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MODE: Victorinox-Chef Carl Elsener: «Wir haben viel Herzblut investiert»

Victorinox schliesst die Bekleidungssparte per Ende 2017. Im Gegensatz zu den anderen Geschäftsbereichen gelang es der Schwyzer Firma nicht, im Modegeschäft Gewinne zu erzielen. Rund 20 Mitarbeitende verlieren ihre Stelle.
Victorinox-CEO Carl Elsener (58) beim Sitz seiner Firma in Ibach (SZ). (Bild: Nadia Schärli (12. Mai 2016))

Victorinox-CEO Carl Elsener (58) beim Sitz seiner Firma in Ibach (SZ). (Bild: Nadia Schärli (12. Mai 2016))

Interview: Roman Schenkel

roman.schenkel@luzernerzeitung.ch

Carl Elsener, im letzten Jahr sagten Sie in einem Interview mit unserer Zeitung, dass das Kleidungsgeschäft der grösste Wachstumstreiber sei, nun kündigen Sie die Schliessung des Geschäftsbereichs Bekleidung bis Ende 2017 an. Wie geht das zusammen?

In unseren Retail Stores in Europa haben die Kleider den grössten Umsatzanteil. Das liegt vor allem daran, dass Bekleidung viel häufiger eingekauft wird als ein Victorinox-Taschenmesser, das man vielleicht sein ganzes Leben lang hat. Der Umsatz bei den Kleidern dreht sich deshalb viel schneller.

Dennoch, die Aufgabe kommt nach zehn Jahren überraschend.

Intern war es keine grosse Überraschung. Der Gesamtumsatz, den wir im Bekleidungsgeschäft erzielen, ist schon länger rückläufig. Am Gesamtumsatz von Victorinox machen die Kleider gerade einmal 4 Prozent aus.

Weshalb dieser Rückgang?

Wir spüren schon seit längerem, dass die Kunden immer weniger Geld für Kleider ausgeben. Freizeit, Reisen oder Wellness, dafür wird zunehmend mehr Geld investiert. Mit diesem Trend haben aber nicht nur wir, sondern die ganze Bekleidungsbranche zu kämpfen.

Mit den Kleidern haben Sie also rote Zahlen geschrieben?

Ja, wir haben im Kleidungsbereich keinen Gewinn erzielt. Es ist der einzige Bereich unserer insgesamt sechs Kategorien, bei dem es uns nicht gelungen ist, uns durchzusetzen und nachhaltig zu wachsen.

Woran lag das?

Das Bekleidungsgeschäft ist die einzige unserer Sparten, deren Führung und Entwicklung nicht in der Schweiz stattfinden, sondern in New York. Das hat historische Gründe. Wie das Reisegepäck wurde auch die Bekleidung in den ersten Jahren in Lizenzvergabe produziert. Das Reisegepäck aber haben wir 2014 zurück in die Schweiz geholt und die Lizenz aufgelöst. Heute führen wir hier in Ibach ein Team mit der Verantwortung des Designs und der Entwicklung sowie Marketing und Vertrieb für unser Reise-, Business- und Freizeitgepäck. Mit dem Neubau unseres neuen Distributionszentrums im Schwyzer Talkessel haben wir diskutiert, die Bekleidung ebenfalls zurück in die Schweiz zu holen. Die Familie hat aber die Idee verworfen und entschieden, das Bekleidungsgeschäft aufzugeben.

Weshalb?

Die Investitionen wären sehr hoch gewesen. Und das für einen Bereich, der nur einen kleinen Teil zum Umsatz beiträgt. Zum Vergleich: Mit unseren vier Hauptfeldern – Taschenmesser, Haushalts- und Berufsmesser, Uhren und Reisegepäck – erwirtschaften wir über 90 Prozent unseres Umsatzes. Hinzu kommen Marktanalysen, die für die Bekleidung nicht vielversprechend waren. Unsere Kunden schätzen die Werte, welche unsere Messer, unsere Uhren und unser Reisegepäck transportieren. Bei der Bekleidung war dieser Transfer sehr viel schwieriger.

Sie befanden sich mit Ihren Kleidern in einem sehr hohen Preissegment.

Victorinox steht für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, kombiniert mit einer hohen Qualität. Das ist unser Ziel bei all unseren Kategorien. Wir wollen das Image unserer Marke nicht verwässern. Bei der Kleidung mussten wir dafür hochwertige Materialien wählen, um dem Standard und den hohen Erwartungen unserer Kunden gerecht zu werden. Das hat sich auch im Preis widergespiegelt.

Was bedeutet die Aufgabe des Bekleidungsgeschäfts personell?

Zusammen mit meiner Frau komme ich gerade aus New York, wo wir gemeinsam das Team vor Ort informiert haben. Wir haben uns bei den Mitarbeitenden bedankt und ihnen erklärt, weshalb wir uns von ihnen trennen müssen. Es war nicht einfach, die Trennung erfolgte aber in gegenseitigem Respekt und mit Wertschätzung. Insgesamt verlieren in den USA 19 Personen ihre Stelle. In Europa sind 6 Stellen von diesem Entscheid direkt betroffen. Für 4 davon wird sich voraussichtlich eine interne Lösung finden.

Sind Sie enttäuscht über das Ende?

Der Entscheid, unsere Bekleidungssparte zu schliessen, ist der Familie sehr schwer gefallen. Wir investierten sehr viel Herzblut in die Kategorie und konnten auf ein kompetentes Team zählen. Aber der Aufwand stand dem Ertrag einfach in keinem gesunden Verhältnis mehr gegenüber.

Was heisst dieser Rückschlag für Innovationen von Victorinox?

Wir haben unsere Lehren aus dem Ende des Bekleidungsgeschäfts gezogen. Auf jeden Fall werden wir vorsichtiger gegenüber Lizenzen sein. Es ist besser, wenn wir unsere Teams in der Schweiz haben. Das Team in New York war weit weg, das war eine Herausforderung.

Und was bedeutet die Schliessung für Ihre Filialen? Ist da eine Straffung des Netzes geplant?

Für unsere vier Hauptproduktlinien ist dieser Entscheid eine Chance. Sie erhalten in unseren eigenen Stores mehr Platz. Insbesondere das Reisegepäck kommt aktuell fast etwas zu kurz. In Japan und den USA kann es zu einer Straffung führen.

Neues Verteilzentrum in Seewen

Auf dem ehemaligen Usego-Areal in Seewen will Victorinox ein Verteilzentrum für ganz Europa bauen. Die Planungsarbeiten laufen auf Hochtouren. «Derzeit haben wir weltweit 14 Lagerstandorte, das ist nicht effizient», erklärt Firmenchef Carl Elsener.

Deshalb ziehe man diese Standorte in der Schweiz zusammen. 2012 hat die Victorinox-Gruppe das Lagergebäude des ehemaligen Detailhandelsunternehmens Usego gekauft. Der Entscheid zum Ende des Bekleidungsgeschäfts hing auch mit der Planung des Verteilzentrums zusammen: «Die Bekleidungssparte hätte im Verteilzentrum viel Platz beansprucht, mit dem Entscheid können wir nun auch beim Distributionszentrum vorwärtsmachen», sagt Victorinox-CEO Carl Elsener.

In Japan war das Geschäft am erfolgreichsten

Nach zehn Jahren wird Victorinox AG bis Ende 2017 den Geschäftsbereich Bekleidung ganz schliessen. Die Frühjahr/Sommer-2017-Kollektion wird die letzte der Traditionsmarke aus Ibach SZ sein. Eine Ausnahme bleibt der japanische Markt. Für diesen wird es noch eine weitere Herbst/Winter-Kollektion geben. «In Japan haben wir mit einem sehr starken Partner zusammengearbeitet. Im Gegensatz zu den anderen Märkten gelang es uns dort, eine gewisse Stellung zu erarbeiten», erklärt Elsener. Deshalb ziehe sich Victorinox mit ihren Kleidern verzögert aus dem japanischen Markt zurück. Victorinox hat sehr viel in die Bekleidungssparte investiert. Doch weder die gute Presse noch ein Engagement des Stardesigners Christopher Raeburn verhalfen der Victorinox-Mode zum Durchbruch. Die funktionalen Kleider waren ausserhalb der Victorinox-Shops nur in wenigen Läden zu kaufen. Lediglich 4 Prozent des Gruppenumsatzes oder 14 Millionen Franken kamen laut Elsener aus dem Bekleidungsgeschäft.

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