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NAHRUNGSMITTEL: Investor schreckt Nestlé auf

Der berühmt-berüchtigte New Yorker Hedge-Fonds-Manager Daniel Loeb steigt beim Nahrungsmittelkonzern ein – und fordert mehr Rendite.
Daniel Zulauf
Der US-Investor Daniel Loeb während einer Konferenz in Las Vegas. (Bild: David Paul Morris/Bloomberg (Las Vegas, 18. Mai 2017))

Der US-Investor Daniel Loeb während einer Konferenz in Las Vegas. (Bild: David Paul Morris/Bloomberg (Las Vegas, 18. Mai 2017))

Daniel Zulauf

daniel.zulauf@luzernerzeitung.ch

Der amerikanische Hedge-Fonds-Manager Daniel Loeb hat sich am Sonntagabend als neuer Nestlé-Grossaktionär angekündigt. Rund 40 Millionen Aktien im Wert von mehr als 3,5 Milliarden Dollar habe er mit seinem Investmentfonds Third Point und einem eigens geschaffenen Anlagevehikel in den Schweizer Lebensmittelriesen investiert. Die Firma verfüge über eine «exzellente» Stellung in den stark wachsenden Schwellenländern, und sie besitze das «wohl am besten positionierte Geschäftsportefeuille» in der Konsumgüterindustrie, heisst es in einer Mitteilung.

Doch Loebs Motiv, seine bislang grösste Wette auf ein einzelnes Unternehmen einzugehen, ist weniger das, was bei Nestlé schon heute gut aussieht. Angezogen fühlt sich der Investor vielmehr von dem, was der Multi noch verbessern könnte. Das Communiqué liest sich wie eine Handelsanleitung an das neue Nestlé-Führungsduo unter dem Präsidenten Paul Bulcke und dem CEO Ulf Mark Schneider. Es gäbe nur wenige Unternehmen vom Kaliber einer Nestlé mit so vielen Möglichkeiten, die Leistung zu steigern, liest man. Wenn Schneider Erfolg haben wolle, müsse er einen Aktionsplan entwickeln, der auf eine Veränderung der Kultur der schrittchenweisen Entwicklung abziele. Mit dieser Strategie habe der Konzern zwar die weltweite Marktführerschaft errungen, aber sie sei auch verantwortlich dafür, dass die Firma seit längerem nur unterdurchschnittliche Leistungen zeige.

Loeb fordert Verkauf von L’Oréal-Anteil

Der Investor schaut primär auf den Aktienkurs und findet, dass die Nestlé-Valoren hinter den Aktien anderer Konsumgüterhersteller nachhinken. Tatsächlich stagniert Nestlé seit 2012 sowohl in puncto Gewinn als auch in puncto Umsatz. Loeb glaubt, dass sich das vom früheren Präsidenten Peter Brabeck 1996 ins Leben gerufene Nestlé-Modell mit einigen führungsmässigen «Kunstgriffen» wieder aktiveren lässt. Das Nestlé-Modell sieht eine Steigerung des organischen Wachstums um jährlich 5 bis 6 Prozent vor, bei gleichzeitig steigenden Gewinnmargen. Das Modell ist seit 2012 ausser Kraft. Ohne Wachstum seien längerfristig auch die hohen Dividendenzahlungen aus der Vergangenheit gefährdet, folgert Loeb zu Recht.

Ob seine Forderung nach einer Steigerung der Gewinnmargen von rund 15 Prozent auf 18 bis 20 Prozent vernünftig ist, steht freilich auf einem anderen Blatt. Nestlé müsse das eigene Markenportefeuille straffen und etwa doppelt so viel Geld wie bisher aus dem operativen Geschäft herauspressen. Es sei auch an der Zeit, die restlichen 23 Prozent am französischen Kosmetikhersteller L’Oréal (Marktwert: 27 Milliarden Franken) zu veräussern. Mit diesen Massnahmen könne Nestlé den Gewinn pro Aktie bis 2020 um 50 Prozent erhöhen. In Erwartung, dass Loeb mit seinen reichlich hochtrabend anmutenden Aussagen auf breite Gefolgschaft unter anderen Investoren stossen könnte, haben gestern ­sowohl die Nestlé- als auch die L’Oréal-Aktien um mehr als 4 Prozent zugelegt.

Zwei Monate nach dem Ende der Ära Brabeck und sechs Monate nach Schneiders Ernennung zum ersten CEO, der nicht aus den eigenen Reihen stammt, scheint der Zeitpunkt für einen Angriff auf die Nestlé-Führung ideal. Loeb hat sein resolutes Vorgehen schon in vielen Firmen vordemonstriert und nicht selten auch Änderungen erzwungen. Der Investor steht selber unter Erfolgsdruck. 2016 konnte er mit seinem Fonds eine Rendite von lediglich etwas über 6 Prozent ausweisen – halb soviel wie der allgemeine Kursanstieg am amerikanischen Aktienmarkt. Mit 1,25 Prozent ist Loeb zudem auch bei Nestlé noch ein kleiner Grossaktionär. Er muss die Wette wohl noch deutlich erhöhen, um die Konzernführung auf seinen radikalen Kurs zu zwingen.

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