Nach dem Börsengang: Mitarbeiter von Stadler Rail machen Kasse

Kaderleute haben im ersten Halbjahr Aktien im Wert von rund 17 Millionen Franken verkauft.

Andreas Möckli
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Peter Spuhler, Präsident und Grossaktionär von Stadler Rail. Bild: Christian Beutler/Keystone

Peter Spuhler, Präsident und Grossaktionär von Stadler Rail. Bild: Christian Beutler/Keystone

Für Peter Spuhler war der Börsengang von Stadler Rail ein Milliardensegen. Der 60-Jährige liess auch seine Weggefährten grosszügig an der Erfolgsgeschichte teilhaben. So verkaufte er einen Teil der Aktien unter Management, Verwaltungsrat und Kaderleute zu einem sehr günstigen Preis. Allein die Geschäftsleitung und die Verwaltungsräte besitzen Aktien im Wert von knapp 290 Millionen Franken.

Die Kaderleute sind im Gegensatz zu Verwaltungsrat und Konzernleitung nicht an eine Sperrfrist gebunden. Sie können ihre Aktien daher jederzeit verkaufen. Und das haben sie getan, wie aus dem aktuellen Halbjahresbericht hervorgeht. Darin steht zudem, dass die Steuerbehörden entschieden haben, dass die Mitarbeiter den Gewinn aus dem Verkauf der Aktien als Einkommen versteuern müssen. Stadler Rail wiederum muss auf diesen Beträgen Sozialabgaben leisten.

Konkret geht das so: Die ausgewählten rund 150 Kaderleute konnten die Mitarbeiteraktien letztes Jahr zu knapp acht Franken kaufen. Inzwischen ist die Aktie an der Börse 42 Franken wert. Die Differenz müssen die Kaderleute als Einkommen versteuern, wie Finanzchef Raphael Widmer im Gespräch sagt. Im April wollte Stadler Rail zur Frage der Besteuerung der Mitarbeiteraktien nicht im Detail Stellung nehmen.

Kaderangestellte verkaufen einen Teil ihrer Aktien

Der Zughersteller seinerseits muss auf dem Differenzbetrag jeweils Arbeitgeberbeiträge leisten. Im ersten Halbjahr waren dies 900'000 Franken. Damit lässt sich abschätzen, wie viele Aktien die Kaderleute verkauft haben.

Gemäss Berechnungen dieser Zeitung dürfen die Angestellten etwas mehr als 400'000 Aktien verkauft haben, wenn man von einem Durchschnittskurs der Stadler-Aktie von 43 Franken ausgeht. So gerechnet, haben die Kaderleute über 17 Millionen Franken mit dem Verkauf der Aktien gelöst. Der Fiskus darf sich also freuen.

Spuhler und seine Firma bekommen nun zu spüren, wie unnachgiebig die Börse sein kann. Obwohl der Umsatz im ersten Halbjahr um 40 Prozent kletterte und sich der Gewinn mehr als verdreifachte, reagierten die Anleger enttäuscht. Offenbar missfiel den Investoren der etwas verhaltenere Ausblick für das ganze Jahr. So hat Stadler das Ziel für den Betriebsgewinn etwas verhaltener formuliert, als dies im Vorfeld der Halbjahreszahlen erwartet wurde. Und so verloren die Aktien gestern 5,1 Prozent.