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MUSIK: Das harte Los der Schweizer Profi-Musiker

Am Freitag werden in Zürich wieder die Swiss Music Awards verliehen. Schweizer Musik ist beliebt wie schon lange nicht mehr. Doch weshalb kann kaum jemand davon leben?
Dominik Buholzer
Bei den letzten Swiss Music Awards konnte Beatrice Egli jubeln. Im Hintergrund: Triathletin Daniela Ryf. (Bild: Ennio Leanza/Key (Zürich, 10. Februar 2017))

Bei den letzten Swiss Music Awards konnte Beatrice Egli jubeln. Im Hintergrund: Triathletin Daniela Ryf. (Bild: Ennio Leanza/Key (Zürich, 10. Februar 2017))

Dominik Buholzer

Vergangenen November ging es nicht mehr anders. Henrik Belden musste ein paar Dinge klarstellen. Nein, schrieb er auf seiner Website und auf Facebook, er werde mit dem Musikmachen nicht aufhören. «Fakt ist aber, dass ich mich entschieden habe, 2018 kein neues Album anzupeilen», lässt er seine Fans wissen. Wahrscheinlich sei aber, dass er im Herbst einen neuen Song veröffentliche, sagt er auf Nachfrage. Mehr aber sei von ihm nicht zu erwarten.

Henrik Belden zählt zu den erfolgreicheren Schweizer Popmusikern. Zehn Jahre ist er bereits im Geschäft. Fünf Alben hat er in dieser Zeit aufgenommen, fast 300 Auftritte in der Schweiz und dem benachbarten Ausland bestritten und mehrere Top­platzierungen in den Schweizer Charts erzielt. In den vergangenen fünf Jahren konnte er vollständig von der Musik leben. Und doch hat er sich entschieden, wieder einer Teilzeitarbeit nachzugehen. Nicht aus primär finanziellen Gründen, wie Belden im Gespräch betont, sondern weil er ein «spannendes Angebot» erhalten hat und gerade in einer Schaffenskrise steckt. «Ich suche mein Schreibgefühl», sagt er. Das heisst: Er will erst wieder Songs veröffentlichen, wenn er wirklich davon überzeugt ist. Songs, die in seinen Augen Qualität haben. Das sei nicht mit einer Hitparadenplatzierung gleichzusetzen, das ist Henrik Belden wichtig zu betonen. Sowieso, bemängelt er, herrsche ein falsches Bild vor: «Reich wird man von der Musik nicht», sagt er. «Am Ende des Monats steht das Konto immer auf null.» Das galt auch für jene Zeit, als Henrik Belden mit «Hometown» einen nationalen Hit landete.

Nur rund 20 brauchen keinen Nebenjob

Henrik Belden ist keine Ausnahme. «In der Schweiz können im Bereich Pop/Rock vielleicht 20 Künstler wirklich von der Musik leben», sagt Oliver Rosa. Über 10 Jahre arbeitete Rosa für Warner Music, zuletzt war er Geschäftsführer der Schweizer Niederlassung. Vor elf Jahren gründete er seine eigene Firma, seit 2008 ­organisiert er die Swiss Music Awards, das jährliche Stelldichein der nationalen Musikbranche, an dem in über zehn Kategorien Preise vergeben werden. Am kommenden Freitag geht im Zürcher Hallenstadion die nächste Auflage über die Bühne; SRF zwei überträgt den Anlass live.

Zwar sind Musiker heute dank der Technik längst nicht mehr auf grosse Labels angewiesen. Sie können ihre Tonträger auch selber herausgeben. Einfacher wurde es deswegen für die Künstler nicht. Im Gegenteil: Rosa stellt fest, dass das Klima für Schweizer Musiker in den letzten Jahren rauer geworden ist. «Es genügt längst nicht mehr, mittelgrosse Clubs zu füllen», betont er. Dabei mangelt es nicht einmal am Interesse. Schweizer Musik ist so gefragt wie schon lange nicht. «Das Problem ist nur, dass kaum mehr jemand Geld für Tonträger ausgeben will», betont Rosa. Das zeigt auch ein Blick auf die Statistik. Jährlich werden immer weniger CDs verkauft. 2016 gingen noch gerade mal 3,16 Millionen Scheiben über die Ladentheke, vor zehn Jahren waren es noch gut 10 Millionen.

Auch der Download, also das kostenpflichtige Herunterladen von Musikstücken von einem Onlinedienst, welcher mal als der grosse Segen für die Musikindustrie verschrien worden ist, bringt zusehends weniger ein. Im Jahr 2016, so die aktuellsten Zahlen, betrug der Umsatz 21,7 Millionen Franken. Immerhin ist mit dem Streaming ein neuer Erwerbszweig am Wachsen . Beim Streaming werden nicht mehr die einzelnen Musikstücke erworben, dafür das Recht, sie zu hören. 2016 wurde mit 23 Millionen Franken erstmals mehr Umsatz mit Streaming erzielt als mit Downloads. Das gibt den Musiklabels ein wenig mehr Luft beziehungsweise Geld, das wieder in die Branche fliesst. Doch damit ist die Branche noch längst nicht aus dem Schneider.

Radiostationen stehen in der Kritik

Daran seien die Radiostationen nicht ganz unschuldig, findet ­Belden. «Es sind viel zu wenige Schweizer Musiker, die gespielt werden», meint er. Und er selber könne sich nicht einmal beschweren. «Ich wurde von den Radiostationen immer gut behandelt. Mir tun aber die anderen, vor allem auch jungen Kollegen, leid.» Das Musikbusiness sei pickelhart geworden. Wochen vor der Veröffentlichung eines neues Albums seien 15-Stunden-Tage die Regel und Wochenendauftritte sowieso. «Und zu Hause hast du vielleicht noch eine Familie, die auch was von dir will», schiebt Belden nach.

Das kann Damian Lynn nur unterschreiben. «Als Profimusiker ist man zugleich auch Unternehmer. Das muss man erst mal lernen», sagt er. Und Lynn kann seit dreieinhalb Jahren gut von seiner Passion leben, wie er betont. Sein Vorteil: Lynn ist Solokünstler. «Dadurch vereinfacht sich schon einiges», meint er. Sei es nur schon, dass die Entscheidungswege viel kürzer sind. Aber auch, dass er seine Einnahmen nicht teilen muss.

Weshalb tun sich dann das so viele an und träumen von der grossen Karriere? «Weil es nichts Besseres gibt», sagt Belden. Es hänge mit der Leidenschaft zusammen. Weil es ganz einfach Spass mache, sagt Oliver Rosa. Die Branche fasziniere ihn auch noch nach 20 Jahren, meint er: «Du kriegst einfach nicht genug.»

Hinweis
<i style="font-size: 1em;">www.swissmusicawards.ch</i>

Henrik Belden trat im August 2017 am Pilatus on the rocks auf. (Bild: Corinne Glanzmann / LZ (Pilatus, 26. August 2017))

Henrik Belden trat im August 2017 am Pilatus on the rocks auf. (Bild: Corinne Glanzmann / LZ (Pilatus, 26. August 2017))

Zahlen Schweizer Musikmarkt (Bild: Grafik: Oliver Marx)

Zahlen Schweizer Musikmarkt (Bild: Grafik: Oliver Marx)

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