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MODE: Die neue Freude am toten Tier

Lange war er geächtet, nun ist er wieder im Trend: der Pelz. Doch an der qual­vollen Haltung der Tiere hat sich kaum etwas geändert.
Nelly Keune
Pelze sind wieder in: Kreationen des syrischen Modedesigners Sanaa Maatouk waren an der Modeshow in Beirut am 1. Dezember gefragt. (Bild: EPA)

Pelze sind wieder in: Kreationen des syrischen Modedesigners Sanaa Maatouk waren an der Modeshow in Beirut am 1. Dezember gefragt. (Bild: EPA)

Handschuhe mit Fellbesatz, Wollmützen mit einem flauschigen Pelz-Ponpon, und kaum noch ein Wintermantel oder ein Parka kommt ohne Fellbesatz an der Kapuze aus. Was über Jahre verpönt war, ist heute wieder gross in Mode: Pelz. Der Absatz von Pelzprodukten ist alleine seit dem Jahr 2000 weltweit um über 70 Prozent gestiegen. Auch in der Schweiz steigt der Import von Pelzen und Pelzprodukten stetig an (siehe Grafik). Während der Nerzmantel noch immer verpönt ist, sind Accessories aus Kojoten-, Kaninchen- oder Fuchsfell für die Konsumenten offenbar kein Problem. Das, obwohl die Zucht und Jagd dieser Tiere meist unbeschreiblich grausam ist. «Ich habe den Eindruck, dass die Leute wissen, wie die Tiere gehalten werden, es aber nicht mehr hören wollen und verdrängen», erklärt Helen Sandmeier, Sprecherin Schweizer Tierschutz STS, den Trend.

Schild verkauft keine Pelze

Auch Thomas Herbert, Chef des Luzerner Modeunternehmens Schild, kann sich die neue Freude am toten Tier nicht erklären. «Es gab immer wieder Pelztrends in den vergangenen Jahren, warum gerade aktuell ein solcher Boom besteht, ist schwierig einzuschätzen», sagt der Modeexperte. «Vielleicht hängt es mit den kalten Wintern der letzten beiden Jahre zusammen, vielleicht ist aber auch die Spendierfreudigkeit der Asiaten und Russen, die immer mehr von oben bis unten in Pelz erscheinen», fügt er an. In den Modehäusern von Schild werden keine Kleider mit Echtpelz verkauft. «Wir sind der Meinung, dass Wildtiere nicht artgerecht gezüchtet werden können und das Produkt Pelz somit immer einen Ursprung hat, der nicht unserer Ethik entspricht», betont Herbert. Zumal bei Wildtieren nur der Pelz und in der Regel nicht das ganze Tier verwertet werde, «was wir als zusätzlich schwierig einstufen», fügt er an.

Einfuhrzölle bald auf null

85 Prozent der Pelze, die auf der Welt verkauft werden, stammen aus der Zucht. Rund 50 Millionen Tiere werden im Jahr auf Pelzfarmen getötet. Hinzu kommen rund 1 Milliarde Kaninchen und Hasen. Dann wird auch noch das Fell von 10 Millionen Wildtieren im Jahr verarbeitet. Trotz der Einfuhrverbote in den USA, Europa und der Schweiz werden in China 2 Millionen Hunde und Katzen wegen ihres Fells getötet.

Mit Pelzprodukten im Wert von 3,3 Millionen Franken war im Jahr 2012 China einer der grössten Pelzlieferanten der Schweiz, gefolgt von der Türkei, Griechenland, Hongkong und Kanada. Diese Zahlen dürften sich dank dem Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China in Zukunft weiter zu Gunsten Chinas verschieben. In der vergangenen Woche hatte das Freihandelsabkommen den Nationalrat passiert, unter Kritik der SP und des Schweizer Tierschutzes STS. Denn dank des neuen Abkommens reduziert sich der Einfuhrzoll für Bekleidung und andere Waren aus Pelzfellen pro 100 kg von 655 Franken auf null. China verfüge aber weder über eine Tierschutzgesetzgebung noch über einen Konsumentenschutz, der diesen Namen verdiene, heisst es beim STS. Gleichzeitig forciere das Land als grösster Nutztierhalter der Welt Tierfabriken und Massentierhaltung.

Deklarationspflicht ab März 2014

Rückendeckung erhofft sich der STS von der neuen Deklarationspflicht für Pelze in der Schweiz, die am 1. März 2013 eingeführt wurde – allerdings mit einer Übergangsfrist von einem Jahr. Richtig greifen wird sie also erst im März 2014, denn dann müssen alle Pelzstücke und Applikationen mit genauen Herkunftsangaben versehen sein. «Wir erwarten, dass die Deklarationspflicht etwas bringen wird. Die Käufer können dann auf einen Blick sehen, wie das Tier gehalten oder wie es gejagt wurde», sagt Sandmeier. In der Tat muss dann das Herkunftsland auf dem Etikett stehen und auch, ob das Tier auf Gittern oder Naturboden gezüchtet wurde und mit Schusswaffen oder Fallen gejagt wurde. «Die Deklarationspflicht geht recht weit und wird die Konsumenten hoffentlich aufrütteln», betont Sandmeier. Sie fügt aber auch an, dass jede Richtlinie mit der entsprechenden kriminellen Energie umgangen werden kann. Die Pelzlobby argumentiert, dass die Tiere gut gehalten würden. Eine schlechte Haltung würde man dem Fell nachher ansehen. Laut Sandmeier stimme das nicht mehr. «Viele der Pelze, die bei uns in den Laden kommen, sind so stark bearbeitet worden, dass man eine DNA-Analyse benötigt, um herauszufinden, um welches Tier es sich handelt», sagt sie.

Seit einigen Jahren ist der Verkauf von Hunde- und Katzenfell in der Schweiz und der EU verboten. Trotzdem könne man sich nicht 100-prozentig sicher sein, dass der Mantel nicht mit Hauskatze verziert wurde. «In Asien wird das Fell der Haustiere gerne mit Fantasienamen wie zum Beispiel Bio-Wolf betitelt», sagt Sandmeier.

Pelze von wilden Kojoten

Laut Sandmeier ist die Zucht von Wildtieren grundsätzlich eine Quälerei. «Will man in der Schweiz einen Fuchs halten, benötigt man mindestens 100 Quadratmeter. In den Ställen in Asien müssen die Tiere auf handtuchgrossen Gitterflächen leben», betont Sandmeier.

Auch die beliebten Pelzparkas von Marken wie Canada Goose könne man laut Sandmeier nicht mit einem gutem Gewissen tragen – obwohl die Hersteller damit werben. «Das Fell aus den Kapuzen stammt zwar von wilden Kojoten, sie werden aber qualvoll mit Fallen gejagt», erklärt die Expertin.

Doch sogar mit einem Verzicht auf Pelze sind Konsumenten nicht auf der sicheren Seite, wie der neuste Fall bei Kleiderhersteller H+M zeigt. Nachdem ein Video öffentlich wurde, das zeigt, wie grausam Angora-Kaninchen in China geschoren und gerupft werden, hat der Kleiderkonzern öffentlich wirksam den Verkauf von Angora-Kleidung gestoppt. Laut dem Tierschutz besteht bei allen Wollsorten, die gekämmt oder gerupft werden wie Angora, Cashmere, Vikunja, Kivjuk und Yak, die Gefahr von Tierquälerei.

Dieses Problem kennt auch Thomas Herbert von Schild: «Generell gibt es bei jeglicher Tierhaltung – auch Nutztierhaltung – immer die Gefahr, dass die Tiere nicht korrekt gehalten werden. Wir bemühen uns deshalb, die Quellen unserer Tierprodukte vor allem bei Leder sorgfältig zu prüfen und lassen das laufend von externen Prüfern kontrollieren.»

Mit Bedacht kaufen

Für Pelze gibt es kaum Labels, die dem Kosumenten den Einkauf erleichtern. Die Fur free alliance – der auch der Schweizer Tierschutz angehört – hat ein Label entwickelt, das Kleiderläden, Modemarken und Boutiquen verwenden dürfen, wenn sie auf Echtpelz verzichten. Wo ein schlafendes Füchslein mit dem Schriftzug «Hier wird kein Tierpelz verkauft» am Eingang prangt, können Tierfreunde sicher sein, mit ihrem Kauf nicht Tierquälerei zu unterstützen. Der Internationale Pelzhandelsverband (IFTF) hat Richtlinien für die Kennzeichnung von Pelzprodukten herausgegeben. Ein gut sichtbares Etikett soll Auskunft geben über die Tierart mit der wissenschaftlichen Artbezeichnung in Lateinisch, Englisch und der Landessprache. Mit der Marke «Origin Assured» hat der IFTF ein Label eingeführt, das die Herkunft des Pelzes belegen soll. Das Lable täusche laut dem Schweizer Tierschutz Seriosität und staatliche Kontrolle vor. Mehr Informationen unter www.tierschutz.com/pelz

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