Detailhandel

Nach Looslis Coup: Coop jetzt grösser als Migros

Kurz vor seinem Abgang holt Coop-Chef Hansueli Loosli zum letzten Schlag gegen Migros aus. Er übernimmt den internationalen Gastrogrosshänder Transgourmet vollständig. Coop gibt es damit definitiv auch in Moskau und sie ist jetzt grösser als Migros.

Drucken
Teilen

Irgendwann im nächsten Frühling ist Schluss. Dann hört Hansueli Loosli bei Coop als CEO auf und wird Verwaltungsrats-Präsident der Swisscom. Zum Abschluss seiner mehr als 10 Jahre dauerenden Herrschaft bei Coop, landet er den grossen Coup. Coop übernimmt von Partner Rewe dessen Anteile am gemeinsamen Gastrogrosshandels-Geschäft.

Eingefädelt hat Loosli den Deal bereits 2005. Damals formierte er zusammen mit dem deutschen Detailhandelsriesen die Transgourmet. Rewe brachte die Schweizer Howeg, Prodega und verschiedene Töchter im Ausland in die Partnerschaft ein, Coop den Gastrodienst von Bell.

Schwarze Zahlen

Das Jointventure ist heute ein 8 Milliarden Franken grosses Geschäft. Aktiv ist die Firma in Frankreich, Deutschland, Polen, Rumänien und Russland. Alle Niederlassung schreiben gemäss Loosli schwarze Zahlen.

Der Coop-Chef hat mit Transgourmet grosses vor. «Das ist ein Wachstumsmarkt», sagt er. Allein zwischen 2008 und 2009 hat sich der Umsatz von 3 auf 8 Milliarden vervielfacht.

Nicht allzu viel bezahlt

Tatsächlich: Während Konkurrenz Migros den internationalen Zug total verschlafen hat, gibt Loosli im Ausland jetzt Gas. Und überholt beim Umsatz den Konkurrenten. Coop hat 2009 mit 52000 Mitarbeitern 18,7 Milliarden Franken Umsatz gemacht. Jetzt kommen 8 Milliarden und 21000 Angestellte dazu. Das macht die Coop zur Nummer eins der Schweizer Detailhändler. Migros Umsatz beträgt 21,5 Milliarden Franken. Für Loosli geht damit wohl auch ein langgehegter Wunschtraum in Erfüllung.

Zum Übernahmepreis äussert sich Coop nicht. Allzuviel wird der Schweizer Detailhändler nicht bezahlt haben, denn Rewe steigt aus einem Vertrag aus, der noch bis 2016 gelaufen wäre. Die Deutschen setzten in Zukunft auf Hartdiscount und Tourismus. «Wir werden das aus dem laufenden Cashflow bezahlen können», sagt Loosli im Video-Interview mit az.

Zusammenarbeit mit Rewe geht weiter

Die Zusammenarbeit mit Rewe geht damit nicht zu Ende. Rewe werde in Deutschland auch künftig und längerfristig für die Warenbelieferung und die Zentralregulierung von Transgourmet zuständig bleiben. Zudem bleibt das Rewe-Vorstandsmitglied Josef Sanktjohanser im Verwaltungsrat von Transgourmet.

Einen Strich durchs Looslis Rechnung machen können jetzt nur noch die Wettbewerbshüter in den betroffenen europäischen Staaten. (rsn)