Im Zeichen des Wandels: Am World Tourism Forum Lucerne drehte sich alles um Firmen der nächsten Generation 

Der Tourismus entwickelt sich in rasantem Tempo. Gut gewappnet ist, wer Start-ups früh und geschickt einspannt.

Raphael Bühlmann
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HSLU-Dozent Lars Sonderegger am Freitag am Swiss WTFL Start-up Innovation Camp an der Hotelfachschule Luzern. (Bild: PD)

HSLU-Dozent Lars Sonderegger am Freitag am Swiss WTFL Start-up Innovation Camp an der Hotelfachschule Luzern. (Bild: PD)

«Nichts ist so beständig wie der Wandel». Was Philosoph Heraklit bereits vor 2500 Jahre wusste, scheint bis heute kaum etwas an seiner Gültigkeit eingebüsst zu haben. Im Gegenteil. Vielleicht würde sich der griechische Denker heute verwundert die Augen reiben, wenn er sähe, mit welcher Geschwindigkeit sich die moderne Welt bewegt. Dabei einer der dynamischsten Wirtschaftszweige scheint der Tourismus zu sein. Dies zumindest kam am diejährigen World Tourism Forum Lucerne (WTFL) zum Ausdruck.

Am Freitag trafen Branchenexperten aus aller Welt an der Schweizerischen Hotelfachschule und rückten die Jungunternehmen aus den Bereichen Tourismus, Reisen und Hospitality ins Zentrum. Am 2. Swiss WTFL Start-Up Innovation Camp wurden die innovativsten Jungunternehmen ausgezeichnet (siehe Kasten).

«Keine Zeit um für Almosen zu betteln»

Zu den Referenten zählten unter anderem Lars Sonderegger, Gründer und CEO der Quantonomics LLC und Dozent an der Hochschule Luzern (HSLU) sowie Itai Green, Gründer des Digitalunternehmens Innovate Israel. Man war sich einig, dass der Austausch zwischen Firmen mit bestehenden Strukturen und Prozessen und Startups mit frischen Ideen und neuen Ansätzen gerade in der Reisebranche ein entscheidender Erfolgsfaktor ist.

Dabei einen gleichermassen interessanten wie unterhaltsamen Einblick in die Thematik gewährte HSLU-Dozent Sonderegger. «Kollaboration ist bereits aus evolutionstechnischer Sicht erfolgreicher als Konkurrenz», bilanziert der Neurowissenschaftler. Ob Natur oder Ökonomie: das Ziel müsse es immer sein Win-Win-Situationen zu schaffen. Sonderegger führte die Symbiose von Pilzen und Bäumen als Beispiel an, die sich im Boden gegenseitig mit Wasser und Nährstoffen versorgten. «Ein Ökosystem ist also das Gegenteil eines Egosystems», so Sonderegger. Wie in der Natur, bestehe dabei auch für Unternehmen die Schwierigkeit darin, den richtigen Partner zu finden. Ein Prozess der im Vergleich zum Tagesgeschäft eben andere Qualifikationen, Kompetenzen oder Ziele bedinge. «Zielorientiertes Handeln oder Reglemente sind hier nicht gefragt». Dafür müsse es umso mehr auf der persönlichen Eben stimmen, bevor ein Projekt in Angriff genommen werde. «Man soll ja auch nicht nach dem ersten Date heiraten», so Sonderegger. Denn ein Kooperation sei genau das. Ein Commitment, das stark bindet und an dem oft das Überleben des Jungunternehmens hange. «Einmal ein Projekt gestartet, geht es los wie in einer Achterbahn und Sie wollen wissen neben wem Sie sitzen», so Sonderegger.

Das sind die Gewinner

Die Gewinner des zweiten Swiss WTFL Start-up Innovation Camp stehen fest. Es sind die Firmen SmartToni, Qynamic, Kido Dynamics, Eaternity und Smeetz. Diese Start-ups überzeugten Fachpublikum und Jury gleichermassen. Der Publikumspreis ging an Eaternity. Die Gewinner erhalten ein Preisgeld von jeweils 5000 Franken und ein zweijähriges Coaching-Programm. Martin Barth, CEO des World Tourism Forum und damit auch Verantwortlicher für das Swiss WTFL- Start-up Innovation Camp, kann eine positive Bilanz ziehen: «Das zweite Camp war ein voller Erfolg», sagt er.

In seinem Referat noch einen Schritt zurück ging Itai Green. «Ein grundlegendes Problem besteht oft darin, dass sich Konzerne und Startups gar nicht finden». Dies zum einen weil sie schlicht nichts voneinander wüssten oder zum anderen, weil sie nicht die gleiche Sprache – auch im übertragenen Sinne – sprechen würden. Für Green ist deshalb eine direkte und offene Kommunikation beider Seiten entscheidend. «Startups können nicht zwei Wochen auf eine E-Mail-Antwort warten», sagt Green. Dies gelte auch in finanzieller Hinsicht. Eine unkomplizierte und regelmässige Bezahlung der Jungunternehmen sei für diese überlebenswichtig.

«Ein Startup hat besseres zu tun als für Almosen zu betteln».

Auch sei Ehrlichkeit zentral. Wenn ein Konzern das Interesse an einer Idee verliere, müsse er dieses den Jungunternehmern sofort und unmissverständlich mitteilen. «Startups können es sich nicht leisten, hingehalten zu werden», so Green. Green plädierte am Freitag denn auch dafür, dass Konzerne die es sich leisten könnten, eigene Abteilungen schaffen, die sich ausschliesslich um die Betreuung von Jungfirmen kümmerten.