NEUJAHRSAPERO: Der Optimismus ist zurück

Die Aussichten für die Zentralschweizer Wirtschaft sind blendend. Getrübt wird der Optimismus lediglich von zahlreichen Initiativen und Regulierungen.

Hans-Peter Hoeren
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Hans Wicki, Präsident der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz (links), und deren Direktor Felix Howald luden gestern zum Neujahrsapéro im Hotel Schweizerhof. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Hans Wicki, Präsident der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz (links), und deren Direktor Felix Howald luden gestern zum Neujahrsapéro im Hotel Schweizerhof. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Mit grosser Zuversicht, aber auch mit ein paar wenigen Sorgenfalten starten die Zentralschweizer Unternehmen ins neue Wirtschaftsjahr. Die Konjunkturaussichten sind blendend, getrübt werden diese jedoch von der Sorge um die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes. Grund sind die vielen Volksinitiativen von der Mindestlohn- bis zur Masseneinwanderungsinitiative. Dieses Stimmungsbild zeigte sich gestern Abend auch beim Neujahrsapéro der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz (IHZ) im Hotel Schweizerhof in Luzern. Über 500 Gäste aus Wirtschaft und Politik waren zu dem Empfang erschienen.

Hug AG kann Exporte steigern

Wachstumsraten von über 2 Prozent werden in diesem Jahr für die Schweizer Wirtschaft erwartet. «Die Schweiz ist eine der stabilsten Volkswirtschaften der Welt. Trotz der starken Währung können wir uns aufgrund unserer Innovationskraft international behaupten», sagte Hans Wicki, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHZ) in seiner Rede. Diese Einschätzung teilten am Rande der Veranstaltung viele heimische Unternehmer. «2013 war für uns ein sehr gutes Geschäftsjahr, wir haben den Gesamtumsatz um 5 Prozent steigern können und sind auch im Ausland gewachsen», sagte Werner Hug, Präsident des Verwaltungsrates der Hug AG, Malters. Dank neuer Partner und Konzepte seien die Hug-Guetzli auch auf hohem Preisniveau für den Export wieder attraktiver geworden. «Der starke Franken und die Eurokrise haben uns wachgerüttelt, das war ein heilsamer Schock», sagte Hug.

Es wird wieder investiert

Urs Petermann, Leiter der Bankleitung der Raiffeisenbank Luzern, sieht insbesondere in der Zentralschweiz einen «starken Pfeiler der robusten Schweizer Wirtschaft». «Die Voraussetzungen für gesundes und nachhaltiges Wirtschaftswachstum in der Region sind dank der attraktiven Rahmenbedingungen gut», sagte Petermann. Das könne man an den Investitionen sehen, die aktuell in der Region getätigt werden, im Hotel- und Gastronomiebereich, aber auch bei Stadtentwicklungsprojekten wie zum Beispiel Luzern-Süd. Haupttreiber für das Schweizer Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr ist gemäss IHZ-Präsident Hans Wicki vor allem die solide Binnenkonjunktur und nicht der Aussenhandel gewesen.

Wicki hob einmal mehr die hohe Wettbewerbsfähigkeit und die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Schweiz hervor. Er kritisierte aber auch die Diskrepanz zwischen der blendenden wirtschaftlichen Situation der Schweiz und ihrer öffentlichen Darstellung. «Der Schweiz geht es so gut wie nie, dennoch wird in unserem Land oft schwarz gemalt», mahnte der IHZ-Präsident. Den Hauptschuldigen hatte er schnell ausgemacht – die Medien. Sein Vorschlag: «Wenn jeder zweite Fronttitel einer Zeitung positiv ist, dann schneidet die Gegenwart besser ab als die Vergangenheit.»

Aufrüttelnde Worte an Mitglieder

Bedroht sieht die IHZ diese Ausgangsposition der Schweiz durch die Vielzahl an aktuellen Initiativen. «Wir erlebten in den vergangenen Jahren ein inflationäres Wachstum an Initiativen und Regulierungen, die unsere guten Rahmenbedingungen gefährden», sagte dazu IHZ-Direktor Felix Howald. Der wirtschaftspolitische Kampf werde intensiver werden, dafür brauche es eine verstärkte Unterstützung der rund 700 Mitglieder. Das Aufrütteln der Mitglieder stand denn auch ganz im Zeichen der weiteren Rede von IHZ-Präsident Hans Wicki. Er warb für eine Zustimmung bei der künftigen Finanzierung der Bahn (Fabi-Vorlage) im Februar. Diese beinhalte wichtige Verkehrsprojekte in der Zentralschweiz, unter anderem beim Zimmerbergtunnel.

SNB-Präsident kommt zu Jubiläum

Gleichzeitig warnte Wicki vor der Masseneinwanderungs- und der Mindestlohninitiative und nannte sie «einen Angriff auf den Wohlstand der Schweiz». Verhindern liessen sich diese aber nur, wenn die Wirtschaftskapitäne sich im Abstimmungskampf engagierten. «Wenn man unternehmerfreundliche Gesetze will, dann darf man deren Umsetzung nur den Beamten, Lehrern, Studenten und Sozialarbeitern überlassen», mahnte Wicki. Es dürfe nicht sein, dass sich die Unternehmen vollständig aus dem Parlament zurückziehen.

Die IHZ feiert am 7. Mai ihr 125-jähriges Bestehen mit einem Jubiliäumsfest in der Turbine Giswil in Obwalden. Ehrengast wird Thomas Jordan, der Präsident der Schweizerischen Nationalbank, sein.