Pharma
Neues Brustkrebsmedikament: Roche erleidet herben Dämpfer

Der Basler Pharma-Konzern Roche hat auf einen Grosserfolg mit einem neuen Brustkrebsmedikament gehofft. Nun ist die Euphorie verpufft.

Andreas Möckli
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Ein Radiologe betrachtet Röntgenbilder einer weiblichen Brust zur Früherkennung von Brustkrebs. (Archiv)

Ein Radiologe betrachtet Röntgenbilder einer weiblichen Brust zur Früherkennung von Brustkrebs. (Archiv)

/KEYSTONE/GAETAN BALLY

Die Anleger zeigen sich ungnädig. Ganze 5,5 Prozent büssten Roche-Genussscheine am Montag ein. Solch heftige Ausschläge sind für ein Schweizer Börsen-Schwergewicht sehr ungewöhnlich. Auslöser sind detaillierte Daten zum Brustkrebsmedikament Perjeta.

Bereits Anfang März publizierte der Basler Pharmakonzern erste Daten einer klinischen Studie. Diese zeigten erfreuliche Resultate, weshalb die Roche-Titel damals um 6,5 Prozent zulegten. Einige Analysten trauten dem Medikament einen Spitzenumsatz von über 4 Milliarden Franken zu. Die detaillierten Ergebnisse der Studie, die das Unternehmen nun am amerikanischen Krebskongress Asco in Chicago vorgestellt hat, sind dagegen ernüchternd.

Perjeta wurde in Kombination mit dem älteren Brustkrebsmittel Herceptin, das ebenfalls von Roche stammt, und einer Chemotherapie getestet. Behandelt wurden Patientinnen mit einem sogenannten HER-2-positiven Brustkrebs, der sich in einem frühen Stadium befindet und der zuvor bereits operiert wurde. Roche verglich dabei diese Dreifachkombination mit der bisherigen Standardtherapie, die aus Herceptin und einer Chemotherapie besteht. Bereits Herceptin zeigte sehr gute Resultate, weshalb die Hürde für Perjeta sehr hoch lag.

Bei Herceptin kehrte der Tumor innert drei Jahren nach der Operation in 90 Prozent der Fälle nicht zurück, wie frühere Studien zeigten. In der aktuellen Studie erreichte Herceptin gar einen Wert von 93,2 Prozent, während bei Perjeta – in Kombination mit Herceptin – der Wert 94,1 Prozent betrug. Kein berauschender Unterschied zwar, wie Michael Nawrath, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank, bemerkt. Andererseits bedeute das eine Verringerung des Risikos, dass der Krebs zurückkehrt, um 19 Prozent.

Nawrath ist jedoch einer der wenigen Analysten, die die neusten Resultate nicht allzu negativ bewerten. Andere Berufskollegen zeigten sich weit skeptischer. Gemessen an der Wirksamkeit liege der Vorteil für die Patientinnen durch Perjeta in einem Bereich, der von Roche selber im Vorfeld als «nicht klinisch bedeutsam» bezeichnet worden sei, schreiben die Analysten von Credit Suisse. Viele Beobachter gehen daher davon aus, dass sich Perjeta nur bei Hochrisiko-Patienten als Standardtherapie durchsetzen werde. Entsprechend reduziert sich auch das Umsatzpotenzial des Brustkrebsmittels.

Hinzu kommt, dass die Kombinationstherapie mit Perjeta sehr teuer ist. In der Schweiz kostet sie für eine 70 Kilogramm schwere Patientin rund 110'000 Franken. Da die hohen Medikamentenpreise selbst in den USA immer mehr zum Thema werden, rechnet die Bank Vontobel damit, dass es etwa ein Jahr länger als erwartet dauern wird, bis Perjeta die maximale Durchdringung des Brustkrebsmarkts erreicht.