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NATIONALBANK: Jordan bleibt seiner Taktik treu

Bei einem Auftritt vor Kunden und Angestellten der Zuger Kantonalbank erklärte SNB-Präsident Thomas Jordan, warum es die Negativzinsen weiter braucht – und wo die grössten Risiken lauern.
Livio Brandenberg
SNB-Präsident Thomas Jordan in Zug. (Bild: PD (19. September 2017))

SNB-Präsident Thomas Jordan in Zug. (Bild: PD (19. September 2017))

Livio Brandenberg

Der Theatersaal des Casino Zug war bis auf ein paar wenige Sitze voll besetzt, als der Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Thomas Jordan, am Dienstagabend die Bühne betrat. Auf Einladung der Zuger Kantonalbank referierte Jordan vor rund 500 Unternehmern und Kantonalbank-Angestellten über die «Geldpolitik der SNB im aktuellen Umfeld». Dies im Rahmen der Anlassreihe «Unternehmer im Brennpunkt» für Firmenkunden der Zuger KB.

Zur Begrüssung Jordans blickte Pascal Niquille, CEO der Zuger Kantonalbank, kurz zurück. Es habe wohl kaum eine Institution gegeben, die weniger Anteil an der Finanzkrise gehabt habe, und dennoch habe die SNB in den letzten Jahren wie kaum ein anderer Akteur die Auswirkungen der Krise bekämpfen müssen. Seit ein paar Monaten zeige sich nun, dass dieser Kampf fruchte: «Es gibt Licht am Ende des Tunnels. Gerade in den letzten Wochen hat sich der Franken abgeschwächt», so Niquille. In der Tat: Just am Dienstagabend fiel die Schweizer Landeswährung auf den tiefsten Stand zum Euro seit der Aufhebung des Mindestkurses Mitte Januar 2015.

Den vollen Saal im Blick, scherzte Jordan zu Beginn seiner Rede, es freue ihn, dass sich so viele für die SNB und den Franken interessierten – und das an einem Ort, an dem wohl bald gar die Steuern mit Bitcoin bezahlt werden könnten. Nachfolgend legte der SNB-Präsident die vier Gründe dar, warum die Nationalbank weiter eine expansive Geldpolitik betreiben wolle: «Die Inflation ist immer noch tief, die Produktionskapazitäten in der Schweiz sind trotz moderater Erholung nicht voll ausgelastet, der Franken ist weiterhin hoch bewertet, und schliesslich ist die Zinsdifferenz zu Anlagen im Ausland gering.»

Die Schweizer Zinsen seien historisch tiefer gewesen als im Ausland, die Differenz sei in den letzten Jahren aber immer kleiner geworden und bleibe weiterhin eher gering, so Jordan. Was bei dieser Aufzählung auffiel: Der Währungshüter hielt an der neuen Sprachregelung der SNB fest und nannte den Franken nicht mehr «deutlich überbewertet», wie in den vergangenen zweieinhalb Jahren, sondern lediglich noch «weiterhin hoch bewertet». Umsetzen will die Nationalbank die aktuelle Geldpolitik weiterhin anhand der zwei bekannten Instrumente: Negativzinsen und Eingriffe am Devisenmarkt. «Unsere Zinsen müssen unter jenen der EU liegen, sonst fliesst zu viel Geld in die Schweiz», so Jordan. Dies würde die Attraktivität von Frankenanlagen im Vergleich zu solchen in Euro erhöhen und folglich den Franken stärken.

Ungleichgewicht am Wohnungsmarkt

Laut Jordan reicht der Negativzins am Devisenmarkt jedoch nicht aus, dort brauche es Interventionen. Dieses Instrument sei in den letzten Jahren intensiv eingesetzt worden. «Die Krisenbewältigung ist weitgehend über die Bilanzerweiterung der SNB erfolgt», bestätigte Jordan. Das sehe man an der Bilanzgrösse: Heute ist die Bilanz der SNB rund 700 Milliarden gross. Anfang 2008, zu Beginn der Finanzkrise, umfasste diese noch 117 Milliarden Franken.

Die SNB geht davon aus, dass die «Phase der moderaten Erholung» weitergeht – dank des weltweiten Aufschwungs. «Aber die Wirtschaft profitiert auch von unserer expansiven Geldpolitik», ist Jordan überzeugt. Nicht zufrieden seien die Unternehmen mit den Margen. Das habe sich in den Umfragen der regionalen SNB-Stellen gezeigt. «Allerdings hat sich die Margenlage laut der Einschätzung der befragten Firmen seit Ende 2015 stetig verbessert.»

Die Herausforderungen der Wirtschaft und der SNB sieht der Nationalbankchef bei den international tief bleibenden Zinsen. Als einzige Nationalbank hat die US-Notenbank Fed den Leitzins im letzten halben Jahr zaghaft angehoben und möchte nun laut verschiedenen Berichten beginnen, ihre Bilanz langsam zu verkleinern. Dies komme für die SNB vorläufig nicht in Frage. Man werde, sofern nötig, auch künftig am Markt eingreifen.

Als zweite Hauptherausforderung bezeichnete Jordan das noch immer grosse «Ungleichgewicht am Immobilienmarkt». «Die Preise, vor allem bei den Wohnrenditeliegenschaften, sind deutlich angestiegen, weil Anleger etwa Alternativen zu Anleihen suchen.» Man sehe eine rege Bautätigkeit, «und hier besteht ein Risiko. Denn die Leerbestände nehmen zu, und das könnte dazu führen, dass die Preise unter Druck geraten.»

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