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Schweizer zahlen lieber mit Bargeld

Die Nationalbank liess sich durch eine Umfrage bestätigen, was sie sowieso schon zu wissen glaubte – und vermutlich auch zu hören hoffte: Die Schweizer stehen auf Bargeld.
Daniel Zulauf
Schweizer tragen im Schnitt 133 Franken im Portemonnaie. (Bild: KEY)

Schweizer tragen im Schnitt 133 Franken im Portemonnaie. (Bild: KEY)

Die Schweiz ist ein Land von Barzahlern. Was die Statistiken der Nationalbank über den Umlauf von Münzen und Banknoten längst vermuten lassen, belegt jetzt auch eine repräsentative Publikumsumfrage. Im Alltag lassen Herr und Frau Schweizer immer noch am liebsten Münzen und Noten springen. 1,6-mal pro Tag zücken sie das Portemonnaie, um Zahlungen von durchschnittlich 41 Franken zu begleichen.

Im Portemonnaie stecken im Mittel 133 Franken in bar und zwei Bezahlkarten. 70 Prozent der 22500 spontanen Trans­aktionen, welche die 2000 Testpersonen während einer Woche in einem Tagebuch festhalten mussten, wurden in bar getätigt. Die weit verbreitete Debitkarte (EC-Karte) kam lediglich bei jeder fünften Transaktion (22 Prozent) zum Einsatz. Die Nutzung von Kreditkarten erreichte mit 5 Prozent aller Transaktionen immerhin noch eine gewisse Relevanz. Aber andere Bezahlformen wie die viel diskutierten Smartphone-Applikationen erwiesen sich mit einem Anteil von 0,3 Prozent als nahezu bedeutungslos. Wenig überraschend erfolgt der Einsatz von Bargeld am ehesten dort, wo es um kleine Beträge geht. 83 Prozent der Transaktionen weisen einen Wert von 50 Franken und weniger auf.

Bei Geschäften im Wert von über 200 Franken fliesst Bargeld nur noch in 2 Prozent der Fälle. Aber auch wertmässig bleiben Noten und Münzen bei unregelmässigen Geldgeschäften im Alltag mit einem Anteil von 45 Prozent immer noch ein wichtiges Zahlungsmittel.

Zahlungsverhalten kann sich noch ändern

Im internationalen Vergleich befinden sich die Schweizer mit ihrer Präferenz für das Bargeld in guter Gesellschaft. In Deutschland und in Österreich zeigen Umfragen, dass sogar 80 Prozent der spontanen, alltäglichen Geldgeschäfte in bar bezahlt werden. In Frankreich sind es allerdings nur gut die Hälfte und in den USA noch weniger. In Schweden ist das Bargeld sogar fast ganz aus dem Alltag verschwunden.

Diese Unterschiede zeigen, dass das aktuelle Zahlungsverhalten der Schweizer nicht in Stein gemeisselt ist. Tobias Trütsch, ein auf die Zahlungsökonomie spezialisierter Wissenschaftler an der Hochschule St. Gallen, hat in seinen eigenen Untersuchungen einen starken Rückgang der Bargeldnutzung seit 1990 festgestellt. Nach seinen Berechnungen lag der wertmässige Anteil des Bargeldes im alltäglichen, spontanen Zahlungsverkehr damals noch bei über 90 Prozent. Der Anteil der EC-Karte betrug im gleichen Jahr noch weniger als 1 Prozent.

Offiziell hat die Nationalbank keine Präferenz für ein bestimmtes Zahlungsmittel. Ihr Auftrag bestehe darin, das gute Funktionieren des Zahlungsverkehrs sicherzustellen, erklärte Vizepräsident Fritz Zurbrügg gestern anlässlich der Präsentation der Umfrageergebnisse in Zürich. Doch die nun nachgewiesene hohe Akzeptanz des Bargeldes kommt der SNB kaum ungelegen. Immerhin lässt sich sie sich die Herstellung der neuen Notenserie alles in allem mehr als 1 Milliarde Franken kosten. Die fortgesetzte Produktion der 1000er-Note, die international immer wieder in die Kritik gerät, ist für den Zahlungsverkehr aber praktisch bedeutungslos, wie die Umfrage zeigt. Dennoch repräsentiert die Note wertmässig zwei Drittel des gesamten Bargeldbestandes. Die Herstellung von Banknoten ist für die Nationalbank zwar teuer, aber auch ein gutes Geschäft.

Die Nationalbank erzielt sogenannte Seigniorage-Einnahmen, indem sie die Notenbankgeldmenge nicht verzinsen muss und das Geld ertragsbringend anlegen kann. Mit diesem Seigniorage erwirtschaftet die Nationalbank im langjährigen Mittel Erträge in Milliardenhöhe pro Jahr, sagt Trütsch. Das Geld kann sie zum Aufbau von Eigenkapital, aber auch zur Deckung ihrer Kosten und schliesslich auch für Ausschüttungen an Bund und Kantone verwenden.

Zurbrügg äusserte sich auch zur jüngsten Entwicklung des Schweizer Frankens, der wegen der politischen Unsicherheiten in Italien unter Druck geraten ist. Die Nationalbank sei von ihrer bisherigen Geldpolitik mit Negativzinsen und Interventionen weiterhin überzeugt, sagte er.

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