Social Media
Neuer Stern am Influencer-Himmel: Warum die App Clubhouse plötzlich so beliebt ist

Die neue Audio-only-App aus dem Silicon Valley beschlagnahmt derzeit die Smartphones vieler Schweizerinnen und Schweizer. Bislang gibt es sie nur für iPhones – das soll sich aber bald ändern.

Sarah Kunz
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Die App Clubhouse trifft mit virtuellen Gesprächsräumen, die wie ein Live-Podcast funktionieren, den Nerv der Zeit.

Die App Clubhouse trifft mit virtuellen Gesprächsräumen, die wie ein Live-Podcast funktionieren, den Nerv der Zeit.

Keystone/CHRISTOPH DERNBACH

Wer sich in den sozialen Medien bewegt, kommt derzeit nicht darum herum, auf eine neue App zu stossen. Sie nennt sich «Clubhouse», stammt aus Amerika und ist gerade der letzte Schrei unter den Influencern. Auch in der Schweiz wird die neue Social-Media-Plattform bereits rege genutzt. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Mega-Hype.

1. Wie funktioniert Clubhouse?

Die App ist eine Social Media-Plattform wie Facebook, Instagram, oder Twitter. Anders als die bekannteren Gegenspieler funktioniert Clubhouse aber nur über Audio. Der Austausch findet als eine Art Live-Podcast mit Publikumsbeteiligung statt. Die Gespräche drehen sich um aktuelle Themen wie die Coronapandemie, aber auch um Sport, Wissen und Kultur.

Jedes Mitglied kann selbst sogenannte Chaträume eröffnen, Themen festlegen und Teilnehmer einladen. Moderatoren und weitere Personen sind dabei auf einer Art virtuellen Bühne versammelt, die Zuhörer befinden sich im Publikum. Wer sich an der Konversation beteiligen will, kann virtuell die Hand heben. Auch kann man anderen Mitgliedern folgen und Push-Nachrichten erhalten, wenn diese einen neuen Raum – und somit eine neue Diskussion – eröffnen. Momentan existiert die App nur als Beta-Version, ist also noch nicht voll ausgereift.

2. Wie grenzt sich die App von anderen Social-Media-Plattformen ab?

Auf Clubhouse wird nicht geschrieben, nicht gefilmt, nicht mit Fotos geprahlt. Anders als bei Facebook, Instagram oder Tiktok steht nicht das Aussehen im Mittelpunkt, sondern die zeitgleich stattfindenden Gespräche. Dadurch gestalten sich die Diskussionen persönlicher und flexibler als bei der Konkurrenz.

Zudem ist der Inhalt vergänglich, die Gespräche werden nirgends archiviert. Die einzelnen Diskussionen werden einfach so lange gespeichert, bis sie beendet werden. Ausserdem kann nur mitmachen, wer eine Einladung hat und seinen richtigen Namen angibt – Nutzer können sich folglich nicht hinter einem künstlichen Profil verstecken.

3. Weshalb geht die App gerade so durch die Decke?

Der Hype liegt vor allem daran, dass die App exklusiv ist und die Nutzer eingeladen werden müssen. Wer teilnimmt, gehört also zu den Auserwählten. Das führt vor allem bei Jungen zu einer gewissen Angst, etwas zu verpassen, und steigert den Drang, dabei sein zu wollen.

Gleichzeitig dürfte es an der Coronakrise liegen, dass die App gerade jetzt so den Nerv der Zeit trifft. Denn wegen der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen findet der Austausch ohnehin ausschliesslich online statt. Clubhouse bietet in dieser Zeit also ein neuartiges Angebot gegenüber den herkömmlichen Plattformen.

4. Was schätzen Nutzer an Clubhouse?

Eine Umfrage bei Schweizer Nutzern zeigt, dass sie die App eben gerade wegen ihrer Andersartigkeit mögen. «Sie ist nicht so oberflächlich wie etwa Instagram», sagt ein Nutzer. «Man streckt nicht den Hintern in die Kamera und macht Geld damit.» Bei der App gehe es rein um den Inhalt und um das, was erzählt werde. Punkten müsse man mit den eigenen Gedanken, Ansätzen und der Persönlichkeit.

«Die App bringt Menschen näher zueinander, weil nicht ausschliesslich ein Monolog stattfindet», sagt eine andere Nutzerin. Ein grosser Vorteil sei deshalb die Möglichkeit, ein Netzwerk aufzubauen: «Clubhouse bietet die Möglichkeit, mit Leuten ins Gespräch zu kommen, zu denen man sonst keinen Zugang hätte.» Die Nutzer schätzen ausserdem die Möglichkeit, gleichzeitig zuhören und kochen oder Autofahren zu können. So liesse sich die App ohne grossen Aufwand in den Alltag integrieren.

5. Wer nutzt die App?

Moderatorin und Schauspielerin Oprah Winfrey ist ein grosser Fan der neuen App.

Moderatorin und Schauspielerin Oprah Winfrey ist ein grosser Fan der neuen App.

Keystone/ THEMBA HADEBE

Sogar die Crème de la Crème der amerikanischen Promis hat Clubhouse bereits für sich entdeckt. So nutzen unter anderem Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey, Sänger Drake oder Schauspieler Kevin Hart die App. Insgesamt zählt Clubhouse derzeit etwa zwei Millionen aktive Nutzer – verglichen mit Twitter mit 330 Millionen Nutzern ist sie also noch sehr klein.

Momentan ist die App auch nur für iPhones verfügbar. Am Sonntag verkündeten die Gründer aber, dass bereits an einer Version für Android-Smartphones gearbeitet werde. Wann die Version für Huawei, Samsung und Co. erscheint, ist noch nicht klar.

6. Welche Kritikpunkte gibt es?

Am heftigsten steht der Datenschutz in der Kritik. Wer die App nutzen und Freunde oder Bekannte einladen will, muss sein gesamtes Adressbuch teilen. So kann die App auch Daten von Menschen sammeln, die von Clubhouse überhaupt nichts wissen. Zudem gibt es bis anhin keine einfache Möglichkeit für Nutzer, ihren Account und somit ihre Daten wieder zu löschen.

Auch werden laut Clubhouse sämtliche Gespräche bis zum Ende der Diskussion mitgeschnitten. Das diene dazu, im Falle von etwaigen rassistischen oder sexistischen Äusserungen schneller eingreifen zu können. In der Vergangenheit kam es nämlich bereits zu solchen Kommentaren.

Clubhouse appelliert vor allem an die Moderatoren, diskriminierende Äusserungen umgehend zu unterbinden und den Nutzer oder die Nutzerin zu melden.

7. Wie ist die App entstanden?

Clubhouse wurde im April 2020 von den amerikanischen Unternehmern und ehemaligen Google-Mitarbeitern Paul Davison und Rohan Seth gegründet. Nur einen Monat später schätzte das Magazin Forbes den Wert der App auf 100 Millionen Dollar.

Mittlerweile dürfte er um einiges höher sein, die Gründer geben aber nicht viel preis. Finanziert haben Davison und Seth die Anwendung von Anfang an über Investitionen. So erhielten sie von der Risikokapitalgesellschaft Andreessen Horowitz aus dem Silicon Valley beispielsweise eine Investition von 12 Millionen Dollar.

8. Wie sieht die Zukunft von Clubhouse aus?

Clubhouse ist auf dem Vormarsch. Als Ersatz für Facebook und Co. eignet sich die App wegen ihres Live-Charakters aber nicht. Wichtige Aspekte für die Zukunft der App sind sicherlich, wann sie es aus der Beta-Version schafft, wann sie auch für Android-Smartphones auf den Markt kommt und wie die Moderation funktioniert, wenn die Gemeinschaft und die Anzahl der Gespräche wachsen.

Auch das Thema Datenschutz müssen die Gründer in den Griff kriegen. Ist die Anfangseuphorie erst mal vorbei und beginnen sich die Corona-Einschränkungen zu lockern, wird sich zeigen, ob sich Clubhouse weiterhin beweisen kann.