MODE: Miss Schweiz kurbelt Geschäft an

Das Luzerner Modeunternehmen wächst trotz den Problemen in der Branche. Schild-Chef Thomas Herbert und die amtierende Miss Schweiz über eine Zusammenarbeit, die sich lohnt.

Interview Nelly Keune
Drucken
Teilen
Eine Erfolgsgeschichte für beide Seiten: Dank der Kooperation mit Dominique Rinderknecht, der amtierenden Miss Schweiz, verkauft Schild-Chef Thomas Herbert deutlich mehr Damenmode. Im Gegenzug verdient die Miss Schweiz wesentlich mehr. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Eine Erfolgsgeschichte für beide Seiten: Dank der Kooperation mit Dominique Rinderknecht, der amtierenden Miss Schweiz, verkauft Schild-Chef Thomas Herbert deutlich mehr Damenmode. Im Gegenzug verdient die Miss Schweiz wesentlich mehr. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Zwei Menschen, eine Mission, und beide profitieren – das ist die ideale Konstellation in der Wirtschaft. Bei der Zusammenarbeit des Luzerner Modeunternehmens Schild mit der amtierenden Miss Schweiz ist das der Fall. Schild konnte im ersten Halbjahr dieses Jahres den Umsatz bei der Damenmode um 3,3 Prozent steigern, sagt Schild-Chef Thomas Herbert (44). Das obwohl der Modemarkt in der Schweiz im gleichen Zeitraum um 4,2 Prozent geschrumpft ist. Auch die amtierende Miss Schweiz Dominique Rinderknecht (24) aus Zürich hat vom Sponsoring der Luzerner profitiert. Sie soll schon nach vier Monaten so viel verdient haben wie ihre Vorgängerin in einem ganzen Jahr.

Thomas Herbert, glaubt man den Zahlen, dann verdient die Miss Schweiz, die Sie sponsern, bald mehr als Sie.

Thomas Herbert: Das geht noch schnell. Aber im Ernst: Für uns als Unternehmen ist doch der Erfolg von Dominique Rinderknecht ein grosser Glücksfall. Es hätte nicht besser laufen können.

Dominique Rinderknecht: Es ist auch nicht so, dass die Ausgaben der Sponsoren vollständig bei mir landen, dazwischen liegen noch diverse Abzüge. Ich weiss heute noch gar nicht, wie viel Geld ich selbst am Ende wirklich verdiene. Fest steht für mich aber, dass ich das Geld gut für die Zukunft anlegen werde.

Was bezahlen Sie der Miss Schweiz denn?

Thomas Herbert: Wir haben einen Vertrag über 50 000 Franken abgeschlossen. Da wir Dominique Rinderknecht aber nun für deutlich mehr Kampagnen und Anlässe buchen als im Vertrag enthalten, wird sie von uns in etwa das Doppelte bekommen.

Dann hat sich der Einstieg bei der Miss-Schweiz-Wahl für Schild klar gelohnt, wie die Zahlen zeigen.

Thomas Herbert: In der Tat. Wir hatten wirklich Glück mit der Wahl. Dominique Rinderknecht hat einen hohen Wiedererkennungswert und vertritt unsere ­Marke perfekt. Gestern haben wir zum Beispiel die neu renovierte Filiale an der Kramgasse in Luzern offiziell eröffnet. An solchen Abenden ist die Miss Schweiz natürlich immer mit dabei – sie gibt Autogramme und beantwortet Fragen. Es waren 800 Kunden angemeldet, und wir können schnell das Zwei- bis Dreifache eines Tagesumsatzes erwirtschaften.

Das hätte auch anders laufen können. Zumal Sie auf die Auswahl der Miss Schweiz trotz des Sponsorings keinen Einfluss hatten. Ein Markenbotschafter kann ja auch schnell zum Risiko werden.

Thomas Herbert: In der Tat. Ich bin extrem froh, dass wir kein schräges ­Partygirl als Markenbotschafterin bekommen haben, sondern eine junge, moderne Frau, die sehr professionell arbeitet. Wir haben bisher immer davon abgesehen, Markenbotschafter zu engagieren. Denn geht etwas schief, dann wirkt sich das schnell negativ auf unseren Ruf als Unternehmen aus. Wenn man Beispiele wie Tiger Woods oder Martina Hingis anschaut, wird einem das schnell klar.

Sie beide arbeiten nun schon seit einigen Monaten zusammen. Was haben Sie voneinander gelernt?

Dominique Rinderknecht: Mich hat besonders die unternehmerische Seite sehr beeindruckt. Thomas Herbert ist seit 2003 Mitinhaber des Unternehmens. Ich bewundere den Mut, den Glauben an das eigene Unternehmen und die Innovationskraft. Von diesem Geist kann ich viel mitnehmen ins Berufsleben.

Thomas Herbert: Ich versuche, mir bei ihrer fast unendlich scheinenden Geduld etwas abzuschneiden. Ganz am Anfang unserer Zusammenarbeit habe ich sie mal gefragt, ob es sie nicht nervt, den ganzen Tag bei Autogrammstunden die immer gleichen Fragen zu beantworten. Sie hat geantwortet, dass es schon anstrengend sei, aber eben ein spezieller Moment, der wichtig sei für die Leute.

Welche Fragen müssen Sie denn am häufigsten beantworten?

Dominique Rinderknecht: Wie es ist, Miss Schweiz zu sein.

Und wie ist es?

Dominique Rinderknecht: Unglaublich spannend. Ich habe gelernt, in der Öffentlichkeit zu stehen, habe viele spannende Menschen kennen gelernt.

Aber Miss Schweiz zu sein, hat ja nicht nur Vorteile.

Dominique Rinderknecht: Ist man dann dabei, muss man selbst für sich klare Grenzen setzen. Für mich ist klar: Dinge, die ich meinem Vater nicht erzählen würde, werde ich nicht in der Öffentlichkeit ausbreiten.

Thomas Herbert, haben Sie keine Angst, dass irgendwann doch ein Skandal ausgegraben wird?

Thomas Herbert: Natürlich ist das Interesse der Presse seit unserem Einstieg bei der Miss-Schweiz-Wahl ein ganz anderes als früher. Damals wurde meist nur auf den Wirtschaftsseiten über uns geschrieben, heute kommen wir auch in den Klatschspalten vor, die aber gerade von jungen Kunden gelesen werden. Es gibt keinen Erfolg ohne Risiko, aber bei Dominique Rinderknecht ist das Risiko sehr begrenzt.

Es ist ja nicht Ihre erste riskante ­Marketingaktion. Bei der Eröffnung des von Schild geführten Hallhuber-Shops in Basel haben Sie Frauen in Unterwäsche für einen Einkaufsgutschein durch die Stadt rennen lassen. SP-Politikerinnen haben die Aktion dann später als sexistisch gebrandmarkt.

Thomas Herbert: Es gibt eben bei solchen Aktionen auch immer Kritik. Aber den Kundinnen hat es offensichtlich Spass gemacht – sie sind zahlreich erschienen. Wir planen bereits einen weiteren solchen Fashion-Run, denn der erste war ein voller Erfolg: Das Geschäft in Basel ist gut gestartet und bereits der erfolgreichste Hallhuber-Shop in der Schweiz. Diesmal dürfen aber auch die Männer mitmachen.

Die jungen Leute werden immer modebewusster. Viele Eltern stellen mit Schrecken fest, dass sich die Kinder bereits im Kindergarten für Marken interessieren. Hilft dieser Trend Ihrem Unternehmen?

Thomas Herbert: Ich bewerte das als wenig positiv. Wir sind ein Modeunternehmen und kein Markenverkäufer. Es kann nicht sein, dass sich junge Lehrtöchter teure Louis-Vuitton-Taschen kaufen, um dazuzugehören und dafür einen halben Jahreslohn ausgeben.

Dominique Rinderknecht: Solche Trends führen zu den falschen Werten. Man sollte erst die Persönlichkeit entwickeln – Stil hat wenig mit Geld zu tun.

Ist das nicht einfach gesagt, wenn man vom Sponsor so viele Kleider bekommt, wie man nur will?

Dominique Rinderknecht: Ich habe mich auch schon vor meiner Wahl zur Miss Schweiz, als Studentin, sehr für Mode interessiert. Aber es ist natürlich toll, wenn man sich schöne Kleider aussuchen kann.

Wie stellen Sie bei der nächsten Miss- Schweiz-Wahl sicher, dass auch diesmal jemand gewinnt, der zu Schild passt?

Thomas Herbert: Darauf werden wir auch das nächste Mal keinen Einfluss haben.

Sie könnten einen Sitz in der Jury einnehmen.

Thomas Herbert: Das kommt für mich nicht in Frage. Ich möchte selbst nicht im Rampenlicht stehen und am Ende zu einem Dieter Bohlen der Mode werden.

Grosser Umbau

Das Luzerner Modeunternehmen Schild hat gestern Abend sein Modehaus an der Luzerner Kramgasse nach einem grossen Umbau feierlich wiedereröffnet. Zu Gast war auch Miss Schweiz Dominique Rinderknecht. In den Umbau in Luzern wurden rund 6 Millionen Franken investiert. Das Unternehmen, das 730 Mitarbeiter beschäftigt, konnte den Umsatz im Jahr 2012 um 0,6 Prozent auf 188,3 Millionen Franken steigern. Dieses Jahr will Schild einen Umsatz von rund 200 Millionen Franken erwirtschaften. Das Ziel würde man, so Firmenchef Thomas Herbert, auch erreichen. Der Verkauf sei seit August sehr gut gelaufen, und das schlechte Wetter kurble den Absatz der Herbst- und Wintermode zusätzlich an.