Mythos weisse Weihnachten

Ein Klimatologe erklärt, weshalb weisse Weihnachten schon früher Zufall waren.

Bruno Knellwolf
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Ein Weihnachtsbaum im Grünen. (Urs Flüeler/Keystone, Stans 19. Dezember 2018)

Ein Weihnachtsbaum im Grünen. (Urs Flüeler/Keystone, Stans 19. Dezember 2018)

Die Klage kam aus dem Tessin. Über Pfingsten 2013 waren mehr Hotelbetten leer geblieben als in anderen Jahren. Schuld daran seien die Meteorologen, welche mit ihren schlechten Prognosen die Deutschschweizer vom Besuch der Sonnenstube abgehalten hätten. Dabei waren doch einige Sonnenstrahlen durch die Regenwolken gedrungen. Schnell entbrannte in sozialen Medien eine Diskussion über die Wirkung von Wetterprognosen und deren Ge­nauigkeit. Ganz ernst nehmen kann Stephan Bader von der Abteilung Klima bei Meteo Schweiz diese Diskussion nicht. Wenn die Vorhersagen für das Wetter im Tessin schlecht ausfielen, sei dem halt so. Auf keinen Fall würden die Meteorologen absichtlich schlechte Prognosen erstellen, um die Touristen abzuhalten.

Auch das mögliche Wetter über Weihnachten beschäftigt die Leute schon lange im Voraus. Generell liege die durchschnittliche Trefferrate der Vorhersagen von Meteo Schweiz für einen Tag bei etwa 85 Prozent. Für drei Tage bei 80 und fünf Tage bei 70 Prozent. Die Treffsicherheit der Prognose hänge, unabhängig ob Weihnachten oder nicht, vor allem von der zu erwartenden Strömungslage ab, welche das Wetter macht. Kommt die Strömung von Westen, wird oftmals milde und feuchte Atlantikluft zur Schweiz geführt. Darin entwickeln sich dann oft Tiefdruckgebiete mit Frontensystemen. «Je nach Stärke der Strömung lässt sich dabei ein genauer Zeitplan der Niederschlagsphasen auf höchstens zwei bis drei Tage vorhersagen», erklärt Bader.

Schwierige Prognose der Schneefallgrenze

Noch schwieriger ist es für die Meteorologen, bei solchen Strömungslagen die Höhe der Schneefallgrenze vorherzusagen. Nur wenn eine Tiefdrucklage mit Zustrom von polarer Kaltluft aus Norden oder Nordwesten zu erwarten sei, lasse sich sagen, auf welcher Höhe Schneeflocken fallen. Für diese Weihnachten sieht es im Mittelland nicht gut aus. In den nächsten Tagen sind wir durch eine relativ milde Westströmung beeinflusst, mit gelegentlichen Niederschlägen. Die Schneefallgrenze liegt dabei meist über 1400 Meter. Die Strömung dreht in der Nacht von Heiligabend zum Weihnachtstag auf Nordwest, in den östlichen Voralpen und Alpen bringt das gemäss Bader etwa 10 bis 20 Zentimeter Schnee oberhalb von 800 Metern. «Darunter ist kaum mit Schnee zu rechnen.»

So wird also wieder nichts aus weissen Weihnachten, die sowieso einem Mythos entspringen. «Sie sind ein zufälliges Phänomen, das von der Wetterlage kurz vor Weihnachten abhängig ist. Auf ein Weihnachtsfest mit etwas Schnee folgen meist einige Jahre mit grünen Weihnachten. Das war früher so und ist auch heute noch so», sagt der Klimatologe. So lassen die Messungen der Forscher seit 1931 keinen Trend zu mehr oder weniger weissen Weihnachten im Mittelland erkennen. «Wirklich weisse Weihnachten mit Schnee an allen drei Weihnachtstagen gibt es im Mittelland ohnehin nur in 20 bis 25 Prozent der Jahre», sagt Bader.

Immerhin liegt die aktuelle Schneehöhe in den Ostalpen, im Engadin, am westlichen Alpennordhang und im Wallis im Bereich der Norm oder sogar etwas darüber. In der Zentralschweiz liegt etwas weniger Schnee als im Durchschnitt, wie das Institut für Schnee- und Lawinenforschung festhält. Da muss wohl der Kunstschnee helfen, der in hohen Lagen schon seit Wochen erzeugt wird. Dort ist es genug kalt für den Beschneiungsvorgang. Für die nächsten Tage wird das unterhalb von 1500 Metern dagegen schwierig, weil das Thermometer kaum oder zu wenig lange unter den Gefrierpunkt fallen wird. «Zudem wird der Westwind auch sehr stark bis stürmisch sein, damit kann das Beschneien kaum gezielt ausgeführt werden», sagt Bader.