Blutkrebs
Novartis greift Kassenschlager von Lokalrivalen Roche an

Novartis lanciert eine Kopie des Roche-Mittels Mabthera.

Andreas Möckli
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Im Produktionsbetrieb in Kaiseraugst verarbeitet Roche biotechnologisch hergestellte Wirkstoffe zu Arzneimitteln – unter anderen auch MabThera.

Im Produktionsbetrieb in Kaiseraugst verarbeitet Roche biotechnologisch hergestellte Wirkstoffe zu Arzneimitteln – unter anderen auch MabThera.

Keystone

Die Lokalrivalen Novartis und Roche treten auf einem weiteren Kampffeld gegeneinander an. Was sich schon länger abzeichnete, wird nun Tatsache: Novartis lanciert ein Nachahmerpräparat des Roche-Mittels Mabthera. Die Europäische Kommission hat dazu grünes Licht gegeben.

Mabthera ist das umsatzstärkste Medikament von Roche. Der Pharmakonzern erzielte mit dem Mittel im vergangenen Jahr einen Umsatz von 7,3 Milliarden Franken. Das Präparat wird gegen zwei Blutkrebsarten und gegen rheumatoide Arthritis eingesetzt. Obwohl der Patentschutz von Mabthera in Europa bereits 2015 abgelaufen ist, sind erst jetzt erste Nachahmerpräparate auf den Markt gekommen.

Aufwendiges Verfahren

Beim Medikament handelt es sich um ein biotechnologisch hergestelltes Arzneimittel. Diese können aufgrund ihrer aufwendigeren Produktionsmethode nicht so leicht kopiert werden. In der Fachsprache nennen sich solche Kopien denn auch nicht Generika, sondern Biosimilars. Diese werden in einem aufwendigen Verfahren mittels gentechnisch veränderter Zellen hergestellt. Da der Wirkstoff aus lebenden Zellen – meist von Säugetieren – hergestellt wird, kommt es zu leichten Abweichungen zum Original. Deshalb entstand das Kunstwort Biosimilar, dass sich aus «bio» und «similar» (ähnlich) zusammensetzt.

Vor Novartis hat bereits der südkoreanische Konzern Celltrion ein Biosimilar von Mabthera in Europa lanciert. Die Firma arbeitet dabei mit dem britischen Pharmakonzern Mundipharma zusammen.

Da die Industrie mit Biosimilars – insbesondere im Bereich Krebs – noch nicht viele Erfahrungen gesammelt hat, sind Prognosen über die Umsatzentwicklung und die damit verbundenen Einbussen für die Originalhersteller schwierig. Bei den klassischen Generika ist dies aufgrund eingespielter Abläufe und Preisnachlässe von teilweise über 80 Prozent auf das Original weit besser vorhersehbar als bei Biosimilars.

Ähnlicher Name

Analysten sind deshalb mit Schätzungen vorsichtig, sowohl was Novartis als auch Roche anbelangt. Im Fall von Roche kommt dazu, dass es mit dem Medikament Gazyva ein Nachfolgepräparat von Mabthera gibt. Dieses ist jedoch nicht für alle Anwendungsgebiete von Mabthera zugelassen. Dennoch müsse Roche in den nächsten zwei Jahre nur eine geringfügige Umsatzeinbusse hinnehmen, wenn man beide Präparate zusammen betrachte, sagt David Kägi, Analyst bei der Bank J. Safra Sarasin.

Schwierig sei eine Prognose aus mehreren Gründen. So sei der Preisabschlag bei Biosimilars mit rund 30 bis 40 Prozent bedeutend kleiner als bei Generika. Wie rasch und wie stark Spitalärzte deshalb auf die günstigere Variante umstellen, sei unklar, sagt Kägi. Hinzu kommt, dass es sich bei Krebs um eine meist tödliche Krankheit handle, weshalb viele Ärzte mit einer Umstellung zögern dürften.

Pikant ist die Namensgebung des Biosimilars von Novartis. Es heisst Rixathon und ist damit recht ähnlich wie der amerikanische Handelsname. Denn dort heisst das Roche-Präparat nicht Mabthera, sondern Rituxan. Roche wollte zur Ähnlichkeit des Namens keine Stellung abgeben.