Reisebranche
Neuer Luxus: Jetzt gibt es Champagnerreisen statt Kaffeefahrten

Die Anbieter von Busreisen haben das Billig-Image abgestreift und setzen nun auf Luxus – mit Erfolg: Als Ausnahme in der zuletzt eher schwächelnden Tourismusindustrie nehmen Passagier- wie Umsatzzahlen für Busreisen seit Jahren zu.

Robert Wildi
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Luxusbusse sind im Trend: Die grossen Busunternehmen rüsten ihre Flotten mit immer luxuriöseren Fahrzeugen auf. Fotos: ho

Luxusbusse sind im Trend: Die grossen Busunternehmen rüsten ihre Flotten mit immer luxuriöseren Fahrzeugen auf. Fotos: ho

Schulter an Schulter sitzend auf schmalen, verlebten Stoffsesseln. In den Ohren die monotone Stimme des Reiseleiters, der via Mikrofon einen Wegwerfartikel nach dem anderen zum Verkauf anpreist.

«Dieses Bild von Busreisen wollen wir so rasch als möglich vergessen machen», sagt Jean-Richard Salamin. Er leitet die Fachgruppe Car Tourisme Suisse beim Nutzfahrzeugverband Astag und bläst zur allgemeinen Qualitätsoffensive. Die Bemühungen tragen bereits Früchte. Mit modernen und auf Luxus getrimmten Reisebussen werkelt die Branche zurzeit erfolgreich an ihrem Imagewandel. Schmuddelige Werbe- und Kaffeefahrten waren gestern, heute wird im Bus gediegen gereist.

Den Aufbruch in eine neue Liga lassen sich die 430 Schweizer Betreiber von insgesamt 1700 Reisebussen mit rund 60000 Sitzplätzen einiges kosten. Allein im letzten Jahr wurden 100 neue Busse in Betrieb genommen, 40 Prozent davon zählen zur Luxuskategorie. Beim Branchenführer Eurobus-Gruppe in Windisch zählt heute ein Drittel der 64 Reisecars zur so genannten 5-Sterne-Klasse. Sein Premiumprodukt «Car Rouge» hat Eurobus soeben mit vier ganz neuen Luxusbussen ausgebaut. Ähnlich ambitioniert rüsten auch andere Anbieter wie Twerenbold (Baden), Marti (Kallnach) oder Gössi Reisen (Horw) auf.

600000 Franken teuer

Für einen neuen Bus der Spitzenklasse blättern die Anbieter schnell 600000 Franken und mehr hin, können ihren Gästen dafür einiges bieten: weiche Ledersessel mit viel Bewegungsfreiheit, topmoderne Unterhaltungselektronik und allerlei Spezialeffekte. In manchen Cars funkelt an der Decke ein romantischer Sternenhimmel aus kleinen Lichtern, andere garantieren dank innovativen Glasdächern eine tolle Sicht und noch mehr Fahrspass. Getrunken wird dazu Champagner aus echten Gläsern, in der Bordküche werden warme Mahlzeiten zubereitet.

Bei der Sicherheit hat die Busreisebranche ebenfalls zugelegt. Neue Fahrzeuge sind heute mit technischen Details wie Distanzmesser etc. ausgerüstet. Und auch die Qualität der Fahrer wird strenger geprüft als früher. «Bei Themen wie Fahrtraining, Weiterbildung oder Einhaltung von Ruhezeiten haben wir enorme Fortschritte gemacht», sagt Jean-Richard Salamin.

Die Bemühungen und Investitionen von Verband und Anbietern zahlen sich aus. Die Nachfrage nimmt zu. Als Ausnahme in der zuletzt eher schwächelnden Tourismusindustrie nehmen Passagier- wie Umsatzzahlen für Busreisen seit Jahren zu. Auch heuer sind die Reservationsbücher der Anbieter voll, wie interne Umfragen von Car Tourisme Suisse belegen. Genau in die Zahlen schauen lassen sich die Veranstalter zwar nicht. Jean-Richard Salamin rechnet für 2011 gleichwohl mit einem Wachstum von 5 bis 10 Prozent und deutlich über
5 Millionen Passagieren. Busreisen sind heute ein Milliarden-Markt.

Der Nachfrage-Boom stachelt den Wettbewerb unter den Anbietern an. «Im Markt herrscht ein unerbittlicher Preiskampf», sagt Jean-Richard Salamin. Nutzniesser sind die Kunden, die für den gesteigerten Reisekomfort zwar etwas tiefer in die Tasche greifen, aber weiterhin von attraktiven Konditionen profitieren. Siebentägige Reisen im Luxusbus inklusive Hotelübernachtungen, Vollverpflegung, zahlreicher Extras sowie Reiseleitung gibt es schon ab 1400 Franken. Da können Flugreisen kaum mithalten.

Optimistisch in die Zukunft

Ein Ende des Busreisen-Hypes ist nicht absehbar. Die Branche blickt mit Optimismus nach vorne, wie Jean-Richard Salamin bestätigt. Umso mehr, als neben der wichtigsten Zielgruppe «50plus» auch ein jüngeres Publikum immer mehr auf den Geschmack kommt. Sie reisen im Bus nicht nur an Europas Partystrände, sondern entdecken auch den Luxus auf vier Rädern. Für Sport- und Geschäftsreisen wird das gesteigerte Ambiente der modernen Luxusbusse ebenfalls zunehmend geschätzt.

Den Busreiseveranstaltern kommt das gesteigerte Interesse neuer Zielgruppen wie gerufen. Sie können ihre «dunkle» Vergangenheit schrittweise abschütteln. Auf die Organisation von billigen Kaffeefahrten können die meisten mittlerweile verzichten.