Nach Kritik der Milchproduzenten: Hochdorf-CEO Thomas Eisenring tritt zurück

Der Geschäftsführer von Hochdorf, Thomas Eisenring, macht Platz für «frische Impulse» an der Spitze des Milchverarbeiters. Zuvor hatten die Zentralschweizer Milchproduzenten scharfe Kritik an der Strategie geäussert.

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Hochdorf-CEO Thomas Eisenring. (Bild: Dominik Wunderli, Hochdorf, 22. November 2016)

Hochdorf-CEO Thomas Eisenring. (Bild: Dominik Wunderli, Hochdorf, 22. November 2016)

Beim Milchverarbeiter Hochdorf tritt der Unternehmenschef Thomas Eisenring per Dienstag zurück. In einer Übergangsphase werde Geschäftsleitungsmitglied Peter Pfeilschifter die Führung der Geschäftsleitung übernehmen, teilte Hochdorf am Montagabend mit.

Eisenring, der das Unternehmen seit 2013 als CEO geführt hat, wolle sich aus familiären Gründen beruflich nochmals neu orientieren, hiess es zur Begründung. Er wolle sich vermehrt auf dem afrikanischen Kontinent engagieren. Eisenring wird mit den Worten zitiert, dass dem Unternehmen im anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeld und der derzeitigen Veränderungsphase frische Impulse guttun würden. Pfeilschifter wurde vor einem Jahr in die Geschäftsleitung berufen. Er ist zudem Geschäftsführer der deutschen Hochdorf-Tochter Uckermärker Milch GmbH.

Hochdorf hatte 2018 mehrmals seine Jahresprognose nach unten korrigieren müssen. Um das Unternehmen auf die Erfolgsstrasse zurückzuführen, hatte der wichtige Aktionär ZMP Invest am letzten Freitag eine Erneuerung des Verwaltungsrats gefordert. ZMP Invest gehört der Genossenschaft der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) und hält an Hochdorf 14,5 Prozent. Neuer Hochdorf-Präsident soll nach Wunsch der ZMP Bernhard Merki werden. Merki hatte erst im Oktober die CEO-Funktion beim Hochdorfer Fenster- und Fassadenspezialisten 4B abgegeben.

Die Zentralschweizer Milchproduzenten kritisieren die Strategie von Hochdorf – weg vom Zulieferer für die Lebensmittelindustrie, hin zum Produzenten für den Lebensmittelmarkt. In den letzten Jahren investierte Hochdorf unter anderem in Sulgen TG über 100 Millionen Franken in die Produktion von Babynahrung, kaufte die Uckermärker Milch in Deutschland oder sicherte sich eine Mehrheit der Baarer Pharmalys Laboratories SA, dem Vermarkter von Babynahrung und Cerealien. Letzteres kostete Hochdorf einen maximalen Kaufpreis von 248 Millionen Franken und machte eine Kapitalerhöhung notwendig.

Da der Erfolg bisher ausblieb, musste Hochdorf im Geschäftsjahr 2018 zwei Gewinnwarnungen publizieren. Der Aktienkurs hat sich innerhalb eines Jahres halbiert. (sda/rab/mim)