Credit Suisse
Nach CS-Deal: Grübel befürchtet, dass auch andere Länder auf die Schweiz losgehen

«Was ist mit unseren Banken passiert, auf die wir einmal so stolz waren?» Das fragt sich Ex-UBS und Ex-CS-Chef Oswald Grübel. Er glaubt, dass nun nach den USA auch andere Länder auf die Schweiz losgehen würden.

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Oswald Grübel versteht nicht, wie man die Schweizer Banken ans Ausland hergibt

Oswald Grübel versteht nicht, wie man die Schweizer Banken ans Ausland hergibt

Keystone

Ex-UBS- und Ex-CS-Chef Oswald Grübel äussert sich in seiner „Schweiz am Sonntag"-Kolumne zum Steuerstreit mit den USA und den Schlagzeilen um die CS.

«Was ist mit unseren Banken passiert, auf die wir einmal so stolz waren, weil sie zu den grössten und unserer Meinung nach auch besten der Welt gehörten? Obwohl einige Regierungsvertreter darüber reden, das Bankgeheimnis aufzugeben, wird noch eisern daran festgehalten, und man nimmt Milliardenstrafen für unsere Banken in Kauf», schreibt Grübel.

«Die Medien kritisieren heute, dass die Banken die 70-jährige Praxis, nämlich unversteuerte Gelder anzunehmen, nicht sofort in eine 'Weissgeldstrategie' umgesetzt haben. Dank ihrer Macht und ihres Verhandlungsgeschicks und mangels resoluter Gegenwehr unserer Regierung haben die USA diese Situation voll ausgenutzt und gleich ein Mehrfaches dessen kassiert, was sie durch normale Besteuerung der in der Schweiz liegenden Vermögen von US-Bürgern je erhalten hätten.»

Grübel befürchtet einen Dammbruch: «Wir haben Präzedenzfälle geschaffen für alle anderen Staaten, sich bei uns zu bedienen. Tun wir das, abgesehen von den wirklich rechtlichen Vergehen in anderen Ländern, weil wir auf einmal ein schlechtes Gewissen haben oder weil wir der Meinung sind, unsere Banken verdienten diese Behandlung durch das Ausland? Schliesslich ist es ein Unterschied, ob Milliarden an Strafzahlungen in die eigene Staatskasse fliessen oder ins Ausland. Es hilft nicht, wenn Regulatoren und Regierung diese 'Lösung' auch noch begrüssen.»

Für Grübel steht fest: «Das noch existierende Bankgeheimnis, das der Schweiz zu Wohlstand und Ansehen verholfen hat, ist uns nun zum Verhängnis geworden. Wie sagt man so schön: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.»

US-Steuerstreit: Auch Julius Bär droht hohe Busse

Nach der Einigung der Credit Suisse mit den amerikanischen Behörden im Steuerstreit droht auch der Privatbank Julius Bär eine hohe Busse. Mehrere Experten haben unmittelbar nach der Bekanntgabe des teurer als erwarteten CS-Vergleichs ihre Schätzungen für die Privatbank nach oben korrigiert, wie die "NZZ am Sonntag" berichtet. Die Analysten der Bank am Bellevue erwarten jetzt, basierend auf einer Vergleichsrechnung mit der CS, bei Julius Bär eine Busse von 800 Millionen Dollar. Allerdings ist diese Schätzung mit Unsicherheiten behaftet, weil die Privatbank das exakte Geschäftsvolumen in den USA nicht angibt. Auch andere Analysten haben ihre Prognosen angepasst. "Bisher haben sich meine Schätzungen in einer Bandbreite zwischen 300 Millionen Franken und 400 Millionen Franken bewegt", sagt Andreas Brun von der Zürcher Kantonalbank in Bezug auf Julius Bär. "Jetzt wird in Analystenkreisen über Bussen von bis zu 1 Milliarde Franken spekuliert." Beobachter rechnen in naher Zukunft mit weiteren Vergleichen zwischen der US-Justiz und Schweizer Banken. Julius Bär kommentiert den Stand der Verhandlungen nicht.