NACHFOLGE DES WEF-GRÜNDERS: Wie der Vater, so der Sohn?

Olivier Schwab könnte dereinst in die Fussstapfen seines Vaters, WEF-Gründer Klaus Schwab, treten. Das nötige Rüstzeug dazu holte sich der 43-Jährige in China.

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Obwohl Olivier Schwab ebenfalls beim WEF arbeitet, ist er in der Öffentlichkeit bisher weitgehend unbekannt. (Bild: Keystone (Davos, 22. Januar 2013))

Obwohl Olivier Schwab ebenfalls beim WEF arbeitet, ist er in der Öffentlichkeit bisher weitgehend unbekannt. (Bild: Keystone (Davos, 22. Januar 2013))

Seit einigen Jahren wird Klaus Schwab, Gründer des Weltwirtschaftsforums (WEF) und inzwischen 79 Jahre alt, nach seiner Zukunft und der seines Lebenswerks gefragt. Wie sieht Ihre Nachfolgeplanung aus? Wer wird das Forum dereinst leiten und repräsentieren? Als mögliche Nachfolger wurden schon Bill Clinton und Kofi Annan gehandelt. Ein Name, der bisher jedoch weniger häufig gefallen ist, als dies zu erwarten wäre, ist der von Olivier M. Schwab (43) – Sohn des rüstigen WEF-Paten.

Obwohl Olivier Schwab ebenfalls beim WEF arbeitet, ist er in der Öffentlichkeit bisher weitgehend unbekannt. Dies dürfte damit zusammenhängen, dass er die letzten Jahre fernab der Heimat tätig war: Von 2011 bis 2015 hat Schwab das WEF-Büro in China geleitet und von Peking aus das Sommer-Forum organisiert. Seit dem letzten September ist er wieder in der Schweiz: Am WEF-Hauptstandort in Genf ist der gebürtige Davoser zuständig für die Beziehungen zur Geschäftswelt. Das WEF arbeitet mit rund 1000 Firmen und Partnern weltweit zusammen. Ausserdem kümmert sich Olivier Schwab um den Bereich des Forums, der Start-ups unterstützt, die sich mit nachhaltigen Technologien beschäftigen.

Seit mittlerweile sieben Jahren arbeitet der Sohn in der Organisation seines Vaters. Dieser hatte anfänglich Bedenken, was die Anstellung anging – er fürchtete den Vorwurf der Vetternwirtschaft. Dass es ein Vorteil sein kann, Schwab zu heissen, gibt Olivier unumwunden zu. In der chinesischen (Wirtschafts-)Kultur etwa könne es helfen. Um sogleich den Eindruck von Arroganz zu zerstreuen: Er sei nur einer von vielen Managern in China, sagte er vor vier Jahren dem Wirtschaftsmagazin «Bilanz». Kollegen sowie altgediente Manager attestieren ihm viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit Menschen und einen respektvollen Führungsstil.

Auf Vitamin B ist Olivier Schwab nicht angewiesen. Schon bevor der mit einer Chinesin verheiratete zweifache Familienvater zum WEF kam, hat er eine beeindruckende Karriere hingelegt – sowohl akademisch als auch im Beruf. Er besitzt je einen Ingenieur-Master der ETH Lausanne und des Massachusetts Institute of Technology (MIT). Und zwischen 2003 und 2009 arbeitete er beim Liftkonzern Schindler, unter anderem als rechte Hand von Präsident Alfred N. Schindler.

Klaus Schwab sagte bisher stets, vorerst sei ein Rücktritt für ihn kein Thema. Der «Bilanz» sagte er 2013 ausserdem: «Das Forum ist eine Stiftung, sie gehört also der Allgemeinheit und nicht der Familie.» Über seine Nachfolge wird also am Ende der Stiftungsrat und nicht er allein entscheiden. Seine Kinder seien zwar mit dem WEF «aufgewachsen und eng damit verbunden», so Schwab weiter. «Dennoch haben beide klar gesagt, sie würden nur einige wenige Jahre hier arbeiten und dann etwas Neues beginnen.» Olivier Schwab ist bisher noch nicht wieder abgesprungen.

 

Livio Brandenberg