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Neue Schweizer Ski-Marken besetzen exklusive Nische

Die Skiverkäufe sind hierzulande in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Und doch drängen neue Schweizer Marken auf den Markt. Sie besetzen vor allem eine Nische: Exklusivität.
Sébastian Lavoyer
Volles Haus beim Bergrestaurant Jochpass in Engelberg. (Bild: Roger Grütter, Engelberg, 17. Februar 2019)

Volles Haus beim Bergrestaurant Jochpass in Engelberg. (Bild: Roger Grütter, Engelberg, 17. Februar 2019)

Schnee in Massen. Kaum Wolken am Himmel. Und doch zieht es immer weniger Schweizerinnen und Schweizer in die Berge. Zwar gab es zuletzt einen kleinen Anstieg, doch verglichen mit 2007/08 liegt die Anzahl Logiernächte zehn Jahre später 13,3 Prozent tiefer (Rückgang von 9 auf 7,8 Millionen). Hauptverantwortlich: der Klimawandel und die immer kürzeren Winter. Unter dieser Entwicklung haben auch die Skiverkäufe gelitten, wie Zahlen des Marktforschers GfK Switzerland zeigen. In der letzten Saison wurden schweizweit 191 000 Paar Ski verkauft. Mitte der Achtzigerjahre waren es noch eine halbe Million (siehe Grafik). «Natürlich schwanken die Verkaufszahlen je nach Saison, aber der Markt ist über die Jahre stets geschrumpft», sagt Walter Reusser, COO und Geschäftsleitungsmitglied von Stöckli.

Die ganz grossen Tage der Skination Schweiz sind also längst passé. Was sich auf den Hängen in Åre bei der Ski-WM dieser Tage zu bestätigen scheint, hat sich auf dem Mark längst manifestiert. Von den in der Schweiz verkauften Ski kommt bloss noch rund jeder fünfte von Schweizer Herstellern, wobei der grösste Teil auf das Konto von Stöckli geht. «Wir verkaufen eigentlich überall, wo man Ski fahren kann», sagt Reusser.

Erst Kopfschütteln, dann Bestellungen

Obschon der Skimarkt schrumpft, wächst Stöckli kontinuierlich. Im Wintersportbereich legte der Luzerner Skihersteller in den letzten fünf Jahren durchschnittlich um 11 Prozent zu. Hinter dem Zugpferd Stöckli halten sich seit Jahrzehnten einige Kleinproduzenten im umkämpften Markt. Noch überraschender ist jedoch, dass in jüngster Vergangenheit neue Schweizer Skiprodukte auf den Markt drängten.

Einer dieser Skiwahnsinnigen ist der 36-jährige Solothurner Alex Maienfisch. Die dritte Saison verkauft er nun Ski der von ihm ins Leben gerufenen Marke Mach. Dabei war das nie seine Absicht. Vielmehr rutschte er da so rein. Nach dem Betriebswirtschaftsstudium arbeitet er als Produktmanager in der Autoindustrie, macht sich schliesslich selbstständig als Brillenverkäufer. Noch immer hat er in der Schweiz das exklusive Verkaufsrecht für Xray-Sonnenbrillen – auch wenn das Skibusiness innert Kürze alles andere zur Nebensache verkommen liess.

Skifahren ist schon seit Kindsbeinen seine Passion. Die Eltern haben eine Wohnung in Wengen, er drängte darauf, dass sie ihn im lokalen Skiklub anmeldeten. «Das war als Unterländer nicht ganz einfach. Aber sie gewöhnten sich an mich», sagt er und lacht. Während Jahren trainiert er im Berner Oberland, während der warmen Sommermonate genauso wie im kalten Winter, fährt Rennen, qualifiziert sich für den Final des Migros-Grand-Prix, wo er einst gar gegen den späteren Juniorenweltmeister und Weltcupsieger Marc Berthod fährt. Maienfisch: «Er war irgendwo ganz weit vorne, ich irgendwo ziemlich hinten.»

Mit 15 Jahren hört er auf mit dem Rennsport. Zu zeitintensiv ist das Hobby neben der Kantonsschule. Geblieben ist die Faszination für die Ski. «Als ich noch Rennen fuhr, habe ich meine Ski immer selbst präpariert, war quasi mein eigener Servicemann. Sobald ich mit den Wettkämpfen aufhörte, begann ich zu experimentieren», sagt er. Er tüftelt mit altem Material, schraubt Rennbindungen auf All-Mountain-Ski, sorgt für ungläubiges Kopfschütteln bei Skiverkäufern. Ein Skiwahnsinniger eben. Aber so sehr er auch sucht, er findet nicht, was ihm entspräche. Er will einen Ski, mit dem er sich auf einer normalen Piste so sehr in die Kurve hängen kann, dass er mit der Hüfte den Schnee touchiert. Eigentlich will er Profimaterial für den Normalverbrauch.

Ski selbst bauen, das kann er nicht. Aber er weiss, wer das kann. Ein Produzent in Norditalien. Auf der Heimreise aus den Frühlingsferien vor sechs, sieben Jahren fragt er sich durch, ein Polizist weist ihm letztlich den Weg zur kleinen Manufaktur. Er geht hin, trifft auf den jungen Geschäftsführer und erzählt, was ihm vorschwebt, lässt sich seinen Ski bauen. Das erste Modell ist noch zu hart, beim zweiten oder dritten passt es. Wie viel ihn das gekostet hat? «Ich habe keine Ahnung. Das war wie bei einem Modellflugzeugbauer: Es spielte keine Rolle, es war einfach ein Hobby.» Freunde und Familie finden den Ski so toll, dass er eine kleine Serie produzieren lässt. Er gibt sie Sportgeschäften zum Testen – und findet Anklang.

Neue Marke erinnert an Karl Molitor

Das Risiko minimiert er, weil er nur auf Bestellung produzieren lässt. Noch immer in Norditalien. Von Hand. Wo genau, das will er nicht verraten. Geschäftsgeheimnis. Rund 1000 Stück dürften es diesen Winter sein. Sie kosten zwischen 1400 und 1600 Franken – je nach Bindung, die man wählt. Und man kann sie seit kurzem in über 30 Geschäften in elf Ländern kaufen. Nächsten Winter sollen weitere Geschäfte und Länder dazukommen. Wachstumspotenzial sieht Alex Maienfisch vor allem im Ausland.

Erst seit diesem Winter gibt es den Molitor-Ski. Und trotzdem gehört der Neuling schon zu den bedeutendsten Schweizer Fabrikanten. Der Name kommt von Karl Molitor. Der Berner Oberländer ist Rekordsieger am Lauberhorn (6-mal Abfahrt, 2-mal Slalom, 3-mal Kombination zwischen 1939 und 1948), gewann Olympiabronze in der Abfahrt in St. Moritz (1948) und wurde nach seiner Rennfahrerkarriere Skischuhproduzent in Wengen. Dort, wo er herkommt. In den besten Zeiten beschäftigte er 65 Schuhmacher, die pro Saison 20 000 Lederskischuhe fertigten. Molitor war Ausrüster der italienischen, der französischen und der Schweizer Skinationalmannschaft. Bis der Kunststoff die Branche auf den Kopf stellte. 1977 musste die Produktion in Wengen geschlossen werden.

Wettbewerb funktioniert nur noch über den Preis

Das Sportgeschäft Molitor aber überlebte bis heute. Seit dem Jahr 2012 führt Beat von Allmen das Geschäft zusammen mit seiner Frau Elisabeth. Seit diesem Winter machen sie Ski. Zwei Modelle, eines für Frauen, eines für Männer. Das heisst: Stöckli hat die Ski entwickelt und produziert sie auch in Malters LU. Für die Premium Sports Group (PSG), das sind 28 Sportgeschäfte, zu denen auch Molitor gehört. Warum aber ein eigener Ski? «Wir wollten ein gutes und faires Produkt verkaufen zu einem Preis, der es uns auch ermöglicht, davon zu leben», erklärt von Allmen. Was er damit sagen will: Der Onlinehandel und die Grosshändler wie SportXX oder Otto’s haben ihm und seinen Kollegen das Geschäft sehr schwer gemacht. Der Wettbewerb funktioniere nur noch über den Preis. «Da können wir als kleine Sportgeschäfte nicht mehr mithalten», so von Allmen.

Der Preiswettkampf der Grosshändler ist es, der die Nische geöffnet hat für Kleinproduzenten von Edelskimarken. Weil die kleineren Sportgeschäfte etwas bieten wollen, das man bei den Grossen nicht kriegt. Exklusivität. Qualität. Eine spezielle Dienstleistung. Wer einen Molitor-Ski kauft, der kann ihn ein Ski­leben lang in den Service bringen in allen 28 PSG-Sportgeschäften. Ohne dafür zu bezahlen. Die grossen Marken aus dem Weltcup, die vermieten sie eigentlich nur noch. Aber auch da wird die Nachfrage kleiner. Die Klimaerwärmung. Die Konsequenzen brachte Jürg Stettler vom Institut für Tourismuswirtschaft der Hochschule Luzern gegenüber dem «Sonntags-Blick» so auf den Punkt: «Skifahren verschwindet als Breitensport und wird zum Premiumprodukt für wenige.» Das Auftauchen neuer Premiummarken scheint seine Prognose zu bestätigen.

Holz liegt im Trend

In der Schweiz gibt es einige Manufakturen, die sich auf Holzski spezialisiert haben. Dazu zählen die Hersteller Swiss Massiv aus Doppleschwand LU, Earlybird aus Bern oder auch Timbaer in Appenzell. Andreas Dobler und Dano Waldburger von Timbaer produzieren im Untergeschoss einer Schreinerei in einem Raum, der kaum grösser ist als eine Garage. Ihre Ski bestehen grösstenteils aus Holz. Zur Wahl stehen drei Modelle und drei Deckblätter: Eiche, Nussbaum, Ulme. Die gediegene Optik und wenn möglich heimische Herkunft der Hölzer sind Eckpfeiler der Markenphilosophie. Der Name ist ein Wortspiel: Timber bedeutet auf Englisch Holz und Baer steht für das Appenzeller Wappentier. Auch René Unternährer von Swiss Massiv produziert Ski in aufwendiger Handarbeit – als Einziger im Kanton Luzern. Bis ein Paar fertig ist, sind 15 Produktionsschritte vergangen und acht Stunden Arbeit, verteilt auf knapp vier Wochen. Wählen können seine Kunden aus verschiedenen Deckbelägen: uni, schwarz oder weiss, Bambus, aber auch Entlebucher Eibe oder Ulme. 300 Paar Edellatten verlassen pro Jahr die Werkstatt in Doppleschwand, eingerichtet in ausgebauten Lagerräumen einer ehemaligen Bäckerei, umzingelt von Entlebucher Voralpenhügeln. (ph/mim/zar)

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