Produktion
Nestlé schliesst Fabrik in Egerkingen und verlegt Produktion ins Ausland – 190 Stellen bedroht

Nestlé will die Produktion von Hautpflegeprodukten ins Ausland verlegen. Die produzierten Mengen seien zu tief, so die Begründung. Die einstige Spirig-Fabrik in Egerkingen SO wird deshalb geschlossen. 190 Mitarbeitenden droht die Kündigung.

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Eines der bekanntesten Produkte aus Egerkingen: Der Daylong-Sonnenschutz.

Eines der bekanntesten Produkte aus Egerkingen: Der Daylong-Sonnenschutz.

Schweiz am Wochenende

Mit der Schliessung verliert der Kanton Solothurn einen Teil stolzer Firmengeschichte. Die weltweit tätige Nestlé-Tochter Galderma mit Sitz in Lausanne hatte auf Anfang 2013 das traditionsreiche Solothurner Pharmaunternehmen Spirig übernommen.

Spirig war unter anderem für den Sonnenschutz "Daylong" bekannt. Man erhoffte sich damals dank der globalen Präsenz von Galderma neue Marktchancen in der ganzen Welt. Jetzt steht der Standort Egerkingen vor dem Aus.

Die Galderma-Fabrik an der Froschackerstrasse 6 in Egerkingen.
13 Bilder
Hier wird unter anderem die bekannte Daylong-Sonnencreme hergestellt
Ebenfalls ein bekanntes Spirig-Prudukt: Die Excipial Hautcreme.
Der Ursprung hatte die Spirig Pharma AG, aus der die Galderma Spirig AG wurde, 1948 in einer Oltner Apotheke.
1969 wurde der Firmensitz nach Egerkingen verlegt.
1999 bekam die Firma den Solothurner Unternehmerpreis
Ende 2012 wurde bekannt, dass die Firma von der Galderma Schweiz AG übernommen wird. Fortan lief sie unter dem Namen Galderma Spirig.
Dadurch entstand das drittgrösste schweizerische Pharmaunternehmen.
Gaben im Oktober 2013 den Startschuss für Galderma Spirig (v.l.): Marc Wannhoff, Chef Schweiz, Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler und Galderma-CEO Humberto Antunes.
Der Standort Egerkingen sollte als Schweizer Hauptsitz, Vertriebsgesellschaft und Produktionswerk von Galderma in allen drei Geschäftsbereichen – verschreibungspflichtige Medikamente, Selbstmedikation und Produkte für ästhetische und korrigierende Medizin – «kräftig wachsen».
Von Egerkingen aus führte das neue Unternehmen den gesamten Vertrieb aller Galderma-Spirig-Produkte.
2014 gingen die Galderma-Anteile des französischen Kosmetikkonzerns l'Oréal an den Nahrungsmittelkonzern Nestlé.
Am 31.August 2017 wird bekannt: Nestlés Dermatologie-Tochter setzt in der Schweiz den Sparhammer an, sie will ihre Fabrik in Egerkingen schliessen.

Die Galderma-Fabrik an der Froschackerstrasse 6 in Egerkingen.

Bruno Kissling

Die Nestlé-Tochter Nestlé Skin Health hatte den Regierungsrat des Kantons Solothurn einen Tag im Voraus über die Schliessung der ehemaligen Spirig-Fabrik informiert. Man habe für die betroffenen Mitarbeitenden einen guten Sozialplan gefordert, sagte Volkswirtschaftsdirektorin Brigit Wyss (Grüne) vor den Medien in Solothurn. Nestlé habe dies zugesichert.

Das kantonale Amt für Wirtschaft und Arbeit wird ein Arbeitsmarktzentrum vor Ort aufbauen, wie Amtsleiter Peter Motschi betonte. Man werde die betroffenen Mitarbeitenden unterstützen. Im Zuge der Schliessung droht rund 190 Mitarbeitern die Kündigung.

Rückschlag für den Wirtschaftsstandort

Für Wyss, die erst seit Anfang August als Volkswirtschaftsdirektorin dem Regierungsrat angehört, ist die Fabrikschliessung die erste schlechte Wirtschaftsnachricht. Der Entscheid werde "mit grossem Bedauern" zur Kenntnis genommen, hiess es.

Von einem "grossen Verlust" spricht der Gemeinderat von Egerkingen. Der Entscheid von Nestlé sei "ein weiterer Beitrag zur Zerschlagung ehemaliger Perlen der schweizerischen Wirtschaft". Der Gemeinderat gibt sich in seiner Stellungnahme "relativ zuversichtlich", dass die hochqualifizierten Mitarbeitenden nach einer mehrmonatigen Übergangszeit wieder eine Anstellung finden.

Von einem "neuen harten Schlag gegen den Wirtschaftsstandort Solothurn" sprach die Gewerkschaft Unia Region Biel/Seeland-Solothurn. Dieser sei "allein der Profitstrategie eines weltweit operierenden Unternehmens zu verdanken". Ökonomisch sei die Schliessung des Standorts "nicht zu rechtfertigen".

Daylong aus Kanada oder Frankreich

Nestlé Skin Health begründet die Fabrikschliessung mit Überkapazitäten. Die Produktionsvolumen am Standort Egerkingen seien seit längerem sehr tief und man erwarte in den nächsten Jahren kein signifikantes Volumenwachstum, begründet die Nestlé-Tochter den Schritt. Künftig werden bekannte Marken wie Daylong oder Excipial an bestehenden Standorten im kanadischen Quebec oder in den Hoch-Savoyen produziert.

In der Schweiz verbleiben lediglich das Verkaufsbüro Schweiz und die Abteilung Consumer Business. Sie ziehen aber an neue Standorte um. Die Direktionsleitung und das Verkaufsbüro würden nach Zürich verlagert. Dorthin werde neu auch der Hauptsitz von Galderma Schweiz verlagert, sagte ein Mediensprecher.

Für die Abteilung Consumer Business wiederum werde im Kanton Waadt ein neuer Standort gesucht, wo auch die Firmenzentrale von Galderma weltweit liegt. Der Transfer werde innerhalb der nächsten 12 bis 18 Monate in mehreren Etappen erfolgen.