Nachruf
Ex-Post-Präsident Anton Menth ist gestorben

Er war Physiker, ABB-Manager, Tornos-Lenker und Post-Präsident: Am 1. Juli ist Anton Menth im Alter von 81 Jahren gestorben.

Florence Vuichard
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Anton Menth war der zweite Verwaltungsratspräsident der Post.

Anton Menth war der zweite Verwaltungsratspräsident der Post.

Yoshiko Kusano / KEYSTONE

Anton Menth zeigte sich selbst etwas überrascht, als er im März 2002 vom Bundesrat aus einem Heer von rund 30 Bewerbern und Bewerberinnen zum Präsidenten der Post gewählt wurde. Er, der Branchenfremde, der Physiker und Maschinenindustrielle, sollte auf den Logistiker und langjährigen Panalpina-Lenker Gerhard Fischer folgen. Doch der 63-Jährige hatte offensichtlich die Qualitäten, die der damalige Post-Minister Moritz Leuenberger suchte: Menth bringe als erprobter Firmenleiter und Restrukturierer optimale Voraussetzungen mit, sagte dieser damals.

Es gab in der Tat viel Reformbedarf bei der Post, die 1998 - gemeinsam mit der Swisscom - aus der Aufspaltung der PTT hervorgegangen war. «Wir trauern um einen Mann, der die Weiterentwicklung der Post als Präsident von 2002 bis 2009 massgeblich geprägt hat», heisst es denn auch beim Staatskonzern. «Wir sind tief traurig über den Tod von Anton Menth und sprechen den Angehörigen unser Beileid aus.»

Menth war nach Fischer erst der zweite Präsident der Post, und er blieb während seiner Amtszeit meist im Hintergrund. Die Bühne überliess er Konzernchef Ulrich Gygi, seinem wichtigsten Mitstreiter im Post-Universum: «Ich habe Toni Menth sehr geschätzt», sagt dieser heute. «Unsere Zusammenarbeit war professionell, er hat mir Freiraum gelassen und gleichzeitig eng mit der internen Revision die Konzernleitung überwacht.»

Die beiden haben dann die Post 2009 gleichzeitig verlassen. Menth hatte die für Bundesbetriebe gesetzte Alterlimite von 70 Jahren erreicht und musste abtreten - und das Präsidium an Claude Béglé weitergeben. Gygi wiederum wurde SBB-Präsident.

Von BBC über Oerlikon zu Tornos

Ein Jahr vor seiner Wahl zum Post-Präsidenten, im März 2001, brachte Anton Menth den bernischen Drehautomaten-Hersteller Tornos mit Sitz in Moutier an die Börse. 1995 hatte er das Zepter beim dauerkriselnden Werkzeugmaschinenbauer als Konzernchef übernommen, in der Folge das Unternehmen restrukturiert - und es zurück in die Gewinnzone geführt.

Doch die Ruhe währte nicht lange, die Wirtschaftslage verschlechterte sich in Folge der Terroranschläge von New York massiv, Aufträge wurden storniert, Arbeitsplätze abgebaut. Der Aktienkurs des Unternehmens fiel ins Bodenlose - und Menth musste auch viel Kritik einstecken. Und viele erinnerten sich dann nur zu gerne an die gross angelegte Inseratkampagne zum Börsengang, in der sich Menth mit viel zu kurzen Hosen und einer viel zu engen Jacke präsentierte und um «ein Kapitalkleid, das zu unserem Wachstum passt» bat. «Nun steht das Unternehmen wirklich mit abgeschnittenen Hosen da», hielt die NZZ im Sommer 2002 fest.

Der Physiker

Aufgewachsen ist Menth in Solothurn, wo er auch die Schulen besuchte. Nach einem Physikstudium promovierte 1967 an der ETH Zürich, ging für einen Forschungsaufenthalt in die USA in die Bell Laboratories, wie die ehemalige Forschungsabteilung der Telefongesellschaft AT&T hiess, bevor er ans Forschungszentrum des ABB-Vorläufers Brown Boveri & Cie (BBC) wechselte, wo er die Karrierenleiter bis zum Chef des Geschäftsbereichs Industrieanlagen aufstieg.

Danach wechselte er zur Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon, wo er die Konzerngruppe Wehrtechnik leitete - und arbeitete parallel dazu teilweise auch als Professor für Physik an der ETH Zürich und als Direktor des Paul Scherrer Instituts in Würenlingen (AG).

Am 1. Juli ist Anton Menth nach «längerer Krankheit» im Alter von 81 Jahren gestorben, wie es aus der Todesanzeige seiner Familie hervorgeht.

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