Pensionskasse: Die Einkünfte für Neurentner werden weiter sinken

Wer dieses Jahr in den Ruhestand geht, erhält rund 15 Prozent weniger Rente, als es noch vor neun Jahren üblich war.

Rainer Rickenbach
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Aus der zweiten Säule werden Neurentner in Zukunft noch weniger Rente erhalten. (Foto: Christof Schuerpf)

Aus der zweiten Säule werden Neurentner in Zukunft noch weniger Rente erhalten. (Foto: Christof Schuerpf)

Die steigende Lebenserwartung und das unergiebige Anlageumfeld setzen den Pensionskassen zu. Weil die Renten aus dem Sparkapital länger reichen müssen und von den Anlagerenditen bloss ein dürftiger und instabiler Beitrag zu erwarten ist, sehen sich die Kassen gezwungen, ihre Versicherten Jahr für Jahr mit kleineren Kassenrenten in den Ruhestand zu schicken.

Technisch ist der Ablauf so: Die Pensionskassen senken den technischen Zinssatz für Neurentner, mit dem die Sparkapitalien der Ruheständler verzinst werden. Als Folge davon bröckeln die Umwandlungssätze – der Satz, der entscheidend ist, wie hoch die Kassenrente ausfällt. Konkret: Waren vor zwanzig Jahren jährlich 6800 Franken pro 100 000 Franken angespartes Vorsorgekapital die Regel, so sind es heute im Durchschnitt noch etwas mehr als 5700 Franken.

In zehn Jahren sanken Neurenten um 15 Prozent

Seit 2010 sind gemäss Berechnungen der Swisscanto Vorsorge AG die Renten für Neupensionierte um 15 Prozent gesunken. Das geht aus der neusten Studie der Tochtergesellschaft der Zürcher Kantonalbank hervor. Ein Ende des Abwärtstrends ist nicht absehbar. «Die Pensionskassen werden ihre Umwandlungssätze in den nächsten Jahren weiter nach unten korrigieren. Unter anderem auch deshalb, weil die Kassen die Senkungen häufig über mehrere Jahre verteilen. Bis 2023 ist eine Senkung auf 5,45 Prozent zu erwarten», schreibt Reto Siegrist, Geschäftsführer der Swisscanto. Lässt die Reform der zweiten Säule weiterhin auf sich warten, rechnet Swisscanto bis in ein paar Jahrzehnten sogar mit einer Rentenhöhe, die fast 28 Prozent tiefer ausfällt als noch vor zehn Jahren.

Für die heutigen Rentner ändert sich dadurch nichts. Für sie gilt Besitzstandswahrung. Die Folge: Weil die Guthaben der Rentner höher verzinst werden als diejenigen der beruflich tätigen Versicherten, fliessen pro Jahr rund 7 Milliarden Franken der Rendite, die eigentlich den Jungen zustehen würde, in die Rentenfinanzierung. Erzielten die Pensionskassen dank dem Börsenboom vor zwei Jahren mit ihren Anlagen eine stattliche Durchschnittsrendite von 7,6 Prozent, so mussten sie im zurückliegenden Jahr wegen der Börsenbaisse scharf ­zurückbuchstabieren. Gemäss Swisscanto verlor das verwaltete Sparvermögen 2,8 Prozent an Wert. Die Minusrendite hinterliess Spuren bei der Kapitaldecke: Sie sank bei den privatrechtlichen Kassen auf 108,7 und bei den (vollkapitalisierten) öffentlich-rechtlichen auf 106,9 Prozent.

Immobilien bringen Risiken mit sich

Mit 100 Prozent sind die Vorsorgeeinrichtungen in der Lage, alle laufenden und zukünftigen Verpflichtungen zu finanzieren. Was darüber liegt, gilt als Reserve für Wertschwankungen, wie sie die Börsenturbulenzen des vergangenen Jahres mit sich gebracht haben. Immerhin ist der Start ins neue Jahr geglückt und ein schöner Teil des Minus von 2018 liess sich dank den wieder nach oben tendierenden Finanzmärkten wettmachen. Die Swisscanto-Fachleute kommen zwar zum Schluss, vor allem kleinere Pensionskassen dürften durchaus eine mutigere Anlagestrategie fahren. Sie stören sich vor allem am nach wie vor hohen Anteil der Obligationen, die kaum noch Zinsen abwerfen. Deutlich zugenommen haben die direkten und indirekten Schweizer Immobilienanlagen, ihr Anteil kletterte in zurückliegenden zehn Jahren von 19 auf 25 Prozent. Da der Bauboom abebbt und immer mehr Wohnungen leer stehen, lauern in dieser Anlagesparte Risiken. Besonders gross sind sie für die Kassen von branchennahen Unternehmen. Beim Baugewerbe zum Beispiel liegt der Immobilienanlagen-Anteil mit 29 Prozent deutlich über dem Durchschnitt. «Diese Neigung, branchennah zu investieren, erhöht das Risiko bei einem allfälligen Abschwung», heisst es im Swisscanto-Bericht.