Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

«Kein Selbstdarsteller», «ein stiller Schaffer»: Der neue Raiffeisen-CEO im Porträt

Mit Heinz Huber wechselt ein stiller, gut vernetzter Schaffer zur Genossenschaftsbank. Seine neue Stelle tritt er schon Anfang Januar an.
Thomas Griesser Kym
Heinz Huber verlässt die Thurgauer Kantonalbank. (Bild: Andrea Stalder)

Heinz Huber verlässt die Thurgauer Kantonalbank. (Bild: Andrea Stalder)

Gut vier Jahre ist Heinz Huber im Amt gewesen. Vier Jahre als Chef der Thurgauer Kantonalbank (TKB), deren Geschäftsertrag in dieser Periode trotz Tiefzinsen deutlich gestiegen ist. Und was vielleicht noch mehr zählt: Huber hat der Bank deren innere Ruhe zurückgebracht, die ihr in den Jahren vor seinem Amtsantritt abhanden gekommen war, und einen kulturellen Wandel eingeleitet.

Zweimal hatte die TKB vor der Ära Huber bei der Besetzung des Postens des Vorsitzenden der Geschäftsleitung danebengegriffen. Zunächst mit Hanspeter Herger, der bis Mitte 2009 lediglich knapp zwei Jahre im Amt war und dann abrupt wieder verschwand. Danach mit Peter Hinder, der die Bank bis November 2014 leitete und die unter seiner Führung mit der Ausgabe von Partizipationsscheinen an die Börse gegangen war. Die erste Partizipantenversammlung im Jahr darauf erlebte Hinder schon nicht mehr, da war bereits Huber als sein vorheriger Stellvertreter an der Spitze.

Herger wie Hinder hatten nicht zur Kultur der TKB gepasst. Beide waren von der Grossbank UBS zur Kantonalbank gestossen. Herger kam nie richtig im Thurgau an. In der Öffentlichkeit war er kaum sichtbar, zu Politik und Wirtschaft fand er keinen Draht. Hinder wiederum, ein junger Machtmensch von damals 38 Jahren, soll im Auftritt nach innen zu laut, im Umgang mit der Belegschaft zu ruppig gewesen sein.

Mit Huber, der vor wenigen Tagen 54 Jahre alt geworden ist, änderte sich das Bild. Zwar ist auch er ein Gewächs der UBS, absolvierte dort eine Banklehre und arbeitete an verschiedenen Stationen, bevor er zur Credit Suisse (CS) wechselte. Danach aber war Huber von 2001 an unternehmerisch tätig, als Mitglied der Geschäftsleitung der globalen IT-Firma Dicom Group sowie als Gründer und Geschäftsführer der Sydoc, einem KMU im Informationsmanagement.

2007 kehrte Huber als Mitglied der Geschäftsleitung zur TKB zurück und verantwortete das Firmenkundengeschäft, bis er vor vier Jahren nach Hinders Abgang den Chefsessel übernahm. Unter Huber beruhigte sich die Lage nach den vorherigen Chefwechseln. Er ist kein Mann der lauten Töne, sondern ein stiller Schaffer – gesellig, aber kein Selbstdarsteller, bestens vernetzt, ein Moderator oder: «ein Spielertrainer», wie es Bankratspräsident René Bock ausdrückt. Will heissen: Huber gewährt seinen Geschäftsleitungskollegen Freiraum, sie treten ebenfalls öffentlich auf, und so ist die ganze Führungsriege der Bank immer wieder sicht- und spürbar im Kanton Thurgau. «Ich hätte mir gut vorstellen können, dass Heinz Huber bis zur Pensionierung bei uns weitergearbeitet hätte», drückt Bock seine Wertschätzung aus. Und: «Wir bedauern seinen Weggang.»

Von einem Bank-KMU zu einem systemrelevanten Bankkonzern

Bei Raiffeisen wird sich Huber ungleich grössere Schuhe anziehen müssen. Er wird als Leiter der drittgrössten Bankengruppe des Landes der drittwichtigste Banker hinter UBS-Chef Sergio Ermotti und CS-Chef Tidjane Thiam. Auf Huber wartet viel Arbeit. Nicht nur, weil sein Französisch als verbesserungsfähig gilt. Sondern in erster Linie, weil er zusammen mit dem ebenfalls neuen Raiffeisen-Verwaltungsratspräsidenten Guy Lachappelle die Bankengruppe reformieren und nach der Affäre Vincenz zerstörtes Vertrauen wiederaufbauen muss.

Huber selbst macht vorsichtshalber schon mal auf gut Wetter. Das Geschäftsmodell von Raiffeisen habe ihn «seit jeher fasziniert», lässt er sich in der Mitteilung seines neuen Arbeitgebers zitieren. Der Erwartung, die in ihn gesetzt wird, gewahr, fährt er fort: «Ich freue mich sehr darauf, das Profil von Raiffeisen Schweiz zu schärfen.» Und: «Aufgrund meiner bisherigen Tätigkeiten als CEO und meines reichhaltigen Erfahrungsschatzes in der Schweizer Finanzbranche fühle ich mich bestens vorbereitet.»

Klar aber ist: Die TKB ist vornehmlich im Thurgau tätig, Raiffeisen national – und dabei systemrelevant. Die TKB beschäftigt 775 Mitarbeitende, Raiffeisen über 11000. Die TKB zählt 29 Geschäftsstellen, die Raiffeisen-Gruppe ist mit 246 rechtlich autonomen Banken an fast 900 Standorten präsent. Das sind ganz unterschiedliche Dimensionen. Und: Die TKB läuft stabil, während Raiffeisen eine riesige Baustelle ist.

Dem Vernehmen nach hat der von Raiffeisen beauftragte Führungskräftevermittler Guido Schilling bei der Chefsuche die Geschäftsleitungen praktisch aller mittleren und grossen Geldhäuser regelrecht abgegrast. Warum ist die Wahl auf Huber gefallen? Raiffeisen-Präsident Lachappelle nennt ihn «eine erfahrene Führungsperson» und lobt «sein unternehmerisches Denken und seine Umsetzungsstärke» sowie die Wertvorstellungen Hubers. Raiffeisen-Sprecher Dominik Chiavi wirft zudem Hubers «IT-Affinität» in die Waagschale, was der Bankengruppe, die beim Einführen der neuen Informatikplattform enorme Probleme bekundet, ebenfalls nützen dürfte.

Heinz Huber tritt sein Amt am 7. Januar 2019 an. Eingearbeitet wird er von Michael Auer, der nach dem abrupten Abgang von Patrik Gisel als Raiffeisen-Chef diese Funktion interimistisch ausübt. Nach der Einarbeitung wird Auer, der durch seine langjährige Nähe zu Gisel und dessen Vorgänger Pierin Vincenz ebenfalls belastet ist, wie angekündigt Raiffeisen verlassen. Über die mutmassliche Dauer der Einarbeitung sagt Sprecher Chiavi, Auer werde Huber «so lange wie nötig unterstützen». Die Nachfolgeregelung Auers als Leiter Privat- und Anlagekunden sei angestossen; «angestrebt wird eine gruppeninterne Lösung».

Heinz Huber kann seinen Fixlohn verdoppeln

Vergangenes Jahr ist Huber als TKB-Chef mit 550000 Franken Fixlohn und knapp 300000 Franken variablen Vergütungsbestandteilen (Boni) entlohnt worden. Die 550000 Franken erhält Huber auch für 2018, muss sich aber den kompletten Bonus ans Bein streichen, weil er in gekündigter Stellung ist. Das sieht das Reglement der TKB so vor, wie Bankratspräsident Bock sagt. Weil die TKB Huber, der bereits freigestellt ist, auf Ende Jahr ziehen lässt, zahlt sie ihm noch den Dezemberlohn. Der Lohn für die restlichen fünf Monate der ordentlichen Kündigungsfrist von sechs Monaten wird hinfällig.

Bei Raiffeisen legt Huber einen Lohnsprung hin. Seine feste Vergütung beträgt 1,1 Millionen Franken, also glatt das Doppelte des TKB-Fixlohns. Hinzu kommt eine variable Komponente, wobei die Gesamtvergütung des Raiffeisen-Chefs «neu bei 1,5 Millionen Franken gedeckelt und nur bei einer überdurchschnittlichen Zielerfüllung erreichbar ist», wie Chiavi sagt. Zum Vergleich: Gisel bezog vergangenes Jahr eine Vergütung von total 2,4 Millionen. Vincenz kassierte 2014, seinem letzten vollen Jahr als Raiffeisen-Chef, 1,9 Millionen Franken.

Und der Bonus, der Huber bei der TKB entgeht? Hier springt Raiffeisen in die Bresche, als Dank für «den frühestmöglichen Antrittstermin» sozusagen. Chiavi: «Für Mitglieder der Geschäftsleitung sind Antrittsentschädigungen branchenüblich. In diesem Fall handelt es sich um eine Summe in Höhe des letztjährigen Bonus von Heinz Huber», also 300000 Franken.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.