NATURSTEINE: Steinbranche ist unter Druck

Schweizer Verarbeiter von Natursteinen spüren den Preisdruck aus dem Ausland. Den Händlern geht es nicht viel besser.

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Die Schweizer Natursteinbranche spürt die Konkurrenz aus dem Ausland. Im Bild: Im Steinbruch in Vals werden Blöcke Valser Quarzit für den Bundeshausplatz in Bern verarbeitet. (Bild: Keystone/Arno Balzarini)

Die Schweizer Natursteinbranche spürt die Konkurrenz aus dem Ausland. Im Bild: Im Steinbruch in Vals werden Blöcke Valser Quarzit für den Bundeshausplatz in Bern verarbeitet. (Bild: Keystone/Arno Balzarini)

Maurizio Minetti

Naturstein war neben dem Holz das erste Material, das der Mensch für sich nutzbar machte. Und auch heute noch sind Granit, Marmor und Sandstein beliebt, wenn es darum geht, Küchen oder Badezimmer zu gestalten oder den Garten zu verschönern. Granit aus dem Maggiatal, Valser Quarzit aus Graubünden oder Rorschacher Sandstein – die Schweiz ist ziemlich Naturstein-reich.

Foro AG muss aufgeben

Und doch befindet sich die Branche, die vom Absatz von Natursteinen lebt, unter Druck. Vor allem den Produzenten ging es zuletzt an den Kragen. Zentralschweizer Branchenvertreter erinnern sich an die Konkurse der Dalla Bona AG in Kriens oder der Sicher Natursteine AG in Gurtnellen vor wenigen Jahren.

Nun musste ein weiterer traditionsreicher Produzent aus der Region aufgeben: Die Foro AG aus Menzingen befindet sich in Liquidation, wie das Zuger Handelsregister- und Konkursamt auf Anfrage bestätigt. Der Hünenberger Bauberater Ralph Losi wurde vom Inhaber der Foro AG damit beauftragt, die Liquidation der Foro AG abzuwickeln.

Eine Rettung der Firma ist nicht in Sicht. Noch vor kurzem beschäftigte die 1982 gegründete Firma 35 Angestellte, wie der Website zu entnehmen ist. Die Belegschaft ist zuletzt aber stark geschrumpft: «Der Konkurs der Foro AG betrifft zwölf Mitarbeiter. Sieben haben mittlerweile aber eine neue Anstellung gefunden», sagt Losi.

Martin Müller ist vom Konkurs der Foro AG nicht überrascht. Müller sitzt im Vorstand des Schweizer Naturstein-Verbands und kennt sich in der Branche aus. Er ist Inhaber und Geschäftsführer der Zuger Breitenstein AG, die Natursteine verarbeitet, produziert und damit handelt. «Es gibt einen starken Preisdruck bei den Produzenten, die mit Waren konkurrenziert werden, die im Ausland produziert werden», sagt Müller.

Preise halbiert

Zum Kerngeschäft vieler Hersteller wie der Foro AG oder auch seiner Breitenstein AG gehört die Produktion von Küchenabdeckplatten. In grenz­nahen Gegenden würden Schweizer Küchenhersteller jedoch zunehmend fertig produzierte Küchenabdeckplatten – in der Regel aus Granit – aus dem Ausland beziehen. Auch einige Schweizer Natursteinbetriebe produzieren inzwischen im Ausland. «Wer Steine in Polen oder Serbien verarbeiten lässt, kann natürlich in der Schweiz viel günstigere Preise anbieten», sagt Müller.

Im Naturstein-Fassadenbau sei es so, dass die Konkurrenz aus dem nahen Ausland direkt in der Schweiz aktiv sei, was den lokalen Dienstleistern, die Schweizer Löhne bezahlen müssen, das Leben schwer mache, sagt Müller: «Die meisten grösseren Fassadenaufträge werden mittlerweile von ausländischen Anbietern ausgeführt, in einigen Fällen haben sich diese aber eine Schweizer Adresse organisiert, um als Schweizer Anbieter aufzutreten.»

Konkurrenzkampf im Handel

Wie fast alle Schweizer Produktionsbetriebe sind auch Naturstein-Hersteller vom starken Franken betroffen. Zwar können sie Rohmaterialien aus dem Ausland günstiger beziehen, die tieferen Preise geben sie aber in der Regel weiter – einfach deshalb, weil die Konkurrenz zu gross ist, um höhere Preise durchzusetzen. Die Preise für Natursteine haben sich laut Kennern im Vergleich zu den Neunzigerjahren zum Teil halbiert. Dadurch schwindet der Umsatz und letztlich der Gewinn. Während sich die Preise im Sinkflug befinden, sind die Löhne in der Schweiz in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen.

Schätzungsweise gibt es in der Schweiz hundert bis hundertfünfzig Betriebe, die entweder mit Natursteinen handeln oder diese produzieren. Während es immer weniger Hersteller gibt, herrscht im Handel ein Verdrängungskampf. Dies bestätigen auch andere Branchenkenner: «Der Kuchen bleibt immer gleich gross – nur die Stücke werden kleiner», sagt das Geschäftsleitungsmitglied eines Luzerner Steinhändlers. Hinzu kommt, dass Generalunternehmen vermehrt über Online-Plattformen wie Olmero.ch ihre Projekte ausschreiben und dann den günstigsten Anbieter auswählen. Für ausführende Unternehmen gibt es so kaum Möglichkeiten, sich zu differenzieren. «Die Generalunternehmer schauen nur noch auf den Preis. Das Einheimische spielt kaum mehr eine Rolle», sagt ein Brancheninsider.

Modetrends geben Richtung vor

Ralph Losi bestätigt den Befund. Der Boom solcher Ausschreibungsplattformen führe dazu, dass es für Firmen immer schwieriger werde, eine Stammkundschaft zu pflegen. Früher befand sich die Kundschaft im engeren Umkreis von einigen Kilometern, heute seien die Grenzen fliessend. Wegen des Margendrucks seien die meisten Unternehmen gezwungen, ihren Aktionsradius zu vergrössern, erklärt Losi weiter. So gesehen hätten solche Plattformen, aber auch Social-Media-Kanäle und Internet-Werbung auch ihre gute Seite: «Wer diese Instrumente richtig einsetzt, kann neue Kunden akquirieren.»

Der Preis spielt im umkämpften Markt eine Schlüsselrolle, doch ebenso entscheidend ist, welche Farben die Kunden etwa für ihre Küchenabdeckungen wünschen. Die Meinungen, was zurzeit gerade «en vogue» ist, gehen auseinander. Aus der Schweiz stammen zwar zahlreiche Natursteine wie Quarzit, Sandstein oder Gneis – diese sind in der Regel aber grau oder grün. Einige Branchenkenner sagen, Natursteine in Warmtönen gebe es nur im Ausland. Bei Küchenabdeckungen ist derzeit schwarzer Granit sehr beliebt – und den gibt es in der Schweiz nicht.