IFPI
Neue Dokumente erhärten Verdacht gegen Ifpi Schweiz

Die Wettbewerbskommission (Weko) hat eine Untersuchung gegen die Musikindustrie Ifpi Schweiz, den Verband der Schweizer Tonträgerhersteller (Labels), eröffnet.

Stefan Künzli
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Die Vorabklärung zum Fall Ifpi Schweiz hätte gemäss Rafael Corazza von der Weko bis Herbst dauern sollen. Neu aufgetauchte Dokumente, die den Schweizer Ableger der Ifpi zusätzlich belasten, haben das Verfahren jetzt verkürzt. «Die neuen Dokumente haben klargemacht, dass eine Untersuchung nötig wird», sagt Corazza der az. Die Dokumente erhärten den Verdacht gegen die Ifpi und ihre wichtigsten Mitglieder wie die Majorlabels Universal, Warner, Sony und EMI, dass im Bereich der Parallelimporte Absprachen bestehen, die Konkurrenten behindern und gegen das Kartellrecht verstossen könnten.

Wird CH-Hitparade manipuliert?

Ausgelöst wurde der Fall Ifpi durch die iMusician Digital AG Zürich (siehe «Sonntag», Ausgabe vom 10. April). iMusician ist mit rund 20 000 Songtiteln pro Jahr die grösste Lizenznehmerin von Schweizer Musik und hat Musiker wie Phenomden und Anna Rossinelli unter Vertrag. Die Firma hat die Ifpi bei der Weko wegen Verstoss gegen das Kartellrecht angezeigt und verlangt «angemessene Sanktionen». Anlass für die Anzeige gegen die Ifpi war der Song «Slow Down Take It Easy» der Band Da Sign &The Opposite. Gemäss iMusician ist der Song von der Ifpi ausgeschlossen worden, weil Label und Vertrieb der Ifpi unbekannt war.

Ausgeschlossen wurde iMusician auch von der Ifpi selbst. Im Februar 2010 hatte sich die Firma um eine Mitgliedschaft beworben. Der Antrag wurde im Januar 2010 mit der Begründung abgelehnt, dass «Aggregatoren» wie iMusician «nicht als offizielle Vertriebe im Sinne des Hitparaden-Reglements gelten». Mitglied werden könnten «nur Produzenten von physischen Tonträgern».

Wird Konkurrenz ausgeschlossen?

In der Anklage wird der Ifpi Schweiz und ihren Mitgliedern vorgeworfen, dass unliebsame Konkurrenten ausgeschlossen und eine repräsentative Schweizer Hitparade verhindert würden.

Die Weko untersucht deshalb auch die Aufnahmebedingungen in die Ifpi Schweiz und die Erstellung der Schweizer Hitparade. Die Schweizer Charts werden im Auftrag der Ifpi von Media Control nach geheimen Regeln erstellt und sind ein wichtiges Werbe- und Promotionsinstrument. Nach der «offiziellen Schweizer Hitparade» wählen viele Radiostationen ihre Titel aus. Wer da nicht dabei ist, hat einen klaren Wettbewerbsnachteil.

Weiter untersucht die Weko die Verwendungsbedingungen für das Promotions-System «Music Promotion Network», welches von vielen Radiostationen benutzt wird.

«Wir nehmen keine Stellung zu laufenden Verfahren», sagte Beat Högger, Geschäftsführer der Ifpi Schweiz, auf Anfrage der az.