MODE: Kleider: Jetzt purzeln die Preise

Das schlechte Wetter hat Schweizer Modehäusern das Geschäft verhagelt. Auf die schleppenden Verkäufe reagieren sie nun mit hohen Rabatten. Der Ausverkauf hat bereits begonnen.

Bernard Marks
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Verkäuferin Shota Tafoschi offeriert Jeans mit Rabatt in der Schild-Filiale in der Luzerner Kramgasse. Laut dem Verband Schweizer Modehäuser lag der Verkauf von Jeans im Frühling bis zu 20 Prozent unter dem Vorjahr. (Bild Boris Bürgisser)

Verkäuferin Shota Tafoschi offeriert Jeans mit Rabatt in der Schild-Filiale in der Luzerner Kramgasse. Laut dem Verband Schweizer Modehäuser lag der Verkauf von Jeans im Frühling bis zu 20 Prozent unter dem Vorjahr. (Bild Boris Bürgisser)

Warme Pullis, Wollmützen und dicke Regenjacken waren in diesem Frühling voll angesagt. Doch nach Dauerregen und dicken Wolken am Himmel klettert das Thermometer endlich wieder. Doch zum Sommerbeginn sitzt die Schweizer Modebranche zum Teil immer noch auf ihrer nicht verkauften Frühlingskollektion. Herr und Frau Schweizer gingen in diesem Frühling deutlich weniger shoppen als noch im Vorjahr. Wegen des schlechten Wetters war neben Garten- und Freizeitartikeln vor allem Kleidung weniger gefragt. «Die Schweizer Modehersteller verzeichnen deutliche Umsatzeinbussen», sagt dazu Thomas Hochreutener, Detailhandelsexperte des Marktforschungsinstituts GfK Switzerland. Er geht davon aus, dass die Schweizer Modebranche im ersten Quartal 2013 gegenüber dem Vorjahr einen Umsatzeinbruch von 9,5 Prozent wegstecken muss (siehe Grafik).

Markant ist zum Beispiel der Umsatzrückgang bei Kleidung für junge Kunden und bei Jeans. Die Verkäufe lagen laut Erhebungen des Verbandes Schweizer Modehäuser, Swiss Fashion Store, in einigen Monaten des laufenden Jahres fast 20 Prozent unter denjenigen des Vorjahres. Vor allem der Monat Mai lief schlecht für die Branche.

Optimismus beim Modehaus Schild

Thomas Herbert, Chef des Luzerner Modehauses Schild, sprach im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» sogar von einem katastrophalen Mai. Damit meinte er natürlich die Verkäufe, die alles andere als gut liefen. Herbert zeigte sich aber im gestrigen Gespräch mit unserer Zeitung optimistisch. Auf die Frage, ob das Verkaufsgeschäft im Juni besser gehen werde, antwortet Herbert: «Nach dem kalten Frühling und Frühsommer besteht auf jeden Fall ein grosser Nachholbedarf. Wir brauchen zwei bis drei warme Tage am Stück, dann laufen die Verkäufe wieder.» Die ersten wärmeren Juni-Tage hätten das bereits gezeigt. «Die Umsatzkurve zeigt bei Schild klar nach oben», so Herbert. Weil die Sommerartikel bisher schleppend verkauft wurden, dürfte der Sonderverkauf bei Schild für die Kunden und Kundin- nen sehr attraktiv werden, schätzt Herbert.

Wetterunabhängige Kleider

Die Modekette Tally Weijl, ausgerichtet auf junges Publikum, hat bereits auf das schlechte Wetter und die Umsatzeinbussen reagiert. «Wir haben Kleidungsstücke in den Vordergrund gerückt, die unabhängig vom Wetter verkauft werden können», sagt Nicolai Diamant, Mediensprecher von Tally Weijl. In anderen Jahren hätte man zu diesem Zeitpunkt längst die Frühlingsmode in den vordersten Regalen zu Aktionspreisen feilgeboten. Das fällt aber in diesem Jahr ins Wasser. «Seit dieser Woche sind wir im Pre-Sale», sagt Diamant. Dabei gibt es schon die ersten Sommerprodukte zu reduzierten Preisen. «Die Rabatte bewegen sich bei ausgewählten Produkten zwischen 30 und 50 Prozent», sagt Diamant.

Langarmshirts liefen gut

«Bei C & A liefen in ersten Quartel Übergangsartikel wie Langarmshirts, Blusen oder Hemden gut, berichtet auf Anfrage Peter Gadient, Kommunikationsleiter der Modekette C & A, die ihren Schweizer Hauptsitz in Baar hat. «Die Frühlingsmode mussten wir allerdings herunterschreiben, um sie dennoch verkaufen zu können», sagt Gadient. Um die Verkäufe anzukurbeln, habe C & A bereits in dieser Woche mit dem Sonderverkauf begonnen. «Die Kundinnen und Kunden können bereits jetzt von grosszügigen Rabatten profitieren», sagt Gadient. Er denkt, dass die Konsumenten jetzt nachträglich von dem schlechten Wetter profitieren, denn der Sonderverkauf beginnt früher als üblich. «Wir waren in der Vergangenheit oft ein bisschen später dran», so Gadient. Vor allem die klassischen Sommerartikel wie farbige Kleider, T-Shirts und Shorts werden laut Gadient in nächster Zeit besser laufen.

Auch bei Charles Vögele ist man zuversichtlich für den Sommerverkauf. «Bisher verkauften sich insbesondere unsere Jacken und Blazer sowie Strickwaren besser als die sommerlichen Teile», sagt dazu die Sprecherin Neva Waldvogel. «Wir sind überzeugt, dass die Nachfrage nach sommerlichen Teilen mit den steigenden Temperaturen zunehmen wird», so Waldvogel. Sie gehe davon aus, dass die Frühlingskollektion von Charles Vögele bei steigender Kauflust nicht erst im nächsten Jahr verkauft werden muss. Dabei kommt es auf den Ausverkauf an. Der offizielle Sommer-Sale startet am 17. Juni.

Kurzfristig auf Markt reagieren

Charles Vögele befindet sich nach wie vor in einer angespannten Situation. Der Modekonzern hat seit Jahren mit sinkenden Umsätzen und Verlusten zu kämpfen. Es sei daher möglich, dass das Unternehmen kurzfristig mit Aktionen auf die aktuelle Marktsituation reagiere, sagt Waldvogel.