NOVARTIS: Generationenwechsel an der Spitze: Vasant Narasimhan wird CEO

Der Basler Pharma-Riese installiert den jungen Mediziner Vasant Narasimhan als CEO. Vorgänger Joseph Jimenez geht zurück in die USA. Belegschaft und Analysten begrüssen den internen Aufstieg.

Daniel Zulauf
Drucken
Teilen
Der designierte Novartis-CEO Vas Narasimhan (41) an einer Pressekonferenz. (Bild: Patrick Straub/Keystone (Basel, 25. Januar 2017))

Der designierte Novartis-CEO Vas Narasimhan (41) an einer Pressekonferenz. (Bild: Patrick Straub/Keystone (Basel, 25. Januar 2017))

Daniel Zulauf

Vasant Narasimhan ist mit 41 Jahren der jüngste unter den elf höchsten Novartis-Managern, und ausgerechnet er soll am 1. Februar 2018 in die Fussstapfen von Joseph Jimenez treten. Die Wahl des indischstämmigen Amerikaners, der gegenwärtig die Medikamentenentwicklung in Basel leitet und rund 10 000 Mitarbeiter führt, lässt sich in vielerlei Hinsicht als Signal und als Statement des Verwaltungrates werten. «Vas», wie sich der künftige CEO des Pharma- Riesen selber nennt, verfüge über viel Erfahrung in der Bewirtschaftung der Schnittstellen zwischen Forschung und Geschäft, und als Arzt habe er einen starken Fokus auf die Patienten, lässt sich Verwaltungsratspräsident Jörg Rein­hardt zitieren.

Was in manchen Ohren wie eine abgedroschene Floskel tönen mag, mit denen Firmen ihre wichtigen Personalien zu kommentieren pflegen, beschreibt in Tat und Wahrheit die wesentlichsten Unterschiede zwischen Jimenez und seinem Nachfolger. Jimenez war 2010 nach einer knapp dreijährigen Lehrzeit als Divisionsleiter vom damaligen Verwaltungsratspräsidenten Daniel Vasella in die Rolle des Konzernlenkers berufen worden, um dem Medikamentenmulti nach einer ehrgeizigen Expansionsphase frischen Schwung zu verleihen. Dafür waren das betriebswirtschaftliche Wissen und die lange Führungserfahrung des heute 57-jährigen Managers in der naturgemäss besonders knapp kalkulierenden Konsumgüterindustrie von besonders grosser Bedeutung. So wie Jimenez’ Berufung im Jahr 2010 das strategische Gewicht des Kostenmanagements unterstrichen hatte, so betont Narasimhans Ernennung die Rückbesinnung von Novartis auf die eigenen Stärken.

Nicht nur ist der künftige CEO selber stark in der Medizin und in den Naturwissenschaften verankert. Vas studierte in Chicago Biologie, um sich danach in Harvard zum Arzt und daraufhin auch noch zum Master in Öffentlicher Verwaltung auszubilden. Mit 12 Jahren Betriebserfahrung ist der Mann angesichts seines noch jungen Alters schon fast ein Novartis-Veteran. Analysten haben die Personalie gestern mehrheitlich begrüsst (siehe Box). Auch aus Mit­arbeiterkreisen hört man viele positive Kommentare. In Erwartung von Jimenez’ Rücktritt hatten offenbar nicht ­wenige Angestellte die Befürchtung ­gehegt, das Unternehmen könnte mit einem neuen, von aussen hinzukommenden Manager eine weitere grosse Umbauphase erleben. Dies, nachdem die letzte Umstrukturierung, die Jimenez 2014 eingeleitet hatte, eben erst zum Abschluss kommt. Narasimhans Wahl ist ein Signal dafür, dass dies wohl kaum geschehen wird. Der Mann mit dem breiten Lächeln und den strahlend weissen Zähnen hat im Rahmen seiner früheren Führungsaufgaben in der inzwischen verkauften Impfstoffsparte (Nordamerika-Chef und Forschungsleiter) die Folgen von erratischen Veränderungen selber erlebt und dabei mit Sicherheit viele unangenehme Erfahrungen gemacht. Nach dem Ausstieg von Novartis aus dem Impfgeschäft wechselte der Manager zum Generikahersteller Sandoz, wo er als «Global Head» im Geschäft mit Onkologiemedikamenten und biologischen und Nachahmerprodukten eine Schlüsseldomäne von Novartis verantwortete. Nach einem Revirement in der Sandoz-Führung, die ihren Grund in den enttäuschenden Resultaten der Division gehabt haben dürfte, übernahm Narasimhan Anfang 2016 die Funktion, die ihn auch in die Konzernleitung führte.

Viel Anerkennung in Indien

Seine Überzeugungen und Prioritäten wird man erst im Lauf der nächsten Jahre kennen lernen. Derweil stürzen sich die Medien auf das Wenige, was man über den Manager der zweitgrössten Publikumsgesellschaft in der Schweiz im Internet auf die Schnelle halt finden kann. Da wäre zum Beispiel die bestellte Heiratsankündigung in der Stilbeilage der «New York Times» aus dem Jahr 2003, in der die romantischen Wege zur Verbindung zwischen Vas und seiner heutigen Ehefrau Srishti Gupta beschrieben sind und auch klar wird, dass die ­beiden nach glänzenden Studienabschlüssen erste Berufserfahrungen bei McKinsey sammelten. Indischen Presseberichten ist zu entnehmen, dass man den künftigen Novartis-Chef auf dem Subkontinent immer noch als einen der Ihrigen sieht und dessen steile Karriere im Westen mit grossem Wohlwollen zur Kenntnis nimmt.

Bis man Narasimhan anhand seiner eigenen Taten wirklich beurteilen kann, wird Jimenez sein laufendes Umbau­programm noch zu Ende bringen und möglicherweise vor Ende Jahr den ­Verkauf der viel zu teuer eingekauften Alcon via Börsengang ankündigen. Möglicherweise wird uns auch Jimenez noch sagen, was Novartis mit der ­grossen Beteiligung am Lokalrivalen Roche zu tun gedenkt. Man möchte dem neuen CEO wünschen, dass er mit diesen Fragen nichts mehr zu tun haben wird.