Lösegeld
Nach Cyber-Angriff: Erpresser erhöhen Druck auf Peter Spuhlers Stadler Rail

Die Cyberkriminellen, die Anfang Mai ins IT-Netzwerk des Schienenfahrzeugbauers Stadler eingedrungen sind, haben mutmasslich einen zweiten Teil der gestohlenen Daten im Darknet veröffentlicht. Sie wollen ein Lösegeld erpressen, beissen aber auf Granit.

Thomas Griesser Kym
Drucken
Teilen
Will sich auf den Erpressungsversuch der Cyberkriminellen nicht einlassen: Stadler-Patron Peter Spuhler.

Will sich auf den Erpressungsversuch der Cyberkriminellen nicht einlassen: Stadler-Patron Peter Spuhler.

Urs Bucher (Bussnang, 5. März 2020

Dieser nun veröffentlichte Datensatz enthalte «mehr Finanzdokumente» Stadlers, heisst es in einem Eintrag auf dem anonymen Twitter-Account Ransom Leaks von Ende Juni. Laut dem Eintrag versuchen die Cyberkriminellen, die Stadlers IT-Netzwerke mittels einer Schadsoftware namens Nefilim attackiert hatten, vom Unternehmen Peter Spuhlers «bezahlt zu werden». Weil Stadler sich weigert, hätten die Hacker einen zweiten Teil der Daten veröffentlicht, «um Stadler zu ermutigen, das Lösegeld zu zahlen».

Hacker fordern Millionensumme

Laut Angaben Stadlers vom 29. Mai verlangen die unbekannten Täter 6 Millionen Dollar in Bitcoin. Um ihrer Erpressung Nachdruck zu verleihen, hatten sie Ende Mai bereits einen ersten Teil gestohlener Daten veröffentlicht. Der Schienenfahrzeugbauer reagierte auf die Forderung mit folgenden Statement: «Stadler ist und war zu keinem Zeitpunkt bereit, Zahlungen an die Erpresser zu leisten und ist nicht in die Verhandlungen eingetreten.»

Die Ermittlungen dauern an

Publik gemacht hatte Stadler den Cyberangriff am 7. Mai. Die Thurgauer Staatsanwaltschaft ermittelt. Mit Verweis auf deren laufendes Verfahren will sich Stadler nun nicht näher äussern. Nach dem Angriff hatte das Unternehmen festgehalten, trotz des Datendiebstahls liefen die Produktion bestellter Züge und das Servicegeschäft weiter. Das Unternehmen habe von allen gestohlenen Daten funktionierende Back-up-Dateien (Sicherungskopien).

Stadler erhält Bestellung aus Ungarn

Gute Nachricht kommt aus Ungarn: Die Staatsbahn MÁV hat Stadler einen Folgeauftrag für vier dieselelektrische Tram-Trains des Typs Citylink erteilt. Die Fahrzeuge werden von der spanischen Tochtergesellschaft Stadler Valencia gefertigt und sollen im Sommer 2022 in Betrieb gehen.

Mit der Bestellung löst die MÁV eine Option vom November 2017 ein. Damals hatte sie bei Stadler acht Tram-Trains im Wert von 17,6 Milliarden Forint bestellt, die kommenden Herbst auf die Schienen sollen. Das entspricht zum damaligen Wechselkurs rund 8 Millionen Franken pro Fahrzeug. Über den Auftragswert der nun bestellten vier Tram-Trains haben Stadler und MÁV Stillschweigen vereinbart. (T. G.)

Visualisierung eines Tram-Trains des Typs Citylink von Stadler für die ungarische Staatsbahn MÁV.

Visualisierung eines Tram-Trains des Typs Citylink von Stadler für die ungarische Staatsbahn MÁV.

Pressedienst