Küchen
Nach der Piatti-Pleite: 60 Millionen Schulden haben sich angehäuft

Lohnforderungen in Millionenhöhe stehen nach dem Konkurs der Traditionsfirma Piatti im Raum.

Philipp Felber
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Piatti ging im September letzten Jahres Pleite.

Piatti ging im September letzten Jahres Pleite.

Keystone

Das letzte Jahr war kein gutes für den Schweizer Küchenmarkt. Der grösste Küchenbauer Piatti ging im September pleite, Alno Schweiz im Oktober. Momentan ist die Insolvenzverwaltung bei Piatti daran, den Konkurs aufzuarbeiten. Nun zeigt sich das finanzielle Ausmass des Firmenendes: Insgesamt 60 Millionen Franken an Schulden hätten sich gebildet, sagt Beat Weinwurm, ausseramtlicher Konkursverwalter. Knapp 9 Millionen Franken sind offene Lohnforderungen der rund 300 Angestellten. Das Ende der Piatti Küchen ist ein Ende mit Schrecken.

Ein Teil des Filialnetzes von Piatti ist an Forster Küchen übergegangen. Die Tochterfirma wurde kurz vor der Pleite von Piatti verkauft und unter dem Namen Forster Swiss Home neu lanciert. Heute laufe das Geschäft mit den Forster-Stahlküchen gut, sagt Max Müller, Verwaltungsratspräsident bei Forster Swiss Home, auf Nachfrage. Zu Piatti, bei der Müller bis letzten Juli ebenfalls im Verwaltungsrat sass, will er sich nicht äussern.

Juristische Untersuchungen im Gange

Piatti, Alno Schweiz und Forster Küchen waren Tochterfirmen der deutschen Küchenbauerin Alno, die in finanzielle Schieflage geriet. Sie ist momentan Gegenstand von juristischen Untersuchungen. In einem ersten, vorläufigen Bericht hielt ein Alno-Insolvenzverwalter im Januar fest, dass die deutsche Alno schon länger faktisch zahlungsunfähig gewesen sei. Deshalb steht der Vorwurf der Insolvenzverschleppung, in Deutschland eine Straftat, im Raum. Ins Visier der Untersuchung geraten ist auch Max Müller, der Alno von 2011 bis Mai 2017 leitete. Er bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe laut deutschen Medien. Auf Anfrage der «Nordwestschweiz» wollte sich Müller nicht zu Alno äussern.

Im März wurden in Deutschland erste Durchsuchungen durchgeführt, auch bei ehemaligen Vorstandsmitgliedern von Alno. Wer genau im Zentrum der Ermittlungen ist, teilte die Stuttgarter Staatsanwaltschaft nicht mit. Die Untersuchungen wurden in den letzten Wochen nun auch in der Schweiz weitergeführt. Die Staatsanwaltschaft, welche die Untersuchungen leitet, bestätigte, dass bei zwei Beschuldigten Durchsuchungen stattfanden. Auch hier nennt die Staatsanwaltschaft keine Namen.