Pharma
Novartis investiert nach Patenturteil nicht mehr in Indien

Nachdem der Pharmakonzern vor dem obersten indischen Gerichtshof den Patentstreit ums Krebsmittel Glivec verloren hat, wollen die Basler in Indien vorläufig kein Geld mehr in die Forschung stecken.

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Novartis will in Indien nicht mehr investieren. Im Bild: Novartis-Gebäude in Basel und Novartis-Indien-Chef Ranjit Shahani.

Novartis will in Indien nicht mehr investieren. Im Bild: Novartis-Gebäude in Basel und Novartis-Indien-Chef Ranjit Shahani.

Keystone

Nach siebenjährigem Streit hat der oberste indische Gerichtshof nun entschieden: Das Krebsmedikament Glivec bekommt keinen Patentschutz und kann in Indien damit kopiert werden.

Fragwürdiges Urteil

Indien hat gestern Novartis das Patent für das Krebsmittel Glivec verweigert. Nichtregierungsorganisationen (NGO) wie die Erklärung von Bern oder Ärzte ohne Grenze haben ihre Freude über das Urteil ausgedrückt. Es sei richtig, so die NGO gestern, dass Indien der Gesundheit der Bevölkerung den Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen gebe.

Das ist eine problematische Aussage. Sie unterstellt, dass der Basler Pharmagigant auf dem Buckel der ärmsten Menschen unseres Planeten Geschäfte machen will. Oder noch schlimmer: dass Novartis Menschen, die das Geld für teure Medikamente nicht haben, ihrem tödlichen Schicksal überlässt. Das stimmt nicht: 95 Prozent der indischen Patienten erhalten Glivec gratis.

Fragwürdig ist zudem, was Indien mit dem Urteil gewinnt. Die Absage macht deutlich, dass in Indien international etablierte Rechtsstandards eigenwillig ausgelegt werden. So haben bereits rund 40 Länder dem Novartis-Präparat das Recht auf geistiges Eigentum zugestanden.

In Indien können sich Unternehmen aber offensichtlich nicht auf die international sanktionierten Standards der globalisierten Wirtschaftsordnung verlassen. Hier sind Firmen zusätzlichen Risiken ausgesetzt. Novartis hat gestern denn auch bereits angedeutet, künftig Investitionen in Forschung und Entwicklung in Indien nur noch «vorsichtig» zu tätigen. Mit dem Urteil schneidet sich das Schwellenland letztlich ins eigene Fleisch. Und man fragt sich je länger, je mehr - so wie es der «Economist» in seiner letzten Ausgabe tat: Hat Indien wirklich das Zeug zur (wirtschaftlichen) Grossmacht? (Marc Fischer)

Der Länderchef von Novartis Indien, Ranjit Shahani, ging noch einen Schritt weiter und sprach von einer möglichen Verlagerung der Forschungsaktivitäten auf andere Standorte. In welche Richtung die Verlagerung gehen könnte, wollte Shahani nicht sagen.

Gegenüber der «Times of India» macht er klar, dass die grossen Pharmafirmen seit Ausbruch des Patentstreits ihre grössten Investitionen längst anderswo, nämlich in China, getätigt haben. «Novartis, Roche, Sanofi, Pfizer, GSK, Astra Zeneca und Eli Lilly haben kein einziges Investment in Indien getätigt».

Künftig werde man neue Medikamente, die im Land nicht patentierbar seien, nur noch vorsichtig oder nicht mehr einführen, sagte Shahani weiter. (rsn)