Pharmabranche
Novartis macht die Augen auf

Die Abteilung Augenheilkunde des Pharmakonzerns kommt auf den Prüfstand.

Stefan Schuppli
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Keine zufriedenstellenden Resultate: Die Novartis-Division Augenheilkunde soll wieder wachsen.Arnd Wiegmann/reuters

Keine zufriedenstellenden Resultate: Die Novartis-Division Augenheilkunde soll wieder wachsen.Arnd Wiegmann/reuters

REUTERS

Nein, wirklich Freude macht das dritte Quartal der Novartis nicht. Der starke Dollar machte einen Strich durch die Rechnung, in den USA mussten knapp 400 Millionen Dollar für einen Rechtsstreit bei Apothekengeschäften zurückgestellt werden.

Und bei Alcon, die nach Pharma zweitgrösste Division von Novartis, läuft es seit diesem Jahr nicht mehr rund. Verschiedene Faktoren waren massgebend. Im Augenchirurgiebereich stieg der Konkurrenzdruck im Bereich Intraokularlinse, bei den Augenheilmitteln drückten Generika auf den Preis. Und schliesslich wurden weniger Kontaktlinsen und Linsen-Pflegemittel verkauft.

Derzeit wird ein Plan zur Ankurbelung des Wachstums¬entwickelt. Welches Ziel auf welche Art anvisiert wird, ist noch offen. Alcon machte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 11 Milliarden Dollar. Der Umsatzeinbruch im dritten Quartal lag bei 11 Prozent, zu konstanten Wechselkursen bei zwei Prozent.

Besser lief die Generikasparte Sandoz. Sie erzielte mit 2,3 Milliarden Dollar zwar drei Prozent weniger Umsatz, hat diesen ohne Wechselkurseffekte aber steigern können. Zwar sanken die Preise der verkauften Produkte. Dies machte die Sparte aber mit einer Steigerung der verkauften Menge wett.

Besonders krass bekam die Dollarstärke die Pharmasparte zu spüren. Ohne Währungseffekte wäre der Umsatz um sieben Prozent gestiegen, mit Währungseffekte fiel er hingegen um vier Prozent auf 7,6 Milliarden Dollar zurück. Novartis legt Bilanz und Erfolgsrechnung in Dollar vor.

Von der Finanznachrichtenagentur AWP befragte Analysten bemängelten jedoch die Verkaufsentwicklung beim margenstarken Augenmedikament Lucentis sowie bei Gilenya zur Behandlung multipler Sklerose. Positiv werteten die Analysten hingegen, dass die Sparte weiter versucht, die Kosten zu senken.

Rückstellung für US-Rechtsfall

Beim operativen Ergebnis machten die Wechselkurs-Effekte aus einem Plus von 2 Prozent ein Minus von 18 Prozent. Es betrug noch 2,2 Milliarden Dollar. Alcon hätte auch ohne Wechselkurseffekte Minus gemacht, die Pharmasparte hätte stagniert, nur bei Sandoz hätte es ein Plus gegeben.

Neben den Abschreibungen auf den neuen, von Glaxo-Smith-Kline (GSK) übernommenen Onkologieprodukten belastet der eingangs erwähnte Rechtsfall in den USA die Erfolgsrechnung. Es geht dabei um Bestechungsvorwürfe. Novartis wurde in den USA vorgeworfen, Apotheken dafür bezahlt zu haben, Novartis-Medikamente statt Konkurrenz-Arzneien zu verkaufen.

Die Zahlungen seien als Rabatte getarnt worden. Novartis hatte die Vorwürfe als unwahr zurückgewiesen. Novartis habe spezialisierten Apotheken Rabatte gewährt, damit diese Pflegepersonal anstellen konnten, sagte Jimenez. Das Pflegepersonal habe dann Patienten geholfen, ihre Medikamente einzunehmen. Der Prozess vor einem New Yorker Gericht hätte kommenden Montag beginnen sollen.

Nun hat Novartis eine «grundsätzliche Einigung» mit dem US-Justizministerium, den Bundesstaaten und dem Anzeigeerstatter erzielt. Sie sieht vor, dass Novartis 390 Millionen Dollar zahlt.

Dieser Betrag wurde nun zurückgestellt, zusätzlich zu einer Summe für die Rechtskosten. Novartis strebe «eine für alle Seiten akzeptable Beilegung dieses Rechtsstreits an», sagte ein Novartis-Sprecher. Diese Rückstellung belastete den Gewinn. Dazu kommt, dass im Vorjahr der Verkauf der Beteiligung am US-Konzern Idenix einen ausserordentlichen Gewinn von 800 Millionen Dollar abwarf.

Die Novartis-Aktie büsste gestern 1,55 Prozent ein und schloss bei Fr. 89.15. (SDA/AWP)

Das Interview zum Artikel lesen Sie hier.