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MODERNISIERUNG: Spar gibt viel Geld aus

Der Südafrikaner Rob Philipson bringt frischen Wind in den Schweizer Lebensmittelhändler. Das umfangreiche Investitionsprogramm bekommen die Kunden in den Läden zu spüren.
Thomas Griesser Kym
Rob Philipson, Chef von Spar Schweiz, hat ehrgeizige Pläne. (Bild: Urs Bucher (St.Gallen, 21. April 2017))

Rob Philipson, Chef von Spar Schweiz, hat ehrgeizige Pläne. (Bild: Urs Bucher (St.Gallen, 21. April 2017))

Thomas Griesser Kym

«Ich liebe es.» Das sagt Rob ­Philipson über sein Leben und seine Arbeit in der Schweiz. Mit einer Ausnahme: «Die Kälte ist schlimm.» Und Schnee ist für den Südafrikaner ungewohnt. Dennoch oder vielmehr deswegen will er sich demnächst einmal als Skifahrer versuchen. Philipson ist seit Februar hier, und of­fiziell seit 1. Juni leitet er Spar Schweiz. Zuvor war er Manager bei Spar Südafrika. Dieses börsen­kotierte Unternehmen hat per 1. April 2016 einen Anteil von 60 Prozent an Spar Schweiz erworben. Philipson soll den Umsatz des Lebensmittelhändlers steigern und die Profitabilität verbessern. Mit diesen Kenn­zahlen hatte sich Spar-Südafrika-Chef Graham O’Connor vor ei­nem Jahr ebenso un­zufrieden gezeigt wie über Versäumnisse, die damit verbundenen Probleme anzupacken.

Philipson hat in der Geschäftsleitung von Spar Schweiz den früheren Mehrheitsaktionär Stefan Leuthold abgelöst und innert kurzer Zeit Bewegung in die Organisation gebracht. So schreibt Spar Südafrika im Geschäftsbericht des am 30. September be­endeten Finanzjahres 2017: «Die Massnahmen, die das neue Managementteam von Spar Schweiz in den letzten sechs Monaten ergriffen hat, liefern erste Resul­tate.» Diese seien «frühe Zeichen, dass die in der Schweiz ein­geführte Turn-around-Strategie ­begonnen hat, den erwarteten Nutzen zu liefern».

Von roten Zahlen in die Gewinnzone

Seitens der nackten Zahlen sehen die Fortschritte zwar noch nicht berauschend aus. Spar Schweiz hat im Finanzjahr 2017 rund 750 Millionen Franken umgesetzt. Das ist Spars Grosshandels­umsatz, misst also den Wert der Lieferungen und anderer Leistungen an die einzelnen Läden. Deren Verkäufe an die Konsumenten im Kanal der Spar- und Maxi-Läden sowie unabhängiger Detaillisten und an Grossverbraucher via die Top-CC-Abholmärkte belaufen sich auf rund 1 Milliarde Franken. Im zweiten Semester sank der Umsatz von Spar Schweiz im Vergleich zur Vorjahresperiode um 3,1 Prozent. Beim Betriebsergebnis weist Spar Schweiz für 2017 einen Wert von 6,8 Millionen Franken aus. Das ist gut das Doppelte dessen, was im zweiten Semester 2016 erreicht worden war. Philipson nennt die Umsatzentwicklung «enttäuschend», aber im gleichen Atemzug relativiert er. So sei der Schweizer Detailhandel insgesamt rückläufig, und Spar bewege sich hier in ­ei­nem «sehr wettbewerbsintensiven Umfeld». In der Tat ist der Markt, dominiert von den Platzhirschen Migros und Coop, hart umkämpft, und zudem machen Einkaufstourismus und Onlineshopping dem hiesigen stationären Handel das Leben schwer. Philipson will deshalb zunächst den Umsatz stabilisieren und parallel dazu die Profitabilität graduell erhöhen. Hier ist ein grosser Schritt bereits gelungen: Im ersten Semester des vergangenen Finanzjahrs hatte Spar Schweiz noch einen Verlust verbucht, der dann im zweiten Semester in einen Gewinn gedreht wurde.

Hinter diesem Erfolg stehen Massnahmen, um die Produktivität und Effizienz zu erhöhen und die Kosten zu drücken. Ein zentraler Punkt ist die Liefer­kette, die Philipson rigoros optimie­ren will. Ein Beispiel ist eine Reduzierung der Lastwagenfahrten zur Belieferung der einzelnen Läden. So werden etwa die Top-CC-Abholmärkte nur noch halb so oft bedient wie früher, und dies laut Philipson «ohne an der Frische der Produkte Abstriche zu machen». Verbesserungen, für die es noch viel Potenzial gebe, seien ein laufender Prozess. Vorerst hat sich Philipson einen Zeithorizont von «drei bis fünf Jahren» gesteckt. Nach dieser Periode wäre es in seinem Urteil ideal, wenn Spar Schweiz 10 Prozent mehr Umsatz machen würde als heute.

Frischer, bequemer und regionaler

Wie will Philipson die Verkäufe derart dynamisieren in einem weitgehend gesättigten Markt? Auch der Spar-Chef weiss, dass der Kuchen nicht viel grösser wird. Deshalb müsse man ver­suchen, sich ein grösseres Stück davon abzuscheiden. Zu diesem Zweck läuft ein umfangreiches Investitionsprogramm, in dessen Rahmen Spar Schweiz alle gut 160 Spar- und gut 20 Spar-Express-Läden sowie die Top-CC-Abholmärkte modernisieren will. Zudem werden laufend neue Läden nach dem neuen Konzept eröffnet. So sind dieses Jahr 10 Läden (Spar und Maxi) aufgegangen, und für das nächste Jahr hat Philipson allein beim Spar-­Format «mindestens weitere 10 neue ­Läden» budgetiert. Im Weiteren hat Spar seit Juni 5 Läden modernisiert, und bis zum Ende des ­Finanzjahrs 2018 will man nochmals 25 Filialen auf Vordermann bringen. Insgesamt werde man dann also über 50 solcher «New Generation Stores» verfügen, wie Philipson sie nennt. Diese Läden sind charakterisiert durch mehr Frische, mehr Convenience, mehr regionale Produkte.

Im Finanzjahr 2017 hat Spar 15,8 Millionen Franken in das Investitionsprogramm gesteckt, 2018 sollen 26 Millionen Franken ausgegeben werden. Spar Südafrika erwartet, dass Spar Schweiz «alle Kapitalausgaben mit selbst erarbeiteten Mitteln finanziert», also aus dem Cashflow.

Nicht gerüttelt wird laut ­Philipson an der Strategie, dass sich Spar als Nahversorger für die Nachbarschaft positioniert. Hingegen will Spar künftig massiv weniger Läden in Eigenregie ­führen. Bisher unterstanden Spar ­direkt 48 Läden mit dem Argument, dass man so selber ganz nahe an den Kunden sei und deren Puls fühlen könne. Die übrigen mehr als 110 Läden werden von Franchisenehmern geführt. Mittlerweile hat Spar aber 7 der eigenen Läden ebenfalls an Franchisenehmer übergeben, und Philipson will auf diesem Pfad weiterschreiten. «Wir brauchen nicht 50 eigene Läden, um Er­fahrungen an der Verkaufsfront zu sammeln. 10, über die ganze Deutschschweiz verteilt, reichen.»

Spar liebäugelt zudem seit einiger Zeit damit, die Fühler in die lateinische Schweiz auszustrecken. Im Tessin hat man bereits mit einem Spar-Express und der Belieferung von ein paar unabhängigen Detail­listen Fuss gefasst, doch die ­Romandie muss warten. «Wir ­sehen dort Potenzial, aber auch zu­sätzliche Kosten in Form von Personal, in der Werbung wegen der französischen Sprache usw.», sagt Philipson. «Vorerst müssen wir sehen, dass wir unsere Ziele in der Deutschschweiz erreichen.» In ein paar Jahren wolle man es geschafft haben – die ­grosse Wende, den «big turn-around».

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