MOBILTELEFONIE: Handy-Nutzern nützt Salt wenig

Mit Salt ehemals Orange – gibt es zwar einen neuen Namen auf dem Markt. Doch bei den Preisen gibt es nur wenig Neuerungen. Konsumentenschützer sind enttäuscht.

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Wenn es darum geht, mit dem Natel zu telefonieren, lohnt sich der Vergleich. (Bild: Getty)

Wenn es darum geht, mit dem Natel zu telefonieren, lohnt sich der Vergleich. (Bild: Getty)

Livio Brandenberg

Alles ist neu bei Salt der Name, das Logo und vor allem die Farbe, die von Orange zu Schwarz und Weiss gewechselt hat. Bei den Tarifen hat sich kaum etwas bewegt. Kritiker sehen hierin eine verpasste Chance.

Ab Juni gibt es von Salt zwar neue Handy-Abos, doch die Tarifanpassungen des drittgrössten Mobilfunkanbieters der Schweiz fallen kleiner aus als von Konsumentenschützern und Vergleichsdiensten erhofft: «Bei den Preisen wurde praktisch nichts gemacht», sagt etwa André Bähler von der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS).

Das sieht der Luzerner Oliver Zadori, CEO des Telekom-Vergleichsdiensts Dschungelkompass.ch, ähnlich: «Für das neue Schweiz-Abo von Salt wurden zum Beispiel die Standardtarife für Roaming zwar massiv günstiger. Da es aber keine Auslandoption mehr gibt, kann gelegentliches Roaming mit dem neuen Abo durchaus teurer kommen.» Für seinen Vergleich hat sich Zadori etwas Spezielles einfallen lassen: Er vergleicht einerseits die Abo-Preise anhand von Benutzerprofilen für die Handy-Nutzung innerhalb der Schweiz (siehe Grafik); andererseits hat er verschiedene Abos verglichen, die Inklusiveinheiten fürs Roaming (Verbindungsaufbau aus einem Mobilfunknetz im Ausland) beinhalten.

Swisscom-Abo am teuersten

Auf den Sommer hin führt Salt den sogenannten Pass ein. Dieses Abo bezahlt man nur einmal im Jahr im Voraus. Die Preise für die Jahres-Pass-Abos starten bei 999 Franken. Das macht 83.25 Franken pro Monat. Damit schneidet der angekündigte Swiss Pass im Beispielprofil-Vergleich von Oliver Zadori bei den Mittelnutzern – also Leuten, die ihr Handy regelmässig und durchschnittlich nutzen – schlechter ab als die bisherigen Orange-Me-Abos oder die vergleichbaren Freedom-Abos von Sunrise (siehe Grafik). Wichtig ist hier: Der Swiss Pass ist ein Flat-Rate-Abo, also mit unlimitierter Telefonie, SMS und Daten, während die Surf-1-Option beim alten Me-Abo nur 1 Gigabyte Datenmenge enthält. Das sei für Leute, die viel im Internet surften, eher zu wenig, sagt Zadori. Am teuersten ist im Mittelnutzer-Vergleich das Swisscom-Flat-Rate-Abo Infinity M plus.

Für Orange- bzw. Salt-Kunden gilt: Ihre Orange-Me-Abos werden automatisch zu Salt transferiert. Man muss dafür nicht das Abo wechseln. Für viele sei dies auch nicht ratsam, sagt Zadori. «Wer monatlich nicht mehr als 83 Franken bezahlt, fährt mit den von Orange übernommenen Salt-Me-Abos eher besser.»

Roaming: Vielnutzer profitieren

Mit den neuen Pass-Abos werden laut Zadori die Standardtarife für Telefon-Roaming im Ausland vereinfacht und gesenkt. Ein Beispiel: Ohne Roaming-Zusatzpaket bezahlte man bisher bei Orange für ein Gespräch aus dem EU-Raum in die Schweiz bis zu 2 Franken pro Minute. Mit dem Swiss Pass von Salt ohne inbegriffenes Roaming kostet die Minute noch 40 Rappen. Doch: Die Datentarife, also die Preise für das Surfen im Ausland, bleiben gleich. Oliver Zadoris Fazit lautet deshalb: «Für Vielnutzer, die auch oft Roaming nutzen ohne Roaming-Option oder -Inklusiveinheiten – sind die neuen Angebote von Salt günstiger als die bisherigen Abos von Orange», so der Tarifexperte.

Die Swisscom hat per Mitte April ebenfalls die Roaming-Gebühren angepasst: Beim neuen Abo Natel Infinity M plus können Kunden beispielsweise während 30 Tagen im Jahr im EU-Ausland unbeschränkt telefonieren und SMS verschicken sowie 1 Gigabyte Daten verbrauchen. «Dieses Inklusivvolumen ist in den Abo-Preisen enthalten, für Kunden entstehen also keine Mehrkosten», sagt Olaf Schulze, Mediensprecher der Swisscom.

M-Budget und Aldi als Alternative

Es sei schwierig, alle Angebote zu vergleichen, da es stark auf die individuelle Nutzung ankomme, sagt Zadori. Günstige Alternativangebote zu den «herkömmlichen» Anbietern seien die Abos von M-Budget und Aldi, sagt Zadori. Der Nachteil sei allerdings, dass diese nicht als Flat-Rate-Abos erhältlich seien. «Werden die Inklusiveinheiten überschritten, kann es schnell teuer werden», warnt Zadori. Denn: Flat-Rate-Abos bieten dem Kunden für die versprochenen Dienstleistungen eine gewisse Kostensicherheit.

Handy-Abos im Vergleich (Abokosten pro Monat). (Bild: Grafik: Loris Succo)

Handy-Abos im Vergleich (Abokosten pro Monat). (Bild: Grafik: Loris Succo)