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Neue Lösungen für das Ferienparadies gesucht

Ernst Meier zur Zukunft des Tourismusunternehmens Hapimag.
Ernst Meier
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Ein überaltertes Aktionariat (im Durchschnitt 65,1 Jahre) und ein Geschäftsmodell,das nicht mehr zu funktionieren scheint: Hapimag, der Baarer Betreiber von Ferienanlagen, hat zweifellos zu kämpfen. Das zeigen die Geschäftszahlen, und das zeigte sich diese Woche auch an der Generalversammlung in der Baarer Waldmannhalle (siehe Ausgabe vom Mittwoch).

Hapimag ist keine gewöhnliche Publikumsgesellschaft.Zu Grunde liegt der 1963 in Zug gegründeten Firma eine geniale Idee: Gemeinsam eine Ferienwohnung kaufen, um diese individuell zu nutzen. Das Hapimag-Prinzip ermöglicht die Finanzierung, und es garantiert eine gute Auslastung. Im Kampf gegen «kalte Betten» bietet Hapimag die Lösung. Auch die Beschränkung des Zweitwohnungsbaus spricht für das Teilen von Ferienwohnungen.

Das Grundprinzip des «Mitbesitzens und Teilens» zeichnet Hapimag aus. Langjährige Hapimag-Mitglieder betonen gerne, dass sie als Aktionäre Eigentümer der Wohnung sind, in der sie Ferien verbringen. Dazu folgende Anekdote: Ein Gast schneidet in der Ferienanlage in Spanien eine Hecke. Als der Resort-Angestellte ihn fragt, wieso er das tue, meint er: Ich bin Mitbesitzer, ich darf das.

Das Hapimag-Prinzip war jahrzehntelang Garant für Erfolg. Anders kann nicht erklärt werden, wie eine simple Idee von zwei Personen den Aufbau eines Immobilienimperiums mit gut 60 Ferienanlagen in 16 Ländern möglich machte. Die Voraussetzungen, um Aktionäre zu gewinnen, waren für Hapimag in den 1960er- und -70er-Jahren weitaus einfacher als heute. Die Nachkriegsgeneration hatte Zeit, Geld und ein grosses Bedürfnis, familienfreundliche Ferien zu verbringen. Man ging ins Reisebüro, studierte stundenlang Prospekte und buchte Wochen im voraus.

Diese Zeiten sind längst vorbei. Das Internet und fallende Preisefür Flüge haben die Branche verändert. Der jährlich erscheinende Hapimag-Ferienkatalog war Kult. Doch wie das Telefonbuch hat auch dieser seine Bedeutung verloren. Google hat den Katalog verdrängt. Wer bei der Such­maschine «Ferien Spanien» eintippt, erhält innert 0,8 Sekunden 664 000 Ergebnisse.

In der heutigen Zeit ist das Hapimag-Prinzip ein Anachronismus.Teilen liegt zwar im Trend – doch man braucht das zu teilende Objekt nicht mehr zu besitzen. Firmen der «Sharing Economy», wie Airbnb oder Mobility, boomen. Wohnungen, Kleider, Baumaschinen oder Musikinstrumente – alles Mögliche und Unmögliche gibt es gegen Bezahlung für eine beschränkte Zeit zur freien Nutzung.

Hapimag verfügt in seinem Immobilien-Portfolio über einzigartige Perlen.Das Service- und Betreuungsangebot ist überdurchschnittlich. Davon zeugen die Aussagen von langjährigen Aktionären und Branchenpreise, die Hapimag regelmässig gewinnt. Das Unternehmen erfreute sich 2016 auch steigender Gäste­zahlen und baut in der Nähe von Venedig ein neues Strand-­Resort. Rückläufige Buchungen in der Türkei oder in Marokko konnte Hapimag durch mehr Gäste in Spanien, Portugal oder Griechenland kompensieren. Trotzdem: Hapimag lebt derzeit von den Reserven. Auch einstmals gut besuchte Resorts in Frankreich und Österreich wurden verkauft.

Neue Aktionäre zu gewinnen, bleibt die grosse Herausforderung für Hapimag. Das Unternehmen versucht es mit Kennenlernangeboten und Probemitgliedschaften. Der neue CEO Hassan Kadbi (38) setzt auf Online-Kommunikation und den Dialog mit den Aktionären. Auch der neue Verwaltungsrat, Google-Manager Philipp Ries (43), gilt als Hoffnungsträger. Die Zeit für Hapimag drängt, denn die Branche verändert sich weiter rasant. Hapimag muss sich schliesslich aber darüber klar werden, ob die heutige Rechtsform und Besitzstruktur noch zeitgemäss ist.

Ernst Meier

ernst.meier@luzernerzeitung.ch

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