Interview

Mömax eröffnet Filialen in Spreitenbach und Emmen – die Chefs über den Möbelmarkt und warum die Polizei ihre Mitarbeiter abholte

In Spreitenbach und Emmen öffnen am Mittwoch die ersten Mömax-Häuser. Schweiz-Chef Régis Paudex und der Expansionsverantwortliche Meinrad Fleischmann über ihre Pläne und eingeschlossene Mitarbeiter.

Stefan Ehrbar
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Der Schweizer Mömax-Chef Régis Paudex und Expansionsleiter Meinrad Fleischmann gestern in Spreitenbach.

Der Schweizer Mömax-Chef Régis Paudex und Expansionsleiter Meinrad Fleischmann gestern in Spreitenbach.

Bild: Alex Spichale

Sie eröffnen zwei neue Möbelhäuser in Emmen und Spreitenbach. Ist der Zeitpunkt mitten in den Ferien gut gewählt?

Régis Paudex: Während des Lockdowns haben die Menschen gemerkt, dass sie in ihren Wohnungen vieles verändern können. Zudem bleiben viele in den Ferien zuhause. Der Umsatz in der Möbelbranche steigt deshalb seit Wochen.
Meinrad Fleischmann: Es hilft natürlich, dass die Schweizer zuhause Ferien machen. Sobald das Wetter schlecht ist, stürmen sie die Möbelhäuser. Im gesamten Möbelmarkt sind die Frequenzen in den letzten Wochen sehr hoch.

Der Onlineanteil steigt stetig. Verpassen sie einen Trend?

Fleischmann: Im Möbelbereich wollen viele Produkte weiterhin berühren und fühlen. Aber wir werden auch mit einem Onlineshop starten, sobald die ersten Filialen eröffnet sind.

Home24 oder Beliani verkaufen Möbel ausschliesslich online. Wie wollen sie gegen diese Händler, die häufig günstige Preise bieten, bestehen?

Fleischmann: Die Heimlieferung und die Montage sind sehr wichtig. Das Geschäftsmodell reiner Onlinehändler mit der Lieferung an die Bordsteinkante und Gratisrücknahme entspricht dem nicht und ist teuer. Home24 ist der zweitgrösste Werbetreibende der Schweizer Möbelbranche, hat aber trotzdem nur einen verschwindend kleinen Marktanteil.
Paudex: Selbst Amazon kann nur noch wachsen, wenn es Läden eröffnet. Auch Home24 geht diesen Weg. Kunden wollen weder rein online noch rein stationär einkaufen. Alle erfolgreichen Händler in Europa sind in beiden Bereichen stark. Onlinehändler haben zudem das Problem, dass sie nur günstigere Produkte verkaufen können, weil bei hochpreisigen Artikeln die Unsicherheit gross ist. Vielleicht passt das Sofa dann doch nicht ins Wohnzimmer oder die Farbe ist anders als vorgestellt. Viele Onlinekunden sind Menschen, die zuvor im Laden Produkte angeschaut haben.

Mömax ist preislich im Einstiegsbereich positioniert. Ihre Konkurrenten sind Conforama, Lipo oder Ikea. Was können Sie besser als die?

Fleischmann: Als Teil der XXXLutz-Gruppe, die hierzulande mit XXXLutz, Möbel Pfister und Mömax präsent ist, gehören wir zum Einkaufsverband Giga. Wir können darum ein besseres Preis-Leistungsverhältnis bieten als Anbieter, die nur in der Schweiz tätig sind. Zudem profitieren wir von einem professionellen HR, das Pfister für alle Formate der Kette in der Schweiz unterhält. Wir treten selbstbewusst auf und wollen die beste Qualität in diesem Segment bieten.

Möbelkauf bedeutet häufig Frust. Lieferungen dauen beispielsweise wochenlang.

Paudex: Bei uns sind 90 Prozent des Sortiments an Lager. Die XXXLutz-Gruppe hat eine eigene Lieferungs- und Montageorganisation mit rund 40 Mitarbeitern aufgebaut. Heimlieferung dauert bei uns 10 Tage, nicht sechs bis acht Wochen wie bei anderen.

Wie viele Filialen plant Mömax?

Fleischmann: Der nächste Schwerpunkt wird die Westschweiz sein. Da wollen wir nicht nur mit einer Filiale starten, denn eine zusätzliche Sprache bedeutet zusätzlichen Aufwand. Auch in der Deutschschweiz gibt es noch Flecken. Ziel ist eine flächendeckende Präsenz mit rund 12 bis 15 Filialen.

Das ist ambitioniert, denn der Schweizer Möbelmarkt schrumpft.

Paudex: Er hat in den letzten 10 Jahren etwa 13 Prozent Umsatz verloren, unter anderem wegen dem Einkaufstourismus. In den letzten zwei Jahren war er aber stabil, nun dürfte er sogar etwas wachsen.
Fleischmann: Es gab eine Konsolidierung. Diverse Händler sind ausgestiegen. Das wird weitergehen. Angestossen wurde die Entwicklung durch den Einkaufstourismus. Die Preise mussten sinken. Damit sank aber auch der Umsatz. Mittlerweile sind die Preisunterschiede zum Ausland nicht mehr gross. In dieser Phase hat man als Newcomer wie Mömax gute Chancen, Marktanteile zu gewinnen.

Sie mussten ihre Mitarbeiter während der Krise einarbeiten. Wie funktionierte das?

Paudex: Das war ein grosser Stress, auch für die Mitarbeiter. Selbstverständlich haben wir die notwendigen Schutzmassnahmen gegen Corona umgesetzt. Nichtsdestotrotz waren auch wir betroffen. Einmal hat ein Mitarbeiter uns am Freitag gemeldet, dass er krank ist, aber am Mittwoch in der Schulung war. Wir mussten alle Mitarbeiter aus Emmen und Spreitenbach anrufen und heimschicken. Viele waren schon im Zug unterwegs.

Ein grosser Teil der Ausbildung fand auch bei Mömax in Deutschland oder Österreich statt. Gab es Komplikationen?

Paudex: Eine Gruppe sollte nach Österreich in die Schulung. Das ist möglich, es braucht lediglich eine spezielle Bescheinigung. Doch als die etwa 10 Mitarbeiter, die mit dem Flugzeug anreisten, in Österreich landeten, wurden alle Reisenden des Flugzeugs von der Polizei abgeholt, in ein Hotel gebracht und bewacht. Eine Filialleiterin rief mich an und sagte, dass ihr Zimmer abgeschlossen worden sei und vor der Türe ein Polizist stehe. Am nächsten Tag wurde die Gruppe an den Flughafen gebracht und musste mit dem ersten Flug zurück in die Schweiz. Die Bescheinigungen waren nur für die Anreise mit dem Auto oder der Bahn gültig, mussten wir lernen. Immerhin: Im Nachhinein kann man über solche Geschichten lachen.

Die Kette Mömax

Teil des XXXLutz-Imperiums

Derzeit gibt es 80 Möbelhäuser der Kette Mömax in Österreich, Deutschland, Kroatien und osteuropäischen Ländern. Mömax beschreibt sich als «Trendmöbelhaus mit leistbarem Design» und gehört zur österreichischen XXXLutz-Gruppe. Diese betreibt in der Schweiz ein XXXLutz-Möbelhaus und übernahm letztes Jahr die Möbel-Pfister-Gruppe, deren Name bestehen bleiben soll. Letztes Jahr übernahm XXXLutz von der Migros sechs Interio-Läden, die nun als Mömax neu eröffnet werden.

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