Mutmassliche Korruptionsmillionen sollen über Zuger Holding geflossen sein – deren Präsident war ein CVP-Politiker

Der Verwaltungsratspräsident der Holding sagt gegenüber CH Media: «Ich ging grundsätzlich von der Legitimität der Geschäfte der Holding aus.»

Leo Eiholzer
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Isabel dos Santos und ihr Mann Sindika Dokolo sollen in einen Korruptionsskandal verwickelt sein.

Isabel dos Santos und ihr Mann Sindika Dokolo sollen in einen Korruptionsskandal verwickelt sein. 

Bild: AP

14 Jahre lang sass ein Zuger Wirtschaftsanwalt und ehemaliger CVP-Lokalpolitiker im Verwaltungsrat der Holding. Er gründete sie – er war während Jahren ihr Präsident. Laut Recherchen des «International Consortium of Investigative Journalists» tat er dies im Auftrag von Sindika Dokolo, dem Schwiegersohn des Langzeit-Präsidenten von Angola.

Die Holding soll eine entscheidende Rolle gespielt haben in Geschäften von Dokolo, mit denen er mutmasslich von hunderten Millionen Franken an öffentlichen Geldern Angolas profitierte. Notabene ein Land, in dem ein Drittel der Menschen unter der Armutsgrenze lebt. Der Organisation «Platform to Protect Whistleblowers in Africa» wurden hunderttausende Dokumente zugespielt, die Selbstbereicherung durch die angolanische Präsidentenfamilie belegen sollen. Die Whistleblower-Organisation teilte die Dokumente wiederum mit dem internationalen Journalisten-Netzwerk. Diese nannte die Veröffentlichungen «Luanda Leaks». In der Schweiz waren die Tamedia-Zeitungen an den Recherchen beteiligt.

100'000 Franken im Jahr für 25 Stunden pro Monat

Laut diesen war die vom Zuger Anwalt präsidierte Holding   in zwei Geschäfte involviert: Die gemeinsame Übernahme einer Genfer Juwelierfirma durch ein angolanisches Staatsunternehmen und den Präsidenten-Schwiegersohn sowie die Übergabe von   Aktien durch den staatlichen Erdölkonzern an Dokolo, die 400 Millionen Euro Gewinn abwarfen.

Der Zuger Anwalt sagt gegenüber CH Media, er habe 100000 Franken im Jahr für sein Mandat erhalten: «Dafür habe ich ungefähr 25 bis 30 Stunden im Monat gearbeitet.» Für ihn ist das der «übliche Anwaltstarif auf dem Platz Zug».

Doch was tat die Holding tatsächlich? Im Jahr 2011 übernahmen der angolanische, staatliche Diamantenkonzern und der Schwiegersohn des Langzeit-Präsidenten zusammen den Genfer Juwelier De Grisogono. Dokolo hielt seine Hälfte laut Tamedia über die Zuger Holding. Umstritten ist, ob er für den Anteil auch einen fairen Preis bezahlt hat. Dokolo sagt, er habe gleich viel eingeschossen wie die Staatsfirma, nämlich 115 Millionen Dollar. Allerdings legt er keine Beweise vor. In den «Luanda-Leaks»-Dokumenten steht jedoch, dass Dokolo dem Juwelier bis November 2015 nur ein Darlehen von 17 Millionen Dollar gewährt hatte. Der Staatskonzern hingegen bereits 110 Millionen. Dennoch gehörte die Hälfte des Juweliers dem Schwiegersohn.

Im zweiten Fall unterschrieb der Zuger Anwalt laut Tamedia einen wichtigen Vertrag. 2006 kaufte die staatliche Erdölgesellschaft Angolas Anteile an der portugiesischen Firma Galp. Doch nur wenig später gab sie 40 Prozent davon an eine holländische Tochter der Zuger Holding weiter. Dokolo durfte den grössten Teil des Kaufpreises als Darlehen zahlen, das er danach zehn Jahre lang nicht antastete. Alleine mit der Kurssteigerung der Aktien erzielte er einen Buchgewinn von 400 Millionen Euro. Dokolo und seine Frau Isabel dos Santos bestreiten Vorwürfe von Begünstigung. Dokolo sagt, er habe den Kaufpreis zurückgezahlt. Allerdings tat er das unter umstrittenen, vorteilhaften Bedingungen.

Der Wirtschaftsanwalt, der die Holding präsidierte, sagt:

«Ich ging grundsätzlich von der Legitimität der Geschäfte der Holding aus.»

Es seien stets Top-Kanzleien beteiligt gewesen und er habe den Eindruck gehabt, «dass es grosse Bemühungen gab, alles korrekt zu machen.» Die Handlungen der Holding hätten sich kommerziell begründen lassen, so auch der Verkauf der Galp-Aktien von der Erdöl-Gesellschaft an die holländische Tochterfirma der Holding. «Dieser war transparent, da Sindika Dokolo auch Einsatz im Verwaltungsrat der Galp nahm», sagt er.

Dennoch: In der Weihnachtszeit verliess der Anwalt nach 14 Jahren die Holding. Mit den Anschuldigungen aus den «Luanda Leaks» habe die Abgabe des Mandats nichts zu tun. Detaillierter will er zu den Gründen nicht werden. Gleichzeitig bestätigt er, dass er zu dem Zeitpunkt, als er sich zurückzog, «wusste, dass ein Artikel über die Holding erscheinen wird».

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