Tourismus
Nach Minarett-Verbot: Schweizer Touristen haben Angst

Das Ja zum Minarett-Verbot wirft erste Schatten: Schweizer Touristen fürchten sich vor Übergriffen in muslimischen Ländern. Kuoni rät, im Ausland nicht mit Schweizer T-Shirts und Fahnen aufzufallen. Zudem schliesst die Bankiervereinigung Folgen für den Finanzplatz nicht aus.

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Pyramiden von Gizeh

Pyramiden von Gizeh

Keystone

Vasilije mMustur

Fünf Tage sind seit dem Ja zur Anti-Minarett-Initiative der SVP vergangen. Jetzt macht sich bei einigen Schweizer Touristen allmählich Angst vor Retorsionsmassnahmen breit. «Wir haben seit dem Abstimmungsresultat vier Annullationen von Kunden erhalten, die Sicherheitsbedenken hatten, nach Ägypten zu reisen», bestätigt Kuoni-Pressechef Peter Brun. Allerdings handle es sich in Anbetracht der Quantität an Buchungen um Einzelfälle. Dennoch rät Kuoni seinen Kunden, «kurzfristig nicht unnötig mit Schweizer T-Shirts oder gar mit Fahnen vor Ort aufzufallen».

Auch die Hotelkette Mövenpick spürt erste Nachwirkungen des Abstimmungssonntags. Zwar verzeichnet Mövenpick keine Stornierungen, dennoch spricht die Hotelkette von «vereinzelten Kundenanfragen bezüglich der Sicherheit vor Ort in den Hotels», sagt Mövenpick-Pressechefin Nicole Weber auf Anfrage. Konkret wollte ein Gast wissen, ob Mövenpick die Sicherheit im Hotel in Ägypten gewährleisten könne.

Mövenpick ist vor allem im arabischen Raum stark vertreten und hat in Ägypten zwölf, in Saudi-Arabien acht, in Jordanien fünf, in den Vereinigten Arabischen Emiraten vier, in der Türkei zwei und im Jemen sowie Tunesien je ein Ressort. Dabei wirbt die Kette seit Jahren mit dem Slogan «True Swiss Hospitality». 2008 wurde dieser Wahlspruch auf «Passionately Swiss» abgeändert. Die Hotelkette sieht keinen Grund, ihr Sicherheitsdispositiv oder den Slogan zu ändern. «Wir sind ein Schweizer Unternehmen und haben Schweizer Wurzeln. Zudem operieren wir mit unseren normalen Sicherheitsdispositiven weiter. Diese werden je nach Land und nach Lage regelmässig überprüft und gegebenenfalls angepasst».

Auch der Industriekonzern ABB ist über die möglichen wirtschaftlichen Folgen der Abstimmung in Sorge. «Wir haben in den muslimisch geprägten Regionen bislang keine Vorkommnisse oder Drohungen gegenüber unseren Mitarbeitern oder Fabriken registriert. Dennoch beobachten wir die Lage aufmerksam. Wir haben unsere Mitarbeiter gebeten, uns über die Lage vor Ort auf dem Laufenden zu halten», sagt ABB-Pressesprecher Wolfram Eberhardt. Ausserdem würden ABB-Manager vor Ort wie üblich mit den zuständigen Behörden das Gespräch suchen.

Bankier warnt vor Abflüssen

Derweil droht dem Finanzplatz Schweiz Ungemach. Laut einer Statistik der Schweizerischen Nationalbank liegen derzeit 50 Milliarden Franken an Forderungen und Guthaben auf Schweizer Bankkonti. Spitzenreiter sind Kunden aus Saudi-Arabien mit 15 Milliarden Franken. Nun befürchtet Urs Roth, Geschäftsführer der Schweizerischen Bankiervereinigung, dass gewisse muslimische Kunden Schweizer Banken oder dem Finanzplatz den Rücken kehren könnten. Darüber hinaus nahm der Dachverband der Banker zum Abstimmungsergebnis Stellung. «Wir sind enttäuscht über den Ausgang der Abstimmung. Wir hoffen jedoch, dass die Kunden aus dem muslimischen Raum differenzieren können», sagt Pressesprecher Thomas Sutter auf Anfrage. Sutter geht davon aus, dass Schweizer Banken nun das Gespräch mit den betroffenen Bankkunden suchen werden. Die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse wollten die Aussagen der Bankiervereinigung nicht weiter kommentieren.

Touristen könnten ausbleiben

Hotellerie Suisse ist von den Reaktionen aus der islamischen Welt nicht überrascht - im Gegenteil. Während des Abstimmungskampfes stiessen den Hoteliers vor allem die Plakate der Befürworter sauer auf. «Diese stellten ein Symbol des Islam auf unpassende und liederliche Art und Weise in ein negatives Licht. Diese Botschaft an unsere arabischen Gäste war unmissverständlich, verletzend und schadet unserem Ruf», sagt Pressesprecherin Susanne Daxelhoffer. Deshalb befürchtet Daxelhoffer, dass die Touristen aus dieser Region in den nächsten Monaten ausbleiben werden.

Dies könnte den Wirtschaftsstandort empfindlich beschädigen. 2008 generierte dieser Markt 403590 Logiernächte. Im Vergleich zu 2007 ist das ein Plus von 15,3 Prozent. Dabei waren Zürich, Genf, das Berner Oberland und das Wallis beliebte Destinationen. «Wer aus einem arabischen Land in die Schweiz reist, kommt fast sicher aus den Golfstaaten. Gleichzeitig weisen die Gäste aus den Golfstaaten mit Tagesausgaben von 500 Franken eine überdurchschnittlich hohe Kaufkraft aus, so Daxelhoffer.