APK
Nach Milliardentaucher leichtes Plus

Die Aargauische Pensionskasse hat das schwierigste Jahr seit ihrem Bestehen hinter sich: Frisch ausfinanziert, machte sie im für alle Anleger schwarzen 2008 Buchverluste von über 1 Milliarde Franken. Aus heutiger Sicht sind Sanierungsmassnahmen nicht nötig.

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Susanne Jäger

Susanne Jäger

Aargauer Zeitung

Mathias Küng

Die Folgen der Finanzkrise schlagen sich auch in den Büchern der Aargauischen Pensionskasse (APK) heftig nieder. Für 2008 muss sie eine Negativ-Performance von 16 Prozent beklagen, der Verlust auf den Vermögensanlagen betrug 1,264 Milliarden Franken, der Deckungsgrad sank auf 92,9 Prozent. Dies sagten Martin Sacher, Präsident des Vorstandes der APK, sowie Geschäftsführerin Susanne Jäger gestern in Aarau an einer Medienorientierung über das Geschäftsjahr 2008. Sanierungsmassnahmen sind deshalb aber (noch) nicht nötig. Solche schreibt das Gesetz ab einem Deckungsgrad unter 90 Prozent vor. Die Performance im laufenden Jahr beträgt im sehr fragilen Börsen-umfeld laut Sacher bisher rund 2,5 Prozent. Das erhöht den Deckungsgrad faktisch auf derzeit knapp 94 Prozent.

Das Anlagevermögen aller Pensionskassen ist breit angelegt, um das Risiko zu verteilen. Doch 2008 waren zu viele Teilmärkte negativ. Am meisten drückten bei der APK - nicht erstaunlich - ausländische Aktien (-44,5 Prozent) und Schweizer Aktien (-39 Prozent) sowie Hedge-Fund-Aktien Long/Short (-44 Prozent) auf den Ertrag. Besser schnitt das Währungsmanagement ab (+6 Prozent).

Mit dem bedrückenden gesamthaften Minus von 16 Prozent steht die APK aber immer noch leicht besser da als die Benchmarkrendite von minus 17,6 Prozent. Besser als die APK schnitt etwa die Basellandschaftliche Pensionskasse ab (-14,8), schlechter die Pensionskasse der Stadt Zürich (-18), die AHV (-18,2), deutlich schlechter die Comunitas (-21,5). Nimmt man hingegen das Resultat der Swisscanto-Studie mit hauptsächlich privatrechtlichen Pensionskassen, so liegt dort der Durchschnitt bei -13 Prozent.

Anlagestrategie angepasst

Die starken Kursverluste auf den Aktien führten bei der APK zu einem tieferen Aktienanteil. Statt in Aktien wurde das Vermögen vermehrt liquid gehalten oder wenig riskant als Darlehen an Gemeinden vergeben. Im Herbst 2008 überprüfte die APK ihre Anlagestrategie und reduzierte laut Sacher die Risiken leicht. Sie zog sich völlig von Hedge-Fund-Aktien Long/Short zurück, in denen rund 4 Prozent des Anlagevermögens steckten.

Die Wertschwankungsreserve von 15 Prozent, die das Kantonsparlament der APK bei der Ausfinanzierung per 1. Januar 2008 mitgegeben hatte, reichte laut Sacher nicht aus, um die massiven Kurseinbrüche aufzufangen. Es handle sich aber «nur» um Buchverluste. Die APK habe keine Liquiditätsengpässe und sei deshalb nicht gezwungen, die Verluste durch einen Verkauf der Aktien zu realisieren. Dies auch, weil die APK eine relativ «junge» Kasse ist. Mit über drei Versicherten pro Rentner hat sie eine gesunde Struktur und einen langen Anlagehorizont. Sacher: «Aus heutiger Sicht kann sie die Unterdeckung ohne Sanierungsbeiträge von Arbeitgebern und Versicherten beheben.»

Tiefe Verzinsung für 2009

Um den Deckungsgrad wieder zu erhöhen, ist für 2009 für die Aktiven bereits eine tiefe Kapital-Verzinsung von 1,25 Prozent festgelegt worden. Sofern es gelingt, in den nächsten fünf Jahren eine «normale» Durchschnittsperformance von 4,3 Prozent zu erwirtschaften, sollte auf diese Weise der Deckungsgrad wieder auf 100 Prozent klettern.

Für 2009 hat man sich laut Jäger eine «Konsolidierung in jeder Hinsicht» zum Ziel gesetzt. Etwa den Trend zur wieder leicht steigenden Zahl von Versicherten zu stärken - nachdem die APK auf den Zeitpunkt der Ausfinanzierung hin rund fünf Prozent der Versicherten verloren hatte. Zur vor Bundesverwaltungsgericht angestrengten Beschwerde von Zofingen und einiger anderer Arbeitgeber (die die APK per Ende 2007 verlassen hatten) gegen das Teilliquidationsreglement der APK konnten Sacher und Jäger unter Verweis auf das hängige Verfahren gestern nichts sagen. Nur so viel: Allen ausgetretenen Versicherten und Rentnern sei «das hundertprozentige Vorsorgekapital sofort überwiesen» worden.

In jeder Hinsicht aussergewöhnlich

2008 war in jeder Hinsicht aussergewöhnlich. So wurde die Kasse per 1. Januar vom Kanton und den 185 angeschlossenen Arbeitgebern mit 0,634 Milliarden Franken ausfinanziert und mit einer Wertschwankungsreserve von 1,011 Milliarden Franken ausgestattet. Gleichzeitig erfolgte der Wechsel vom Leistungs- zum Beitragsprimat. Doch für ihr 100-Jahr-Jubiläum, das 2008 zu feiern war, hätte sich die APK gewiss ein besseres Umfeld gewünscht.