Sharing Economy
Nach dem Auto jetzt der Roller: Scooter zum Teilen liegen im Trend

Die Verleiher von Motorrollern erobern die europäischen Städte, wie eine Schweizer Studie zeigt. In Zürich ist noch kein Anbieter aktiv. Das ändert sich bald, ist ein Verkehrsexperte überzeugt.

Thomas Müller
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Elektrisch quer durch Paris sausen stösst auf Anklang.

Elektrisch quer durch Paris sausen stösst auf Anklang.

HO

Paris hats vorgemacht: Vor gut zehn Jahren startete Vélib. Die Wortkreation aus Velo und Freiheit (liberté) steht für einen automatisierten Veloverleih. Heute sind 23'600 Fahrräder an unzähligen Stationen für die rasche Benutzung bereit. Vélibs werden als Alternative zu Metro, Bus oder Taxi rege benutzt. Das Konzept stellte die Verkehrsgewohnheiten in der französischen Hauptstadt auf den Kopf und rief weltweit Nachahmer auf den Plan.

Inzwischen buhlen Start-ups wie Obike aus Singapur oder Limebike aus Kalifornien um die Gunst der urbanen Kundschaft, so auch in Zürich. Ihre Velos sind nicht mehr auf fixe Stationen angewiesen. Dank Smartphone-App und Lokalisation über das GPS-Satellitensystem kann man sie auf jedem offiziellen Veloparkplatz abstellen. Und die Fahrt tritt man im sogenannten Freefloating System dort an, wo grad ein solches Rad bereitsteht.

Hoffen auf den Börsengang

Angebote nach dem Grundsatz «Teilen statt besitzen» gibt bereits es in verschiedenen Bereichen des Verkehrs. Manche wie die Genossenschaft Mobility mit rund 3000 roten Autos in der ganzen Schweiz verrechnen nur die Selbstkosten. Andere arbeiten gewinnorientiert. Und einige hoffen darauf, unter dem etwas hochtrabenden Modewort «Shared Mobility» dereinst über einen Börsengang den grossen Profit einzustreichen.

Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) hat nun zum dritten Mal diesen Markt in sieben europäischen Städten unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse aus Barcelona, Berlin, Kopenhagen, London, Paris Wien und Zürich zeigen, dass sowohl bei den Velos als auch bei den Autos die Preise sinken. Und ein neuer Bereich, die Scooter, gewinne «sprunghaft an Bedeutung», hält die am Mittwoch veröffentlichte Studie «Shared Mobility» fest. Dabei werden Motorroller nach dem gleichen System wie die Velos zum Teilen angeboten.

Schon 2100 Scooter in Paris

Thomas Sauter-Servaes, Leiter des ZHAW-Studiengangs Verkehrssysteme, spricht von einem rasanten Wachstum. «Besonders populär sind die Roller bereits in Berlin und Paris», sagt er. In Berlin stehen total 1350 Scooter der beiden Anbieter Coup und Emmy bereit, in Paris 2100 Gefährte von Coup und City Scoot. Barcelona kommt auf 945 Scooter von vier Anbietern, Wien auf 155. In London, Kopenhagen und Zürich gibt es keine Angebote. Sauter ist überzeugt, dass sich das bald ändert, besonders im lukrativen Schweizer Markt: «Die Einstiegshürden sind niedrig, anders als beim Carsharing». Autos brauchen mehr Platz, Parkplätze fürs Carsharing zu sichern, ist deshalb schwierig.

Der Verkehrsexperte erwartet, dass sich in Zürich nicht Benziner, sondern elektrische Scooter durchsetzen werden. Grund: die höhere Akzeptanz in Politik und Bevölkerung. So operiert auch der grosse Anbieter Coup ausschliesslich mit elektrischen Rollern, so in Berlin, Paris und neuerdings auch Madrid.