Geldpolitik
Notenbanken reagieren auf die US-Wahlen

Hat sich die Nationalbank nicht mit Rhetorik begnügt?

Tommaso Manzin
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Sieht noch Zinssenkungsspielraum: Andréa Maechler von der Nationalbank.

Sieht noch Zinssenkungsspielraum: Andréa Maechler von der Nationalbank.

KEYSTONE/WALTER BIERI

Von Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), bis zu Andréa Maechler vom Direktorium der Schweizerischen Nationalbank (SNB): Die Notenbanker wollen die Märkte beruhigen. Schon vor der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA vor zwei Wochen war die Nervosität an den Börsen gestiegen. Alle Zentralbanken gelobten, Gewehr bei Fuss zu stehen. Ihre Mittel zur Stützung der Wirtschaft seien noch nicht ausgeschöpft.

«Erholung hängt an Geldpolitik»

Zum jüngsten Anstieg der Aktienkurse mag die Hoffnung beigetragen haben, Trump werde seine Wahlkampfversprechen nicht eins zu eins umsetzen. Aber auch eine Geldpolitik mit tiefen Zinsen und damit billigen Finanzierungsmöglichkeiten hilft den Börsen. Diese Politik dürfte weiterlaufen.

«Die Erholung im Euro-Raum hängt immer noch in einem beträchtlichen Ausmass von einer konjunkturstützenden Geldpolitik ab», sagte Draghi vergangenen Freitag an einer Konferenz in Frankfurt. Entsprechend werde die EZB nötigenfalls alle zur Verfügung stehenden Instrumente nutzen, um die Konjunktur anzukurbeln. Schon am Tag davor hatte Maechler erklärt, die Nationalbank sei mit ihrem Negativzins von 0,75 Prozent noch nicht am Ende ihrer Möglichkeiten. Nötigenfalls bestehe noch ein «gewisser Zinssenkungsspielraum». Während der US-Dollar in den vergangenen Wochen im Sog der US-Wahlen auch zum Franken zugelegt hatte, hat der Euro an Terrain verloren. Er fiel in den vergangenen Tagen zeitweise auf unter Fr. 1.07. Die SNB könnte also gezwungen gewesen sein, Euros zu kaufen, um ein weiteres Erstarken des Frankens zu verhindern.

Hat SNB interveniert?

Die Sichtguthaben der Banken in der Schweiz bei der Nationalbank sind letzte Woche stark gestiegen, nämlich um 4,8 Milliarden auf 524,7 Milliarden Franken. Es ist der höchste Wochenanstieg seit dem Entscheid zum Brexit in Grossbritannien im Juli. Normalerweise ist das ein Zeichen dafür, dass die Nationalbank massiv am Devisenmarkt interveniert hat, indem sie beispielsweise Euros von den Banken kaufte und ihnen den Gegenwert auf den Sichtguthaben gutschrieb. Die SNB kommentiert diesbezügliche Anfragen jedoch nicht. Maechler hatte vergangenen Donnerstag allerdings neben der Verschärfung der Negativzinsen just auch die Bereitschaft der SNB zur Intervention an den Devisenmärkten bekräftigt. Beide Massnahmen würden im Kampf gegen die Frankenaufwertung erst kombiniert ihre volle Wirkung entfalten.