zu Tür reisen können. Deshalb sind wir sehr an innovativen Verknüpfungen von Verkehrsträgern interessiert», so Patrick Altenburger, Leiter Markt Schweiz beim Regionalverkehr. Unter dem Umweltschutzaspekt hat Mobility auch die Bundesorganisation Energie Schweiz an Bord geholt, welche die Energiestrategie des Bundesrates begleiten soll. Auch Energie Schweiz unterstützt die neue Dienstleistung, «weil es für die Energiewende ein verändertes Mobilitätsverhalten und neue Mobilitätskonzepte braucht», erläutert Martin Sager, Leiter Mobilität.