Zentralschweizer Banken rechnen mit einem Ansturm

Finanzinstitute in der Zentralschweiz machen sich auf eine grosse Zahl von Anträgen für Notkredite gefasst.

Gregory Remez
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Eingang zum LUKB-Hauptsitz in Luzern.

Eingang zum LUKB-Hauptsitz in Luzern.

Bild: Sigi Tischler/Keystone

Nun gilt es also ernst. Ab heute können Schweizer Unternehmen bei ihrer Hausbank einen Notkredit zur Überbrückung von coronabedingten Liquiditätsengpässen beziehen. An der gestrigen Pressekonferenz erläuterte Bundesrat Ueli Maurer die Details des Massnahmenpakets

Mit über 300 Banken habe er sich in den vergangenen Tagen beraten, sagte der Finanzminister. Nun liegt es an diesen, die Massnahmen möglichst reibungslos umzusetzen, damit all jene Firmen, die sonst bald finanziell in eine Schieflage geraten würden, so schnell wie möglich an Geld kommen.

Bürokratischen Aufwand auf ein Minimum reduzieren

Während die Bewältigung der zu erwartenden Flut von Kreditanträgen den grossen Finanzhäusern UBS und Credit Suisse wenig Mühe bereiten dürfte, stellt die aktuelle Situation für die Regionalbanken eine präzedenzlose Herausforderung dar. Die meisten haben deshalb in den letzten Tagen ihr Personal intern umdisponiert oder gar aufgestockt.

«Wir haben die Abteilung, welche die Kredite massgeblich bearbeiten wird, mit zusätzlichem Personal aus anderen Bereichen verstärkt», heisst es etwa bei der Nidwaldner Kantonalbank (NKB). Es sei zwar schwer abzuschätzen, wie viele Kunden bereits am Starttag ein Gesuch einreichen werden, man wolle aber alles daran setzen, Verzögerungen bei der Kreditvergabe zu vermeiden.

Auch die Valiant Bank mit Holdingsitz in Luzern spricht von einer zwischenzeitlichen Verlegung von Personal. Noch bis gestern Abend seien Mitarbeitende für die bevorstehende Situation geschult worden, sagt ein Sprecher.

Die Luzerner Kantonalbank (LUKB) hat für die Bearbeitung von Kreditanfragen bis zu einer halben Million Franken gar eigens eine Taskforce gebildet. Die Bank rechnet mit einem regelrechten Ansturm auf die Notkredite. Sie stützt sich dabei auf Erfahrungen von vergangener Woche.

Denn bereits am Dienstag, also drei Tage vor der Ankündigung des bundesrätlichen Hilfsprogramms durch Maurer, hatte das Luzerner Institut ein eigenes Hilfspaket mit Sofortkrediten in der Höhe von 50 Millionen Franken lanciert – und damit eine «sehr grosse Nachfrage» ausgelöst, wie ein Sprecher der Bank verrät. Deshalb setze man nun alles daran, dass es bei der Umsetzung des Bundesprogramms nicht zu unnötigen Wartezeiten kommt.

Den bürokratischen Aufwand auf ein Minimum zu reduzieren, lautet derzeit das Credo der Branche. Wie andere Institute des Landes haben daher auch Zentralschweizer Banken einfache Anleitungen für die Kreditanträge auf ihren Websites publiziert. Um den Prozess zusätzlich zu beschleunigen, rät beispielsweise die LUKB ihren Kunden die IBAN ihres Kontos direkt in den Betreff der entsprechenden E-Mail zu schreiben.

Zusätzliche Massnahmen für Künstler, Landwirte etc.

Doch nicht nur mit Bundesdarlehen wollen die Zentralschweizer Finanzinstitute den Menschen in ihrer Region unter die Arme greifen. Ähnlich wie die LUKB haben auch andere Banken bereits zusätzliche Massnahmepakete verabschiedet.

Die Obwaldner Kantonalbank (OKB) beispielsweise hat nach Rücksprache mit dem Regierungsrat einen zusätzlichen Fonds in der Höhe von 5 Millionen Franken bereitgestellt. Dieser soll etwa Kleinstunternehmen, Selbständigerwerbende, freischaffende Künstler oder Landwirte in Härtefällen mit zinslosen Darlehen unterstützen.

«Dieser Fonds soll vor allem jene schützen, welche keinen Anspruch auf Bundesdarlehen haben und in wirtschaftliche Notsituationen geraten», erklärt eine Banksprecherin. Daher sei es auch Nichtkunden der Obwaldner Kantonalbank möglich, einen Antrag zu stellen.