Comet

Nach Hans Hess’ Abgang steht der Ausverkauf an

Investor Veraison hält an Überprüfung des Hightech-Konzerns Comet fest.

Beat Schmid
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War 14 Jahre lang Lenker von Comet: Swissmem-Präsident Hess.Bally/Key

War 14 Jahre lang Lenker von Comet: Swissmem-Präsident Hess.Bally/Key

KEYSTONE

Es war ein hauchdünner Sieg, den Heinz Kundert davongetragen hat. Mit einem Vorsprung von drei Promille wurde der Industriemanager zum neuen Verwaltungsratspräsidenten beim Freiburger Halbleiterkonzern Comet gewählt. An der Generalversammlung diesen Donnerstag setzte sich der 67-Jährige mit 50,6 Prozent der Stimmen gegen den offiziellen Kandidaten des Verwaltungsrats durch. Dieser kam auf 50,3 Prozent.

Kundert wurde von der Zürcher Beteiligungsgesellschaft Veraison auf den Schild gehoben. Dort zeigt man sich zufrieden über den überraschenden Ausgang des Kräftemessens. «Wir möchten uns bei allen Aktionären für die Unterstützung zur Wahl von Heinz Kundert als unabhängigem Verwaltungsratspräsidenten von Comet bedanken. Das Unternehmen muss nun wieder zur Ruhe kommen und sich mit voller Kraft auf das Werteschaffen konzentrieren, um das brachliegende Potenzial zu stemmen», sagt Co-Gründer Gregor Greber.

Im Vorfeld der Generalversammlung kam es zu Scharmützeln. Der Comet-Verwaltungsrat unter der Leitung von Hans Hess versuchte, die Kandidatur von Kundert zu verhindern. Gian-Luca Bona, Empa-Chef und Comet-Verwaltungsrat, wurde vorgeschickt, um das Schreckgespenst eines Ausverkaufs an die Chinesen an die Wand zu malen, falls Kundert gewählt würde. Bis zum Schluss befürchtete Veraison offenbar, dass die Wahl durch ein Bubentrickli vereitelt würde.

Doch der scheidende Präsident Hans Hess liess den Sprengkandidaten zur Wahl antreten – und sorgte so für demokratisch anmutende Verhältnisse. «Er leitete die Generalversammlung souverän, fair und sportlich», sagt Gregor Greber. Am Schluss der Generalversammlung kam es noch zu einem Auftritt des Veraison-Anwalts Urs Schenker. Der «GV-Schreck», wie er sich selber bezeichnete, bedankte sich ausdrücklich bei Hess für faire Bedingungen.

Zwei Sparten auf Prüfstand

Hess blieb am Schluss wohl auch keine andere Möglichkeit. Aus Imagegründen kann sich der Präsident des Industriellenverbands Swissmem keinen Knatsch mit einem gewichtigen Investor leisten. Hess strapazierte bereits bei der Schliesstechnikfirma Dormakaba die von seinem Verband mitgetragenen Good-Governance-Richtlinien. Mit dem Segen von Hess wurde Konzernchef Riet Cadonau letztes Jahr zusätzlich zum Präsidenten des Verwaltungsrats der Kaba-Gruppe gewählt. Doppelmandate gelten seit der Ära Vasella bei Novartis aber als verpönt unter börsenkotierten Firmen.

Die Wahl von Kundert bleibt eine bittere Niederlage für Hess. Während 14 Jahren war er oberster Lenker der Flamatter Hightechfirma mit 1350 Angestellten, 500 davon in der Schweiz. Nun muss er als Aussenstehender zuschauen, wie das Unternehmen möglicherweise schon bald umgestaltet wird. Greber von Veraison jedenfalls hält an seiner Einschätzung fest, wonach das Unternehmen zwei von vier Sparten veräussern sollte. Dabei handelt es sich um den Verlustbringer EBeam und die Laser-Sparte.