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NACHFOLGE: Mission für perfekten Kaffee

Die beiden Schwestern Beatrice und Evelyne Rast wollen den Familienbetrieb Rast Kaffee übernehmen. Ein mutiger Schritt, der in die Zeit passt.
Bernard Marks
Die beiden künftigen Chefinnen tüfteln an der richtigen Mischung: Evelyne (rechts) und Beatrice Rast. (Bild Dominik Wunderli)

Die beiden künftigen Chefinnen tüfteln an der richtigen Mischung: Evelyne (rechts) und Beatrice Rast. (Bild Dominik Wunderli)

In der Luft liegt ein feiner Geruch von gerösteten Bohnen. Heiss dampfender Kaffee wird gereicht. Besonders mit Milch und ein wenig Zucker schmeckt dieser unglaublich süffig. Ein Nachgeschmack fast ein wenig wie Nougat. Ein Kaffee jedenfalls – ausserordentlich komplex und kräftig.

Kaffeekultur mit Nachholbedarf

«Kaffee ist wie ein guter Wein und lässt sich auch ähnlich beschreiben», sagt Beatrice Rast (31) beim Treffen im Traditionsunternehmen Rast Café in Ebikon. «Wer einmal einen perfekten Kaffee getrunken hat, vergisst das nicht so schnell», sagt Evelyne Rast (33).

Nicht nur darin sind sich die Schwestern einig. Es ist die Leidenschaft für das Getränk, die die beiden Schwestern verbindet. Doch der Weg bis zu einem perfekten Kaffee ist das Ergebnis einer Kette von Produktionsschritten. «Wenn am Ende ein kleiner Fehler gemacht wird, macht das alle Arbeitsschritte, die zuvor stattgefunden haben, zunichte», sagt Beatrice. Sie will zusammen mit ihrer Schwester dafür sorgen, dass sich das Bewusstsein für den Kaffee vor allem beim Endverbraucher ändert. «Denn was nützt es, wenn der Bauer in Südamerika viele Zeit und Mühe investiert, auch noch schlecht bezahlt wird und die Bohne anschliessend beim Verbraucher auch noch mit mangelndem Respekt behandelt wird?», fragt Beatrice Rast. «Die Schweizer Kaffeekultur ist zwar gut, aber es gibt noch viel Entwick­lungspotenzial», sagen die beiden Schwes­tern unisono.

Familiengedanken weiterführen

«Ein guter Kaffee fällt in der Schweiz immer noch positiv auf», sagt der Patron Markus Rast (64), der das Familienunternehmen zusammen mit seiner Frau Trudy in der dritten Generation führt. Entscheidend seien der Anbau der Bohne, die Röstung und die Zubereitung. Bei jedem Faktor spiele der Mensch die entscheidende Rolle. Kaffee, das ist sein Leben.

Denn wie kein Zweiter kennt sich Markus Rast in der Welt des Kaffees aus. Seine Philosophie: Jeder Röstkaffee wird erst nach der Bestellung durch den Kunden frisch geröstet, Lagerware erhält der Gastronom oder Detailhändler nicht. Zudem sind die Bohnen bis zur Parzelle, wo sie angebaut wurden, zurückverfolgbar. «Durch diese parzellenreine Aufbereitung der Kaffees einer bestimmten Plantage entsteht die Möglichkeit, die Einflüsse von Varietät, Terroir, Mikro­klima, Höhenlage und Aufbereitung zu erfahren», macht Rast klar. Nur so ist es möglich, diese sortenreinen und limitierten Kaffees mit besonderer Herkunft transparent zu präsentieren.

Dieser nachhaltige Gedanke im Umgang mit Kaffee macht Rast besonders. Kunden schätzen das. «Aber in der Schweiz kennt man heute oftmals nur die beiden verschiedene Sorten Arabica und Robusta», sagt Beatrice. Kaffee ist das Endprodukt einer Kette von Arbeitsschritten. Es gibt deshalb für das Team der Ebikoner Rösterei auf dem Schweizer Markt noch viel zu tun. Auch ein Grund, warum sich die zwei Schwestern Beatrice und Evelyne entschlossen haben, gemeinsam die Philosophie des Familienunternehmens in die Zukunft zu führen. Voraussichtlich Mitte 2015 treten sie die Nachfolge ihres Vaters Markus Rast an und übernehmen die Leitung des Familienbetriebs mit rund 15 Angestellten. «Wir wollen daran arbeiten, dass sich der Umgang mit dem Kaffee generell verbessert und der Produzent mehr Anteil an der Wertschöpfungskette bekommt», sagt Evelyne.

Im Betrieb gross geworden

Die beiden Schwestern sind bereits als Kinder mit dem Geruch von Kaffee aufgewachsen. «Wir haben gerne auf den Jutesäcken gespielt», erzählt Bea­trice aus ihren Erinnerungen. Ein Hauch der weiten Welt lag damals für die jungen Mädchen in der Luft. Nach der Lehre und einem Studium an der Hochschule für Wirtschaft an der Universität St. Gallen fühlt sich Bea­trice nun bereit, in die Fussstapfen ihres Vaters zu treten. «Es ist eine Herausforderung», sagt sie mutig. Auch Eve­lyne ist sich nach einem Abstecher in die Privatwirtschaft sicher, mit der neuen Aufgabe die richtige Wahl getroffen zu haben.

Von der Kollegin zur Chefin

Das Team der Rösterei Rast ist jung. «Die meisten unserer Mitarbeiter sind 30 Jahre alt», sagt Beatrice. Das Gefühl, die Firma zu übernehmen, ist für beide aus diesem Grund gewöhnungsbedürftig. «Denn auf einmal sind wir die Chefinnen unserer Kollegen», sagt Beatrice. Beide Schwestern sehen die Aufgabe auch als ihre Pflicht an. Die Führung des Familienbetriebs in fremde Hände geben zu müssen, das kam für beide nicht in Frage.

Markus Rast begegnet in diesem Wissen seinen Töchtern mit grossem Respekt. «In der heutigen Zeit ist es normal, dass Frauen die Geschäfte von Unternehmen leiten», sagt er. Er hat deshalb dafür gesorgt, dass seine Töchter viel Zeit haben, um in ihre neuen Aufgaben als Leiterinnen des Familienbetriebs hineinwachsen zu können. «Entweder es klappt, oder es klappt nicht», sagt er. Und wenn er sich im Jahr2015 aus dem operativen Geschäft zurückziehen wird, steht er seinen Töchtern natürlich immer noch mit Rat und Tat zur Seite. Eigentlich kann bei dem Projekt «Generationenwechsel bei Rast Kaffee» schon gar nicht mehr viel schiefgehen.

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