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NATIONALBANK: Der Segen des Frankens

Wenn die SNB auf einen Rekordgewinn zusteuert, ist das für fast alle eine gute Nachricht – ausser vielleicht für die Nationalbank selbst.
Blick in ein Portemonnaie mit Geld. (Bild: Keystone)

Blick in ein Portemonnaie mit Geld. (Bild: Keystone)

Seit der Präsidentenwahl in Frankreich im Mai steigt der Franken die Treppe runter. Zuerst waren es nur niedrige Stufen, dann immer höhere. Im Vorfeld der heutigen Zinssitzung der Europäischen Zentralbank ging der Abstieg schneller voran.

Beinahe hätte die helvetische Valuta gestern die Marke von 1.17 pro Euro durchbrochen. Aber auch beim Kurs von 1.168 Franken ist unsere Währung im Vergleich zum Euro so billig wie nie mehr seit der Aufhebung des Mindestkurses im Januar 2015.

Schweizer Industrie spart auf Kosten der Zukunft

Der Dollar gewinnt ebenfalls an Boden und kratzt nach den zahlreichen Enttäuschungen über die ersten Erfahrungen mit der Wirtschaftspolitik der Trump-Administration wieder an der Parität. Selbst das britische Pfund tendiert nach der gestrigen Vorlage unerwartet guter Konjunkturdaten so stark zum Franken wie seit dem Brexit-Entscheid vom 23. Juni 2016 nicht mehr.

Das ist zunächst eine gute Nachricht für die Industrie, und zwar nicht nur für jene Betriebe, die direkt im Exportgeschäft tätig sind, wie eine am Montag vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) vorgestellte Studie der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) festhält.

Gemäss der Untersuchung hat sich die Beschäftigtenzahl in einem durchschnittlichen Schweizer Industrieunternehmen in den Jahren 2015 und 2016 als Folge des Frankenschocks um 4 Prozent vermindert. Dabei leiden auch inlandorientierte Industriefirmen – weil sie durch die günstigere Auslandkonkurrenz stärker unter Druck geraten, wie das KOF vermutet. Und die Schweizer Industrie spart auf Kosten der Zukunft, ­indem sie ihre Budgets für Forschung und Entwicklung beschneidet und Investitionsprogramme streicht.

Geschäftsklimaindex erreicht Rekordstand

Die Gegenbewegung an der Wechselkursfront kommt also keinen Moment zu früh. Und es ist gut möglich, dass sie noch ­einige Zeit fortdauern wird. In der EU kommt die Konjunktur ­immer besser in Fahrt und in Deutschland brummt sie so sehr, dass der Ifo-Geschäftsklimaindex gestern einen Rekordstand erreicht hat.

Milliardengewinn für die Nationalbank

Die neue Stärke von Euro und Dollar hat im Herbstquartal auch der Nationalbank einen Rekordgewinn beschert. Dieser beläuft sich nach einer Schätzung von UBS-Ökonom Alessandro Bee auf 30 Milliarden bis 35 Milliarden Franken für die Monate Juli bis September. Ein gewaltiger Schub, nachdem im ersten Halbjahr ein Plus von bloss 1,2 Milliarden Franken herausgeschaut hatte. Würde die Nationalbank ihre Jahresbilanz per Ende September abschliessen, käme in der sogenannten «Ausschüttungsreserve» ein Saldo von rund 50 Milliarden Franken zu Stande. Aus diesem Topf finanziert die SNB die Ausschüttungen an Bund und Kantone. Diese haben gemäss der im vergangenen Jahr geänderten Ausschüttungsvereinbarung im Prinzip 1 Milliarde zugut, wenn dafür genügend Geld in der Reserve vorhanden ist. Liegen mehr als 20 Milliarden Franken im Topf, wird eine zweite Milliarde ausgeschüttet.

Die Chancen, dass es heuer so weit kommt, sind ausgezeichnet. Mit einer Bilanzsumme von über 700 Milliarden Franken beläuft sich das jährliche durchschnittliche Gewinnpotenzial der Nationalbank auf mindestens 15 Milliarden Franken.

SNB kann Eigenkapital wieder aufstocken

Freuen kann sich die Nationalbank, dass sie mit den Gewinnen ihre im Zug der massiven Bilanzexpansion der vergangenen Jahre eher dünn gewordene Eigenkapitaldecke wieder stärken kann. Gleichzeitig aber wird sich das Noteninstitut auch einer fortgesetzten öffentlichen Diskussion um die Verwendung der ­Gewinne in der Ausschüttungsreserve stellen müssen.

Zu dieser Diskussion gehört auch der Staatsfonds, ein Thema, dass die SNB scheut wie der Teufel das Weihwasser – weil sie darin zu Recht oder nicht eine Bedrohung ihrer Hoheit über die eigene Bilanz wittert.

Daniel Zulauf

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