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Nicht so schlimm wie auch schon

Santésuisse prognostiziert einen Kostenanstieg von vergleichsweise bescheidenen 3 Prozent für das kommende Jahr. Grund dafür sind weniger Einsparungen als Verlagerungen von Kosten.
Balz Bruder
Die Krankenkassen-Prämien dürften 2019 moderat ansteigen. (Bild: Boris Bürgisser)

Die Krankenkassen-Prämien dürften 2019 moderat ansteigen. (Bild: Boris Bürgisser)



Wie ist das nun genau mit der Entwicklung der Gesundheitskosten? Vor Monatsfrist hat die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich ihre Prognose präsentiert und ist zum Schluss gekommen, dass 2018 und 2019 mit einem stärkeren Wachstum zu rechnen sein wird als im Vorjahr. Konkret: Die Pro-Kopf-Ausgaben schwellen auf mehr als 10000 Franken pro Jahr an. Das macht für das laufende Jahr 86,8 Milliarden Franken – ein sattes Plus von 3,8 Prozent gegenüber 2017. Und für das kommende Jahr sieht es nicht besser aus: Die 90-Milliarden-Franken-Grenze soll dabei erstmals geknackt werden. Was wenig Grund zu Freude ist, wenn man bedenkt, dass der Anteil der Gesundheitskosten am Bruttoinlandprodukt gemäss KOF auf knapp 13 Prozent steigen wird.

Zumindest auf den ersten Blick andere Signale sendet der Krankenversicherer-Verband Santésuisse aus. Er spricht von einem «gedämpften Wachstum der Gesundheitskosten» und bezieht sich dabei auf die Veränderungen von 2016 auf 2017. Allerdings sieht auch Santésuisse für 2018 höhere Kosten auf die Versicherten zukommen – selbst wenn die Prognose nach Aussage von Direktorin Verena Nold «noch mit grossen Unsicherheiten behaftet ist».

Erstmals Rabatte für junge Prämienzahler

Dafür gibt es vor allem einen Grund: Durch die Tarifanpassungen beim Tarmed kommt es zu Verzögerungen bei der Rechnungsstellung durch Ärzte und Spitäler – ob und in welchem Umfang sich der Eingriff finanziell niederschlagen wird, ist demnach offen. Allzu optimistisch ist Santésuisse nicht: Erstens wird die ungebremste Verlagerung von der stationären zur ambulanten Medizin mehr Menge und mehr Kosten bringen. Zweitens fällt der Kosten dämpfende Effekt weg, den die schrittweise Einführung der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestbeteiligung der Kantone von 55 Prozent an den stationären Spitalleistungen generierte.

Unter dem Strich rechnet Santésuisse vor diesem Hintergrund mit einem Pro-Kopf-Wachstum von rund 3 Prozent in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP). Das entspräche dann plus-minus auch dem absehbaren Anstieg der Durchschnittsprämie für 2019. Ein Wert, der tiefer liegt als im Vorjahr (4 Prozent) und auch deutlich unter dem durchschnittlichen jährlichen Anstieg von 4,6 Prozent seit der Einführung des Krankenversicherungsgesetzes (KVG). Besonders freuen dürfen sich die jungen Erwachsenen (19 bis 25 Jahre). Für sie sind erstmals Rabatte möglich, indem die Abgabe in den Risikoausgleich sinkt. Eine Entlastung, welche die Krankenversicherer ihren Kunden weitergeben werden. Wie hoch sie ausfallen wird, kann Ende September gesagt werden, wenn die Prämien 2019 bekannt gemacht werden.

Preise für Medikamente steigen unvermindert

Über den Tag hinaus ist es mit dem Optimismus über bloss moderat steigende, geschweige denn stagnierende Krankenkassenprämien nicht weit her. Zwar gibt es einen Minustrend bei den Kosten für stationäre Spitalbehandlungen von gut 3 Prozent pro Kopf und Jahr – was aber mehr dem höheren Kostenanteil der Kantone als sinken Basisfallpreisen geschuldet ist. Und bei den Steuerzahlern zu Buche schlägt. Gleichzeitig führt die Verlagerung aus dem Stationären zu höheren Kosten bei spitalambulanten und ärztlichen Behandlungen. Diese Entwicklung wiederum kommt vollständig bei den Prämienzahlern an, weil die Kantone keine Beiträge an ambulante Kosten leisten.

Ein Dauerthema schliesslich sind die Medikamentenpreise: Diese steigen mit über 5 Prozent munter an – «wachstumsdämpfende Preiseffekte» kann Santésuisse nach wie vor nicht ausmachen. Dies vor dem Hintergrund, dass das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die regelmässige Preisüberprüfung erst Ende 2017 wieder aufgenommen hat. Zudem ist der Generikaeinsatz hierzulande nach wie vor unterdurchschnittlich. Und das Referenzpreissystem für Medikamente, deren Patentschutz abgelaufen ist, gibt es auch immer noch nicht.

Übrigens: Der Ruf nach der Politik mag zwar berechtigt sein, scheint aber nicht allen gleichermassen angemessen. Felix Schneuwly, Head of Public Affairs bei Comparis, twitterte gestern: «Wird der Kostenanstieg nicht nachhaltig gebremst, folgt jeder ‹moderaten› Prämienerhöhung ein Prämienschock.» Statt die Politik zu Hilfe rufen, sollte Santésuisse «konsequent nur wirksame, zweckmässige und wirtschaftliche Medizin bezahlen», forderte Schneuwly. So eben, wie es im KVG steht.

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