Explosive Information
Nationalbank gibt wegen Insiderhandel keine Vorinfo mehr zu Bankenbericht

Die Schweizerische Nationalbank verzichtet dieses Jahr auf Vorinformation zum Finanzstabilitätsbericht. Im vergangenen Jahr ist es zu Insidergeschäften gekommen.

Marc Fischer
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Jean-Pierre Danthine ist für die Publikation des Berichts zur Finanzstabilität als Vorsteher des II. Departements der Schweizerischen Nationalbank verantwortlich.

Jean-Pierre Danthine ist für die Publikation des Berichts zur Finanzstabilität als Vorsteher des II. Departements der Schweizerischen Nationalbank verantwortlich.

KEYSTONE

Mitte Juni wird die Schweizerische Nationalbank (SNB) wie jedes Jahr ihren Bericht zur Finanzstabilität des Schweizer Bankenplatzes publizieren. Dabei verzichtet aber auf eine Vorabinformation, wie sie in den vergangenen Jahren üblich war. Der Grund: «Offensichtlich war es im vergangenen Jahr zu einem Insiderhandel gekommen», so ein Pressesprecher auf Anfrage.

Bisher war es Usus gewesen, dass die SNB vor der Publikation in einem Kreis von Journalisten unter Einhaltung einer Sperrfrist die Resultate des Berichts besprach und ihnen damit die Möglichkeit einräumte, Fragen zu stellen und die Erkenntnisse der Zentralbanker richtig einzuordnen.

Der Bericht des vergangenen Jahres enthielt aber explosive Informationen: Die SNB hatte die Grossbank Credit Suisse gerügt, dass sie nicht schnell genug vorwärts mache beim Aufbau der Kapitalbasis. Dabei brauchten die Zentralbanker sogar das Schreckenswort Kapitalerhöhung – «ein Wort, das Banker gemeinhin selbst unter Androhung der Todesstrafe nicht in den Mund nehmen», wie das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» später schreiben sollte.

Was damit gemeint war, zeigte sich am Morgen des 14. Juni 1012 um 10 Uhr, als die Nachricht über die Newstickers der Agenturen verbreitete werden durfte. Der Aktienkurs der Credit Suisse rasselte innert kürzester Zeit 10 Prozent in den Keller. Und schon bald darauf machten in den Medien Meldungen die Runde, dass sich einzelne Anleger mit Optionen nach der Vorabinformation für Journalisten auf einen Kurssturz der Credit-Suisse-Aktie positioniert hatten.

So hatte der «Tages-Anzeiger» schon zwei Tage vor Ende der Sperrfrist geschrieben, dass in Insiderkreisen Put-Optionen auf Credit Suisse – damit setzt man auf fallende Kurse – gefragt gewesen seien. «Kommen bald Bad News von der Credit Suisse?», hiess es damals in der Kolumne «Inside Bahnhofstrasse». Nach dem Kurssturz der Credit-Suisse-Aktie war der Kurs der Option dann auch tatsächlich um 670 Prozent in die Höhe geschossen.

Die Börsenbetreiberin SIX untersucht solche Fälle im Normalfall im Routineverfahren. «Wenn es zu auffälligen Transaktionen kommt, liefern wir die Informationen an die zuständigen Strafuntersuchungsbehörden weiter», so ein SIX-Sprecher. Der Grund: Sogenannte Insider-Geschäfte, die kursensitive Informationen missbrauchen, sind strafbar.

Gut informierte Kreise vermuten , dass der Gewinn im vorliegenden Fall sich maximal im vierstelligen Bereich bewegt hatte. Wie die Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich auf Anfrage sagt, sei nie ein Verfahren eröffnet worden.